09.03.2020 10:45 |

Schrunser Münster

Doppeltes Glück für einen Spätberufenen

Es war ein Wunsch von Pfarrer Hans Tinkhauser, der sich nun erfüllt hat: Die Schrunser Pfarrkirche zum Heiligen Jodok wurde zum ersten Münster Österreichs erhoben. Im Rahmen eines Festgottesdienstes vollbrachte Bischof Benno Elbs gestern den feierlichen Akt. Gefeiert wurde auch bei „Frederick“: Der Schrunser Haus- und Hofkonditor kreierte eine eigene „Münstertorte“.

Wären die Kirchen in Vorarlberg bei jeder Messe so gut besucht wie das Schrunser Gotteshaus am vergangenen Sonntag - die örtlichen Pfarrer würden wohl schon vor Messbeginn ein „Hallelujah!“ in den Raum schmettern. Pfarrer Hans Tinkhauser, der sich erst mit 33 Jahren dazu entschloss, Priester zu werden und Theologie zu studieren, hatte gestern jedenfalls allen Grund zur Freude. In einem feierlichen Gottesdienst wurde die Schrunser Pfarrkirche zum Münster erhoben - dem ersten in ganz Österreich. Mit dieser Aufwertung der Pfarrkirche ist die Hoffnung verbunden, dass das Gotteshaus zu einem „weiteren wichtigen Ort des geistlichen und pastoralen Lebens in Vorarlberg wird“, wie Bischof Benno Elbs erklärte.

Größenordnung

Vergangenes Jahr hatte Tinkhauser bei der Diözese Feldkirch um die Münstererhebung angesucht - und Benno Elbs hat dem Anliegen seinen Segen gegeben - gestern auch wortwörtlich. Nicht jede Kirche kann zum Münster werden, die Gotteshäuser müssen ganz bestimmte Kriterien aufweisen. So muss etwa die Größe der Kirche passen - und auch jene der Orgel. Abgesehen von Fragen der Größenordnung muss die Kirche auch eine bedeutende spirituelle Rolle in der Region spielen, wie Bischof Elbs erklärte. Und zu guter Letzt muss das Gotteshaus einst eine klösterliche Niederlassung gewesen sein. Die Schrunser Kirche kann all das in sich vereinigen - und so ist aus der Pfarr- nun eine Münsterkirche geworden, die nun wohl auch mehr Besucher - zumindest im touristischen Sinne - als bisher anziehen wird.

Geheimsache Torte

Vielleicht hat Pfarrer Tinkhauser auch an diesen Umstand gedacht, als er sich auf den Weg in die Dorfkonditorei „Frederick“ begab, um dort mit Konditormeister Martin Senn zu einem konspirativen Treffen zusammenzufinden. Auch an Senn richtete Tinkhauser einen Wunsch: Nichts Geringeres als eine eigene Münstertorte sollte es sein! Senn, der mit seinen Süßspeisen weit über die Dorfgrenzen von Schruns hinaus bekannt ist und es jederzeit mit auch nicht ganz unbedeutenden Konditoreien aus Wien aufnehmen könnte, ließ sich nicht lange bitten und erhörte den Pfarrer. Und gestern wurde das süße Meisterwerk dann präsentiert: Unter einer glänzenden Schokoladenglasur verbirgt sich ein saftiger Topfen-Haselnuss-Biskuit, auch ein wenig Orangenmarmelade ist in die segensreiche Tortenerfindung eingearbeitet. Verziert ist die Münstertorte mit einem Druck von der Schrunser Kirche - und einem Marzipanengel. „Wir haben ein wenig herumprobiert, bis alles gepasst hat“, erklärte Martin Senn.

Die ersten Verkoster, darunter Pfarrer Tinkhauser und Bürgermeister Jürgen Kuster, waren jedenfalls angetan von der himmlischen Kreation, die „stabil gebaut ist wie die Kirche selbst“ - damit sie sich als kulinarisches Mitbringsel aus dem Montafon eignet und auch noch am nächsten Tag schmeckt. Schruns-Besucher können es sich nun aussuchen: Entweder zum Hallelujah in die Kirche oder ins „Frederick“ zu Martin Senn, der folgendes Credo hat: „Ein Leben ohne Kuchen ist grundsätzlich möglich, aber nicht sinnvoll.“ AD

Angelika Drnek
Angelika Drnek
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