19.04.2020 14:16 |

„Auch in Covid-Zeiten“

Ärzte: Notwendige Impfungen nicht vernachlässigen

Österreichs Ärztekammer empfiehlt, in Corona-Zeiten bisher hinten angestellte Impfungen nun rechtzeitig nachzuholen. Mit der diese Woche erfolgten schrittweisen Öffnung der Ordinationen sollen - unter Berücksichtigung der Einhaltung der nötigen Schutzvorkehrungen - Basisimpfungen wieder anlaufen. Es sei ein „massives Problem“, sollten diese in Pandemie-Zeiten vernachlässigt werden. Auch die Apothekerkammer erinnert an die regelmäßige Kontrolle des Impfstatus sowie die nun notwendige FSME-Impfung. Die NEOS indes fordern von Gesundheitsminister Rudolf Anschober, jetzt Vorsorge für die kommende Influenza-Saison zu treffen.

„Wir waren immer der Meinung, dass auch in Covid-Zeiten auf die Basisimpfungen nicht vergessen werden darf“, betonte Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referat für Impfangelegenheiten der Ärztekammer. Es sei ein „massives Problem“, sollten in Pandemie-Zeiten Impfungen vernachlässigt werden. So sei die Ausbreitung der Masern durch fehlende Impfungen schon in der Vergangenheit ein Problem gewesen. Dies sei aktuell auch im vom Corona-Ausbruch stark betroffenen Italien sichtbar.

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Wir waren immer der Meinung, dass auch in Covid-Zeiten auf die Basisimpfungen nicht vergessen werden darf.

Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referat für Impfangelegenheiten der Ärztekammer

Wie Schmitzberger anmerkte, gebe es keinen Grund dafür, mit Impfungen zuzuwarten. Mitte März hatte das Nationale Impfgremium empfohlen, Schutzimpfungen wegen der Covid-19-Pandemie für die kommenden drei Wochen vorerst aufzuschieben. Dies habe laut Schmitzberger für „Irritationen“ gesorgt. Die Möglichkeit, nach Rücksprache mit dem betreuenden Arzt zu einem individuellen Termin zu erscheinen, sei untergegangen.

Auch Apothekerkammer erinnert an FSME-Schutzimpfung
„Spätestens jetzt, wo die Zecken wieder aktiv sind und sich die Menschen durch gelockerte Ausgangsbeschränkungen wieder mehr in der Natur aufhalten, sollte an eine Auffrischung der Impfung gedacht werden“, so Gerhard Kobinger, Mitglied des Präsidiums der Österreichischen Apothekerkammer.

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Spätestens jetzt, wo die Zecken wieder aktiv sind und sich die Menschen durch gelockerte Ausgangsbeschränkungen wieder mehr in der Natur aufhalten, sollte an eine Auffrischung der Impfung gedacht werden.

Gerhard Kobinger, Mitglied des Präsidiums der Österreichischen Apothekerkammer

Impfung bis August billiger
Bis 31. August bieten alle Apotheken die Impfstoffe gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) zum vergünstigten Preis an. Darüber hinaus gewähren fast alle Krankenkassen einen ganzjährigen Kostenzuschuss. Die Apothekerkammer rät außerdem dazu, regelmäßig den Impfstatus kontrollieren zu lassen und in Zeiten der Corona-Pandemie „nicht auf die anderen Krankheiten zu vergessen“.

Prozedere soll vereinfacht werden
So wurden nach einem einstimmigen Beschluss die Fachbeschränkungen vorübergehend aufgehoben. Beispielsweise können Kinderärzte nun auch Erwachsene impfen. Dies soll bei der Anmeldung aber klar kommuniziert werden, so Schmitzberger.

NEOS fordern von Anschober sofortige Influenza-Vorsorge
„Mitten in der aktuellen Corona-Krise müssen auch die Schritte gesetzt werden, dass das Gesundheitssystem auch in der Zeit nach Corona voll einsatzfähig ist“, mahnt NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker. Die letzten Influenza-Saisonen seien teilweise dramatisch gewesen und die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie schnell die Lage eskalieren könne. Ein rasches Handeln sei jetzt wichtig, da Impfstoffe ein halbes Jahr vorher bei der Industrie bestellt werden müssen. Darüber hinaus wird die Nachfrage national und international größer sein, weil die Menschen sensibilisiert sind - wer früh bestellt, bestelle damit sicher.

Darüber hinaus setzen sich die NEOS dafür ein, dass in der kommenden Grippe-Saison die bedrohteste Gruppe, Menschen über 65, die Impfung zum Selbstkostenpreis erhält, um damit die Durchimpfungsrate zu erhöhen. „Wir werden einen entsprechenden Antrag nächste Woche im Plenum einbringen“, kündigte Loacker an.

„Laufen nochmals ins offene Messer“
„Wenn Minister Anschober die Beschaffung des Influenza-Impfstoffes jetzt verschläft, bekommen wir die Influenza-Impfstoffe für die Menschen in Österreich nicht. Wir haben schon die Beschaffung von Schutzausrüstung für das Gesundheitspersonal verschlafen - mit massiven Konsequenzen. Jetzt laufen wir nochmals ins offene Messer, weil alle nur an Corona denken und nicht darüber hinaus.“

Schutzvorkehrungen gelten weiterhin
Patienten müssen vor einem Ordinationsbesuch grundlegend vorher telefonisch Kontakt aufnehmen. So könnten die Terminvergaben strikt eingehalten werden. In der Ordination soll eine Mund-Nasen-Schutzmaske getragen werden, dies gilt auch für Kinder über sechs Jahre. Im Wartezimmer sollen sich möglichst wenige Personen gleichzeitig aufhalten, am besten nur ein Patient in der Ordination. Eine Ausnahme sind Elternteile mit Kindern.

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