30.12.2019 08:08 |

Von Touristen genarrt

Bergrettung ärgert sich über sinnlose Suchaktion

Mehr als drei Stunden suchten 20 Ehrenamtliche am Wochenende im Pinzgau drei Freerider aus Tschechien. Doch am Ende stellte sich heraus: Der Einsatz war für die Fische. Die Alpin-Touristen sollen nun für die ergebnislose Ausrückung aufkommen. Die Bergrettung ärgert der Einsatz, der jedoch kein Einzelfall sei, wie der Landesleiter betont.

Gegen 14 Uhr ging bei der Bergrettung in Leogang am Samstag ein Notruf ein. Drei Wintersportler aus Tschechien schlugen Alarm, weil sie sich in einem Tiefschneehang des örtlichen Skigebietes verfahren hatten. Der Leoganger Bergrettungs-Chef Johann Embacher hob sofort zusammen mit einem Suchhubschrauber der Polizei ab.

Mit Handzeichen wiesen die Snowboarder auf ihre Notlage hin. Die restlichen 19 Bergretter machten sich vom Tal aus auf den Weg zu den Freeridern. Doch bei der Ankunft auf 1600 Metern Seehöhe war von den drei Männern keine Spur zu sehen. „Wir haben mehrere Stunden nach ihnen gesucht“, schildert Embacher. Um 17.30 Uhr erfuhren er und seine Kollegen schließlich, dass sich die Tschechen bereits in ihrer Unterkunft im Tal befanden. Die Bergrettung spricht nun von einem „sinnlosen Einsatz“. Warum die drei Tschechen ins Tal fuhren, ohne Bescheid zu geben, versteht bei den ehrenamtlichen Rettern niemand.

Auf die Freerider kommt nun eine saftige Rechnung zu. 2760 Euro müssen sie für den vergeblichen Einsatz bezahlen. „Pro Mann und Stunde haben wir Kosten von 46 Euro zu tragen“, rechnet Landeschef Balthasar Laireiter vor. Wenn die Skifahrer die Rechnung schuldig bleiben, will Laireiter rechtliche Schritte einleiten.

Er erinnert an einen Fall vor einigen Jahren. Damals verschwand ein Deutscher am Stahlhaus im Tennengau von seiner Gruppe ohne seine Begleiter zu informieren und löste so einen Rettungseinsatz aus. „Wir zogen vor Gericht und haben in allen Instanzen gewonnen“, meint der Bergrettungs-Leiter. Einsätze ohne Sinn kann sich die Freiwilligenorganisation laut Laireiter nicht leisten. „In 22 von 43 Ortsstellen fahren unsere Einsatzkräfte mit ihren Privatautos.“

Nikolaus Pichler
Nikolaus Pichler
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