23.04.2020 20:44 |

Konzern vor Kollaps

Milliardenschwere Staatshilfen für Lufthansa?

Die AUA-Mutter Lufthansa Group kann sich nicht mehr aus eigener Kraft aus der Corona-Krise retten. Diese Einschätzung veröffentlichte der Dax-Konzern am Donnerstag, nachdem er für das erste Quartal einen operativen Verlust von 1,2 Milliarden Euro vermeldet hatte. Insidern zufolge will Europas größter Luftverkehrskonzern Anfang nächster Woche ein staatliches Hilfspaket von bis zu zehn Milliarden Euro schnüren. Die Mittel sollen demnach aus dem deutschen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes, aus staatlich besicherten KfW-Krediten sowie von den Regierungen Österreichs, Belgiens und der Schweiz kommen. 

Anfang nächster Woche dürfte dann auch die Entscheidung klar sein, wie die Aufteilung zwischen Eigen- und Fremdkapital genau aussieht, sagten mehrere mit der Lage vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Lufthansa, die staatliche deutsche Förderbank KfW und die deutsche Regierung kommentierten das nicht.

Das Rettungspaket beläuft sich auf neun bis zehn Milliarden Euro, wie ein Insider sagte. Aus dem WSF könnten drei bis vier Milliarden Euro an Eigenkapitel kommen, anfangs womöglich über eine stille Beteiligung, die dann später in Teilen oder ganz in Aktien umgewandelt werden könnte. Aus dem KfW-Programm könnten bis zu fünf Milliarden Euro fließen, von den anderen Ländern zusammen eine bis 1,5 Milliarden Euro.

„Die genauen Anteile der einzelnen Finanztöpfe sind aber noch im Fluss“, sagte ein Eingeweihter. An anderer Stelle hieß es, generell könne man auch damit rechnen, dass die Altaktionäre bluten müssten, in Form von Verwässerung der Aktien. Denn politisch sei es nicht durchsetzbar, der Lufthansa nur Kredite zu geben ohne am Eigenkapital beteiligt zu sein. „Staatshilfe muss bitter schmecken.“ Bei der Lufthansa hieß es zuletzt hinter vorgehaltener Hand, man plädiere eher für eine stille Beteiligung. Deutschlands Branchenprimus will vermeiden, dass die Politik sich ins operative Geschäft einmischt.

Mit dem Geld will die Airline die Belastungen aus der Corona-Pandemie abmildern. Denn wegen internationaler Einreisebeschränkungen und schwindender Nachfrage ist der Flugbetrieb der Lufthansa fast lahmgelegt. Konzernchef Carsten Spohr hatte jüngst betont, wegen der Krise verliere die Lufthansa derzeit jede Stunde „ungefähr eine Million Euro unserer Liquiditätsreserven“.

Noch 4,4 Milliarden Euro flüssige Mittel
Für das laufende zweite Quartal werde ein noch deutlich höheres Minus erwartet, teilte das Unternehmen in Frankfurt mit. Es sei momentan nicht absehbar, wann der Flugbetrieb wieder ausgeweitet werden könne. Aktuell verfüge Lufthansa nach erneuten Kreditaufnahmen insgesamt über 4,4 Milliarden Euro flüssige Mittel, die allerdings in den „nächsten Wochen“ deutlich zurückgehen werden, hieß es weiter. „Der Konzern rechnet nicht damit, den entstehenden Kapitalbedarf mit weiteren Mittelaufnahmen am Markt decken zu können.“

1,4 Milliarden Euro an Umsatz verloren
Europas größter Luftverkehrskonzern hat allein im März knapp 1,4 Milliarden Euro Umsatz verloren, hieß es in einer Pflichtmitteilung an die Börse. Im gesamten Quartal lagen die Erlöse mit 6,4 Milliarden Euro damit in ähnlicher Größenordnung unter dem Vorjahreswert von 7,8 Milliarden Euro. Den operativen Verlust (bereinigtes Ebit) bezifferte das Unternehmen auf 1,2 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte der Verlust im traditionell schwachen Quartal zu Jahresbeginn noch 336 Millionen Euro betragen. Zusätzlich werden nun ungünstige Treibstoffverträge und Wertminderungen der Flugzeuge auf den Gewinn drücken. Details dazu will Lufthansa Mitte Mai veröffentlichen.

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