15.03.2020 09:17 |

Quarantäne, Sperrzonen

Coronavirus: Die Welt schottet sich ab

Um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen, setzt nicht nur Österreich rigide Maßnahmen. Auf der ganzen Welt liegt das öffentliche Leben zum Teil lahm, weltweit richten immer mehr Länder Quarantänebestimmungen und Sperrzonen ein. Das schwer getroffene Italien rief die Einwohner am Sonntag zu einer noch strengeren Einhaltung des Reiseverbots innerhalb des Landes auf. Der Vatikan teilte mit, dass die traditionellen Osterfeierlichkeinen für Gläubige nur per Livestream zu verfolgen sein werden.

Personen, die in einer anderen Region als die eigenen Familienangehörigen leben, oder studieren, sollen den Ort nicht verlassen, an dem sie sich befinden, hieß es in einem Schreiben der italienischen Regierung am Samstagabend. „Wer die eigenen Angehörigen liebt und im Interesse der Gemeinschaft müssen wir auf Reisen verzichten“, hieß es in der Pressemitteilung. So beschloss die Regierung am Samstag die Aussetzung von Nachtzügen auf der Nord-Süd-Achse. Der Flugverkehr wurde stark reduziert. Viele Airports sind geschlossen.

Im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie wird Sardinien unter kompletter Quarantäne gestellt. Die italienische Regierung beschloss die Einstellung der Flug- und Fährenverbindungen zwischen der Insel und dem Festland. Lediglich Personen mit Genehmigung und Waren können zwischen Sardinien und Italien verkehren. Angeflogen wird die sardische Hauptstadt Cagliari nur vom Flughafen Rom Fiumicino.

Lombardei warnt vor Kollaps der Krankenhäuser
Die Lombardei, die am stärksten von der Coronavirus-Epidemie betroffene Region Italiens, warnt vor dem Zusammenbruch seines Gesundheitssystems. Angesichts der zunehmenden Zahl von Infektionen seien die Plätze auf den Intensivstationen durchaus knapp geworden. „Wir stehen an einem Punkt, wo es bald kein Zurück gibt. Jeder Tag wird schwieriger. Es gibt Tage, an denen nur noch sieben Plätze auf der Intensivstation zur Verfügung stehen“, klagte Giulio Gallera, Gesundheitsbeauftragter der Lombardei.

Papst nur noch per Livestream
Papst Franziskus Sonntagfrüh zum Gebet für die Arbeitnehmer aufgerufen, die trotz der Infektion weiterhin am Arbeitsplatz bleiben. Er bete für die Kranken aber auch für die Personen, die mit ihrer Arbeit wesentliche Dienstleistungen garantieren, sagte der Papst bei der Frühmesse im vatikanischen Gästehaus Santa Marta, die über einen Videostream live übertragen wurde.

Wegen der Coronavirus-Krise feierte der Papst seinen Morgengottesdienst erneut mit nur wenigen vatikanischen Mitarbeitern. Auch das am Sonntag geplante Angelus-Gebet wird Franziskus wie vergangene Woche nicht vor den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen, sondern per Streaming sprechen. Auch kommende Woche sollen die Messen mit dem Papst sowie die Generalaudienz per Livestream übertragen werden.

Mexiko: Krise könnte das Jahr andauern
Mexiko stellt sich darauf ein, dass die Coronavirus-Pandemie noch das ganze Jahr anhalten könnte, wie Gesundheitsstaatssekretär Hugo Lopez-Gatell mitgeteilt hat. Zur Eindämmung des Virus wird eine Absage von Großveranstaltungen mit über 5000 Teilnehmern empfohlen. Außerdem sollen die Osterferien für die Schüler früher beginnen. In dem Land wurden nach Behördenangaben bisher 41 Infektionen festgestellt.

Argentinien untersagt indes Ausländern, die in den vorangegangenen 14 Tage in einem von der Pandemie betroffenen Land gewesen sind, die Einreise. Offen bleibt, welche Länder gemeint sind. In dem südamerikanischen Land sind bisher 45 Infektionen registriert worden.

Erster Infektionsfall in Usbekistan
Usbekistan meldete unterdessen den ersten Infektionsfall. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurde ein Bürger des zentralasiatischen Landes positiv auf das Virus getestet, der aus Frankreich zurückgekehrt ist. Die staatliche Fluggesellschaft Usbekistans kündigt an, Flüge in eine Reihe von Städten in Westeuropa, Asien und den Nahen Osten bis Ende April auszusetzen oder zu reduzieren.

Philippinische Polizei riegelt Manila ab
Die philippinische Polizei hat am Sonntag damit begonnen, alle Straßen in die Hauptstadt Manila abzuriegeln. Präsident Rodrigo Duterte hatte wegen der Coronavirus-Pandemie praktisch die gesamte Hauptstadt Manila für einen Monat zur Sperrzone erklärt.

Sonntag früh standen nun bewaffnete Polizisten an allen Zufahrtsstraßen, um die Abriegelung der Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt durchzusetzen. Seit dem Morgen dürfen in Manila auch keine Inlandsflüge mehr starten und landen. Innerhalb der Stadtgrenzen fahren aber noch Busse und Bahnen. „Den Menschen wird empfohlen, zu Hause zu bleiben und nichts zu tun“, sagte Innenminister Eduardo Ano am Samstag. Nur Menschen auf dem Weg zur Arbeit sollen an den Kontrollpunkten durchgelassen werden.

Estland und Litauen schließen Grenzen
Im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie schließen auch Estland und Litauen ihre Grenzen für Ausländer. Estlands Regierungschef Jüri Ratas kündigte am Samstag an, die Grenze von Dienstag an für fast alle Ausländer zu schließen und vorübergehend wieder Grenzkontrollen einzuführen. Nur Esten und Ausländer mit einer Aufenthaltsgenehmigung oder Angehörigen in Estland dürfen noch einreisen. Sie müssen allerdings für zwei Wochen in Quarantäne. Die Regierung in Tallinn hatte zuvor bereits alle Schulen, Museen, Kinos, Freizeit- und Sportzentren bis zum 1. Mai geschlossen und öffentliche Veranstaltungen untersagt.

Australien: Einreisende müssen 14 Tage in Quarantäne
Australien verschärft seine Einreisebestimmungen, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu stoppen. Wer in das Land einreist, muss sich 14 Tage lang in Quarantäne begeben, wie Premierminister Scott Morrison am Sonntag ankündigte. Die Maßnahme soll ab Mitternacht gelten. Allen Ankommenden werde eine umfassende Selbstisolierung auferlegt, sagte Scott.

Zudem dürfen Kreuzfahrtschiffe für 30 Tage australische Häfen nicht anlaufen. Den Menschen riet die Regierung, einen Abstand von 1,50 Metern zu anderen Personen einzuhalten. Australien hat bisher 280 bestätigte Fälle von SARS-CoV-2, drei Menschen starben infolge der Infektion. An diesem Sonntag sollte in Australien auch die Formel 1 in die neue Saison starten. Der Saisonauftakt wurde aber wegen der Coronavirus-Krise abgesagt.

Israel schließt Restaurants und Einkaufszentren
Auch Israel hat wegen der Coronavirus-Pandemie die Schließung von Restaurants und Einkaufszentren angeordnet. Alle Freizeitaktivitäten müssten ab Sonntag früh unterbleiben, kündigte Regierungschef Benjamin Netanyahu in einer Fernsehansprache an. Nach Angaben der Regierung werden neben Restaurants und Einkaufszentren auch Cafes, Hotel und Fitnessstudios geschlossen. Die bereits am Donnerstag beschlossene Schließung von Schulen wird nun auch auf Kindergärten ausgeweitet.

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