Der missglückte Tirol-Südtirol-Vergleich der Tirol Werbung hat ordentliche Wellen geschlagen – in der Politik, aber auch in der Bevölkerung. Das mittlerweile gelöschte Posting beschäftigt das Internet und regt heftige Diskussionen an.
Von „Frechheit“ bis „Blamage“, von „ärgerlich“ bis „brunzdumm“ bezeichnet das Internet das Werbeposting der Tirol Werbung, das auf humorvolle Weise die Unterschiede zwischen Tirol und Südtirol behandeln wollte. Das ging aber, wie berichtet, gehörig in die Hose.
Viele protestieren im Internet: Tirol bestehe aus drei Teilen, bleibe aber ein Land. „Es gibt nur ein Tirol“, ist da immer wieder zu lesen, außerdem die Behauptung, dass Südtirol nicht zu Italien gehöre. Ein User meint: „Es gibt nur eine Region Tirol in der EU. Was da politisch zu wem gehört, ist für mich sekundär“, während ein anderer auf die Wurzeln der Grafschaft Tirol bei Meran verweist.
Historische Ausführungen versuchen mehrere User, was aber nicht jeden überzeugt. „Gehts noch a bissl weiter zurück in der Geschichte, dann gehört euch a Teil der Ukraine auch noch“, poltert ein User. Mehrfach tauchen Fragen auf wie „Was war an dem Posting so schlimm?“, „Wen interessiert’s?“ oder „Was stimmt daran nicht?“ Südtirol sei nun einmal nicht gleich Tirol. „Ewiggestrig“ findet einer die Debatte, ein anderer ortet künstliche Empörung.
Kritik auch an der FPÖ
Auch die FPÖ, die den Stein ins Rollen gebracht hat, muss sich in Kommentaren immer wieder Kritik gefallen lassen: Mehrere User orten „zweierlei Maß“ und spielen auf den steirischen FP-LH Mario Kunasek an, der mit der versuchten Verankerung der Landeshymne in der Landesverfassung Slowenien beleidigte.
Klischees regen auf
Zurück in Tirol ärgern sich einige, weil zwei Landesteile gegeneinander ausgespielt würden. Auch mit dem Inhalt des Postings sind viele nicht einverstanden. So verweist einer auf Gegenden wie Innichen oder Sexten. „Italien ist da Lichtjahre entfernt.“ Und Südtirol auf „Pizza“ und angeblich „unverständlichen Dialekt“ zu reduzieren, sei weder besonders kreativ noch entspreche es den Tatsachen.
Der „Dialekt-Vorwurf“ ist für viele nicht nachvollziehbar, immerhin gebe es auch in Tirol Täler, in denen man die Sprache schwer verstehe. Eine Person hat einen Verdacht: „Haben sie damit die Ladinisch-Sprachigen gemeint?“
Umgangssprache versteht man in Südtirol. In Nordtirol ist das auch so, für Einheimische. In Tälern mit echtem Dialekt ist man bei uns aber auch aufgeschmissen.
Ein Internet-Nutzer
Über Effekt ist man sich uneins
Ob mit der Werbung der gewünschte Effekt erzielt wurde, darüber scheiden sich die Geister. „Halblustige Sprüche erreichen genau das Gegenteil“, sagt eine Person, während eine andere findet, dass die Tirol Werbung alles richtig gemacht habe: „Mediale Berichterstattung, und man muss dafür nicht mal eine Anzeige schalten.“ Wiederholt ist auch Verständnis für eine wirtschaftliche Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen Tirol und Südtirol herauszulesen: Die Länder seien keine Feinde, müssten sich aber in Sachen Tourismus voneinander abgrenzen.
Vereinzelte Leser betrachten die Sache mit einem Schmunzeln: „Dieser Streit passt genau in die Faschingszeit!“ Und auch eine Mahnung wird laut: „Weder Tiroler, Südtiroler, Italiener, Österreicher sind Unmenschen. Nationalismus bringt uns nicht weiter, führt in die Irre ...“
Wieder einmal ein Fettnäpfchen, in das die Tiroler Werbung (TW) da mit einem Werbe-Posting getreten ist. Tirol ist nicht Südtirol, sondern Italien. Und die Südtiroler sprechen einen Dialekt, den niemand versteht. Mag alles faktisch richtig sein. Aber als Werbung? Falls das lustig sein soll, dann frage ich mich, welche Zielgruppe man damit erreichen will! Aber vielleicht bin ich mit meinen 51 Jahren schon zu alt für diese Art des Humors. Aber da bin ich wohl nicht der einzige ...
Aus meiner Sicht darf man sich zu Recht fragen, auf wessen Mist dieser Mist gewachsen ist. Und auch die Chefs müssen sich die Frage gefallen lassen, warum das so durchgegangen ist. Wie berichtet, ist auch LH Anton Mattle – wie man so schön in Nord- und Südtirol sagt – die Hutschnur gerissen, als er von diesem Fauxpas der Tirol Werbung erfahren hatte. Kein Wunder, ist er doch ein Verfechter der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino und trommelt tagaus, tagein auf die gemeinsame Vergangenheit und was „Groß-Tirol“ in Zukunft noch alles vorhat.
Dass die TW ausgerechnet vor dem Euregio-Treffen am Mittwoch in der Axamer Lizum hineingrätscht, ist hoffentlich nur ein böser Zufall. In Zeiten, in denen die öffentlichen Gelder immer knapper werden und sich jede öffentliche Institution die Sinnfrage stellen muss, ist das Foul der Tirol Werbung nicht förderlich. Wasser auf die Mühlen jener, die sich ohnedies ständig fragen, was denn die Tirol Werbung für die einzelnen Verbände macht.
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