29.11.2019 14:43 |

Mann verkrüppelt

Ruinerwold: Österreicher wurde auf Hof gequält

Nach und nach kommt immer mehr ans Tageslicht, was sich auf dem Bauernhof in Ruinerwold abgespielt haben soll, in dem eine Familie jahrelang isoliert gelebt hatte. Ein 69-jähriger Österreicher soll dort monatelang gefangen gehalten worden und auch körperlich gequält worden sein, weil er sich dem mittlerweile verhafteten „Urvater“ widersetzt habe.

Vor eineinhalb Monaten kam der Fall ans Tageslicht - nun enthüllen Zeugenaussagen aus den Behördenakten, was für Gräueltaten sich auf dem abgeschiedenen Gelände ereignet haben. Bereits bekannt war, dass der gebürtiger Oberösterreicher Josef B. (58) den abgelegenen Hof in der Ortschaft Ruinerwold täglich besucht und mit Nahrungsmitteln versorgt hatte. Er wurde wie der beschuldigte Familienvater, ein 67-jähriger Niederländer, festgenommen. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt die Männer nun auch, im Jahr 2009 mehrere Monate lang den 69-Jährigen festgehalten zu haben, wie am Donnerstag bekannt geworden ist - ebenso wie der Vorwurf, der Vater habe zwei der drei ältesten Kinder, die zuletzt nicht mehr auf dem Bauernhof gelebt hatten, sexuell missbraucht.

Österreicher wurde mit Seilen an Decke von Gebäude gehängt
Die deutsche „Bild“-Zeitung sowie die niederländische Zeitung „De Telegraaf“, die offenbar Einsicht in Ermittlungsakten und Zeugenaussagen bekommen hat, berichteten, der ältere Österreicher könnte ein „Hilfsarbeiter“ seines Landsmanns gewesen sein. Der Mann soll durch den Familienvater Torturen unterzogen worden sein. So sei einer Zeugenaussage zu entnehmen, dass man ihn „an einem Seil befestigt von der Decke in der Tischlerei des Hofes hängen ließ“, schrieb „Bild“. Zuvor habe er „die Stimme gegen den ,Urvater‘ (den beschuldigten Familienvater, Anm.) erhoben“. Durch die „Bestrafung“, die „böse Geister“ hätte vertreiben sollen, sei der Mann „verkrüppelt worden“. Er soll weiters „monatelang in einem Schuppen auf dem Hof eingesperrt worden sein“, zu essen habe er nur Äpfel und Honig bekommen.

Laut offiziellen Behördenangaben laufen die Ermittlungen wegen Geldwäsche, Freiheitsberaubung und Misshandlung. Der Familienvater lebte demnach jahrelang völlig von der Außenwelt abgeschnitten mit sechs seiner neun Kinder auf dem Bauernhof, die Mutter war 2004 gestorben. Die Behörden wurden erst auf die Familie aufmerksam, als eines der inzwischen erwachsenen Kinder in verwahrlostem und verwirrtem Zustand in einem Gasthaus des Dorfes auftauchte. Der Vater sowie der gebürtige Oberösterreicher wurden festgenommen.

Der 67-jährige Familienvater war in den 1980er-Jahren Mitglied des niederländischen Zweigs der Moon-Sekte. „De Telegraaf“ zufolge soll sich der Niederländer später als „Urvater“ und seine Frau als „Urmutter“ angesehen haben. Er sei überzeugt gewesen, er könne mit Geistern kommunizieren und sie in andere Körper transferieren. Seine Kinder soll er geschlagen, eingesperrt und auch durch Nahrungsentzug bestraft haben.

Ältere Kinder wollen ihre Erfahrungen in einer Dokumentation verarbeiten
Laut „Bild“ haben die vier ältesten der neun Kinder - heute 18 bis 25 Jahre alt - angekündigt, dass sie mit einer niederländischen Dokumentarfilmerin zusammenarbeiten wollen, um ihre Geschichte zu verarbeiten. Die fünf jüngsten Kinder, die am 14. Oktober von der Polizei auf dem Hof gefunden worden waren, seien hingegen „nicht einverstanden mit der Anklage gegen unseren Vater“, zitierte sie das Blatt. Sie hätten „eine andere Erfahrung“ als die älteren Brüder und Schwestern.

Der Niederländer und der gebürtige Oberösterreicher müssen sich erstmals am 21. Jänner kommenden Jahres bei einer Vorbereitungssitzung vor Gericht verantworten. Der Oberösterreicher hatte den Hof angemietet. Dem 58-Jährigen wird offenbar Freiheitsberaubung vorgeworfen.

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