19.04.2020 15:46 |

Kultur

Eier als Dank für das laute Georgiglück

Ein Brauch, den ausschließlich junge Leute lebendig halten, ist das Georgijagen. Die Dorfgemeinschaft Latschach will das lärmende Umherziehen am Vorabend zum Georgstag wieder forcieren.

Gerade heuer ist es unmöglich, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Künftig sollen wieder mehr junge Leute rund um den Faaker See zum Georgijagen aufbrechen. „Es ist ein uralter Hirten- und Heischebrauch“, weiß Herbert Sternig, der stellvertretende Obmann der Dorfgemeinschaft Latschach: „Hier im oberen Rosental, rund um den Faaker See, wo deutsch- und slowenischsprachige Kärntner zusammenleben, hat sich der Brauch über die Jahrhunderte erhalten. Im slowenischen Dialekt heißt er Šentjurij jagata.“

Der Brauch beginnt schon eine Woche vor dem eigentlichen „Jagen“: Die 7- bis 14-Jährigen – früher waren es ausschließlich Buben, heute dürften auch Mädchen mitmachen – tragen Holz und Reisig zusammen, um außerhalb des Ortes auf einer Anhöhe einen Haufen für das Georgifeuer zu errichten. Der Haufen wird, wie auch zu Ostern, streng bewacht, damit die Burschen aus dem Nachbarort ihn nicht verfrüht anzünden – das wäre eine Schande!

„Das ist schon eine außergewöhnliche Zeit, wenn dein bester Freund, weil er in einem anderen Ort wohnt und dadurch einer anderen Gruppe angehört, plötzlich dein erbitterter Gegner wird – aber eh nur für eine Woche“, erzählt Sternig.

Schon beim Bauen des Feuerhaufens wird ein Capo bestimmt: Dieser Anführer hat alle Entscheidungen zu treffen, denn Eltern oder andere Erwachsene haben bei dem Brauch keinerlei Mitspracherecht. Zugelassen sind ausschließlich ein paar Feuerwehrmänner, die beim Georgifeuer für die Sicherheit garantieren.

Bis zum großen Abend üben die Georgijäger fleißig, ihren Bocks- und Kuhhörnern Töne zu entlocken. „Das ist nicht leicht“, sagt Vize-Obmann Sternig.

Hörner und Glocken
Am 24. April wird dem heiligen Georg gedacht. Schon am Vorabend treffen sich die Georgijäger beim Feuer, knien nieder und beten ein „Vater unser“. Danach sind sie nicht mehr zu überhören: Sie blasen in ihre Hörner und lärmen mit den Kuhglocken, während sie von Haus zu Haus ziehen.

Mit dem Horn zeichnet der Capo symbolisch ein Kreuz und klopft an die Tür. Gern wird aufgemacht, bringen die Georgijäger doch die besten Wünsche für die Hausleute und das Vieh. Die Segenssprüche werden teils auf deutsch, teils auf slowenisch vorgetragen und sind von Dorf zu Dorf unterschiedlich. „Der heilige Georg klopft an die Tür und bittet um ein Nachtquartier.“ Er soll auch die Hühner segnen, damit sie viele Eier legen – und davon sollen die Hausleute einige den Georgijägern mitgeben. Zusätzlich bekommen diese zum Dank Speck, Würstel, Sasaka und manchmal ein wenig Geld.

„Jede Gruppe hat ihr Gebiet, das sich mit den Grenzen der Ortschaften deckt. Wird die Grenze überschritten, kommt es zu einer Rauferei“, so Sternig. Dabei gehen die Gaben an die stärkere Gruppe. Für gewöhnlich aber zieht eine Gruppe nach dem „Abjagen“ des Reviers in das Haus des Capos, wo aus den Gaben ein Mahl zubereitet wird. Wenn alle satt sind und das Geld aufgeteilt ist, ist es fast Mitternacht.

„Mit dem Lärmbrauch sollen die letzten Ungeister des Winter vertrieben werden, damit der Frühling sich richtig durchsetzen kann“, erklärt Sternig. Berühmt wurde Georg, der aus Kappadokien in der heutigen Türkei stammte, durch seinen Kampf gegen den Drachen. Als Bezwinger des Bösen wurde er somit zu einem der 14 Nothelfer.

Eine Bauernregel besagt: „Wenn vor Georgi Regen fehlt, wird man hernach damit gequält.“

Christina Natascha Kogler
Christina Natascha Kogler
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