29.03.2020 15:59 |

Beatmungsgeräte fehlen

Immer mehr staatlich gelenkte „Pandemiewirtschaft“

In der schwersten Gesundheitskrise unserer Zeit häufen sich auch in marktwirtschaftlich geprägten Staaten Rufe nach staatlicher Kontrolle über die Produktion wichtiger Gesundheitsgüter. US-Präsident Trump verordnete dem Autohersteller General Motors, sich auf die Atemgerät-Produktion zu konzentrieren, und auch in Deutschland fordern Politiker Eingriffe.

Die Ko-Vorsitzende der deutschen Grünen, Annalena Baerbock, schrieb in diesem Zusammenhang in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, entsprechende Anstrengungen müssten „im Sinne einer Pandemiewirtschaft“ gebündelt und koordiniert werden.

„Müssen die Abnahme garantieren“
Die Hersteller von Beatmungsgeräten zum Beispiel seien „bereit, die Produktion bis ans Maximum hochzufahren“. Die Regierung müsse ihnen nun aber auch für eine bestimmte Menge „die Abnahme garantieren“. Außerdem müssten die Geräte sinnvoll verteilt werden, da nicht alle Krankenhäuser genügend geschultes Personal hätten.

Das Gesundheitsministerium müsse hier „eine koordinierende Rolle übernehmen“. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Bärbel Bas, schloss sich der Forderung nach mehr staatlichen Produktionsanreizen an und forderte ebenfalls eine zentrale Steuerung.

Volkswagen 3D-druckt Medizintechnik, Daimler spendet Masken
In Deutschland und anderen Staaten haben in den letzten Wochen viele private Unternehmen damit begonnen, medizinisches Rüstzeug für den Kampf gegen Covid-19 zu fertigen. So haben etwa die deutschen Autohersteller schnell reagiert: Volkswagen hat vor einer Woche damit begonnen, mit seinen 3D-Druckern Medizintechnik herzustellen, Daimler hat Zehntausende Atemschutzmasken gespendet.

Dyson-Ingenieure entwickelten neuartiges Beatmungsgerät
In Großbritannien hat die Regierung im Kampf gegen Covid-19 einen Verbündeten im Staubsauger-Giganten Dyson gefunden: Der hat mit Hunderten Ingenieuren binnen weniger Tage ein neues mobiles Beatmungsgerät entwickelt, das laut Dyson schnell und in großer Stückzahl hergestellt werden kann. Die britische Regierung hat Dyson bereits die Abnahme von 10.000 Stück zugesagt, Dyson will weitere 5000 an ausländische Spitäler spenden. Auch in Österreich gibt es Bestrebungen, die Eigenproduktion von Beatmungsgeräten hochzufahren.

Und in den USA, wo staatliche Einmischung in die Wirtschaft traditionell besonders verpönt ist, hat Präsident Trump im Rahmen des Defense Production Act die Kriegswirtschaft ausgerufen und den Autobauer General Motors zur Produktion von Atemgeräten verpflichtet. Trump teilte mit, er habe GM aufgefordert, entsprechende Aufträge „anzunehmen, auszuführen und zu priorisieren“. GM und Ford hatten schon Tage zuvor erklärt, zu prüfen, ob man die Produktion auf Medizingüter umstellen könne.

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