Attacke gegen Manager

Klinsmann knallhart: „War das nicht mehr gewohnt“

Jürgen Klinsmann hat in seinem Video-Chat auf Facebook erst selbstkritische Töne angeschlagen, dann zum Rundumschlag ausgeholt. Die Umstände seines plötzlichen Rücktritts als Trainer von Hertha BSC bezeichnete er am Mittwochabend als „fragwürdig“. Er wolle sich für die Art und Weise seiner überraschenden Demission beim Berliner Bundesligisten nach nur elf Wochen im Amt entschuldigen. Aber er attackierte auch Manager Michael Preetz. 

Er hätte sich „mehr Zeit lassen sollen, mehr reden sollen mit der Hertha-Führung“, fügte Klinsmann hinzu. Die Entscheidung sei aber bereits seit Wochen in ihm gereift. Auslöser für seinen Rücktritt seien Meinungsunterschiede über die Aufteilung von Kompetenzen zwischen ihm als Trainer und Sport-Geschäftsführer Michael Preetz gewesen.

„Unglaublich aufgestoßen“
„Es ging einfach um klare Kompetenz, um Aufteilung. Die Kompetenzaufteilung haben wir nicht hinbekommen. Weil man es in Deutschland gewohnt ist, dass ein Manager auf der Ersatzbank sitzt. Ich war das nicht mehr gewohnt, ich kenne das englische Modell, wo der Manager eigentlich nur einen Vorgesetzten hat, der Chef des Klubs.“, so Klinsmann. Dies habe ihm „unglaublich aufgestoßen“. Bis zuletzt habe er sich bei den Berlinern in einem vertragslosen Zustand befunden, sagte Klinsmann.

Bleibt er bei Hertha?
Seinen Verbleib im Aufsichtsrat der Hertha ließ er offen. „Das ist allen überlassen bei der Hertha, da habe ich gar kein Problem damit. Da sollen die Leute sagen, wie sie es wünschen“, sagte der Schwabe. Klinsmann war am Dienstag nach nur elf Wochen völlig überraschend als Cheftrainer zurückgetreten. Dabei hatte er angekündigt, sich künftig wieder seiner Rolle im Kontrollgremium der Hertha widmen zu wollen.

Klinsmann war Anfang November durch die Tennor Holding von Geldgeber Lars Windhorst für einen Platz im Aufsichtsrat der GmbH & Co. KGaA benannt worden, nachdem diese ihre Anteile für insgesamt 224 Millionen Euro auf 49,9 Prozent aufgestockt hatte. Dieses Amt ließ Klinsmann ruhen, als er knapp drei Wochen später den Cheftrainerposten übernahm.

13-minütiger Monolog
Seinen Facebook-Chat hatte Klinsmann kurzfristig angekündigt. Er hielt einen gut 13-minütigen Monolog und beantwortete keine der vielen Fragen, die Fans schriftlich an ihn richteten. Über seine Nachfolge als Trainer ist noch nichts entschieden, nach derzeitigem Stand soll sein früherer Assistent Alexander Nouri zumindest in der Partie beim SC Paderborn am Samstag die Verantwortung innehaben.

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