ÖFB-Bosse entscheiden

St. Pölten rechnet mit Champions-League-Ticket

Auch wenn das ÖFB-Präsidium noch keine offizielle Entscheidung getroffen hat, kann man davon ausgehen, dass der SKN St. Pölten Österreich kommende Saison in der Frauen-Fußball-Champions-League vertreten wird. Auf Anfrage von St. Pöltens Klub-Präsident Wilfried Schmaus waren in der zweiten informellen Videokonferenz der Klubs seit Ausbruch des Coronavirus am Freitag keine Einwände zu vernehmen.

Neben Serienmeister St. Pölten hätte ohnehin nur Sturm Graz die Möglichkeit an der „Königsklasse“ teilzunehmen. Die beiden Vereine haben die nötigen Lizenzunterlagen für diesen Bewerb bei der UEFA eingereicht. „Egal, welchen Vergleich man nimmt. Wir waren voriges Jahr Erster, wir waren im Winter Erster, also welche Argumente gibt es, dass Sturm Champions-League-Teilnehmer sein sollte“, hatte Schmaus bereits im Vorfeld der Sitzung gegenüber der APA gesagt. Bezüglich der Lizenzierung gebe es die Rückmeldung, dass alle Punkte okay seien.

Völlig offen ist allerdings ob die neue internationale Saison überhaupt angepfiffen werden kann. Die CL-Qualifikation würde programmgemäß aus einem jeweiligen Kleinturnier mit vier Mannschaften gespielt werden. Zuvor sollte auch noch die alte Saison, die im Viertelfinale feststeckt, zu Ende gebracht werden. „Meine persönliche Meinung ist, dass auch das abgesagt wird“, sagte Schmaus.

Die ÖFB-Frauenliga war schon am Mittwoch vom ÖFB für beendet erklärt worden und wird nicht gewertet. St. Pölten lag zur Halbzeit klar vor Austria Wien/USC Landhaus und Sturm in Führung. Der Ausfall der Frühjahrssaison war aus wirtschaftlichen Gründen unvermeidbar. Schmaus: „Auch wenn es mit Zähneknirschen ist - ich verstehe die Entscheidung, dass wir einfach nicht Fußball spielen dürfen, weil die Gesundheit steht über allem.“

Hier ist Schmaus auf einer Linie mit dem Rest der Liga. „Wir danken allen Vereinen der beiden Bundesligen für ihr Verständnis gegenüber der schweren aber alternativlosen Entscheidung“, sagte ÖFB-Vizepräsident Johann Gartner, zugleich Vorsitzender Mädchen- und Frauenfußball.

Die aktuelle Situation ist ein schwerer Schlag für den Frauenfußball, der in Österreich langsam zumindest etwas an Bedeutung gewonnen hatte. Sollte die neue Saison nicht programmgemäß starten können - was anzunehmen ist - würde der nächste folgen. Laut Schmaus ist neben dem Finanziellen die lange Pause - St. Pöltens letztes Pflichtspiel war der 5:2-Sieg nach Verlängerung in der 2. Cup-Runde gegen Landhaus am 17. November 2019 - das noch „größere Problem“. Spielerinnen könnten dadurch dem Sport überhaupt abhandenkommen.

Die Liga sieht Schmaus aber nicht gefährdet. „Die Liga wird es spüren, aber überleben werden es alle Vereine. Dann hast du halt keine Ausländerinnen mehr oder zahlst statt zehn Euro nur noch fünf Euro Aufwandsentschädigung“, vermutete St. Pöltens Chef. Ligasponsor Planet Pure, der auch Hauptsponsor von Männer-Cup-Finalist Austria Lustenau ist, will versuchen, gemeinsam mit den Verantwortlichen das Beste aus der Situation zu machen. „Wir sind nicht wie viele andere Betriebe gezwungen auf Notmaßnahmen umzustellen, dadurch muss nicht alles, was wir an Sponsoring machen, gleich abgesagt werden“, erläuterte Geschäftsführer Alain Bauwens. Seine Firma verkauft Wasch- und Reinigungsmittel.

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