31.10.2019 21:43

Sportlerin des Jahres

Vanessa Herzog: Königin auf den Kufen

Die 24-jährige Eisschnellläuferin Vanessa Herzog ist zu Österreichs „Sportlerin des Jahres“ gewählt worden (Im Video im Interview mit krone.at vor Ort). Die gebürtige Innsbruckerin gewann heuer bei der Einzelstecken-WM Gold über 500 m und Silber über 1.000 m. Damit sicherte sich erstmals nach neun Jahren keine Athletin aus dem Österreichischen Skiverband die Auszeichnung, letzte und bisher einzige Eisschnellläuferin war 1994 Emese Hunyady.

Bei der Wahl unter den Mitgliedern der österreichischen Sportjournalistenvereinigung Sports Media Austria (SMA) setzte sich Herzog mit 1.104 Punkten vor Leichtathletin Verena Preiner (991, im Bild unten), Skirennläuferin Nicole Schmidhofer (578), Snowboarderin Claudia Riegler (315) und Skeleton-Pilotin Janine Flock (293) durch.

Persönlich dabei
Herzog nahm die nach der verstorbenen Formel-1-Legende Niki Lauda benannte Trophäe „NIKI“ am Donnerstagabend bei der Lotterien Sporthilfe-Gala in der Wiener Marx-Halle persönlich entgegen.

Exakt ein Vierteljahrhundert nach dem Gewinn durch Emese Hunyady ist am Donnerstag wieder eine Eisschnellläuferin zu Österreichs „Sportlerin des Jahres“ gekürt worden. Hatte die „Eisgräfin“ primär durch ihren Olympiasieg in Lillehammer überzeugt, hat Herzog im nicht-olympischen Jahr 2019 vorrangig durch ihr WM-Gold über 500 m gepunktet. Dazu gab es im Februar in Inzell WM-Silber über 1.000 m.

Top-Niveau im ganzen Jahr
Dass die 24-Jährige aber nicht nur auf den Punkt da sein kann, sondern über eine ganze Saison ihre Leistungen auf höchstem Niveau abrufen kann, bewies sie mit der erfolgreichen Titelverteidigung im 500-m-Weltcup. Dazu kam im Sprint-Vierkampf EM-Gold und bei den Weltmeisterschaften fehlte der Tirolerin nur ein Platz auf das Podest. „In einer nicht-olympischen Saison kann man nicht mehr gewinnen“, sagte Herzog dazu.

Die Wahl-Kärntnerin führt Europa über die Sprintstrecken an, und das trotz ihres noch jungen Alters. Und obwohl Herzog schon sehr viel erreicht hat, gehen ihr die Ziele bei weitem nicht aus. In Peking 2022 soll es erstmals auch mit einer Olympia-Medaille klappen, nachdem Herzog schon in Sotschi und Pyeongchang dabei gewesen war. 2014 als 18-Jährige war Rang 24 der beste Rang gewesen, 2018 wurden es bereits die Plätze vier und fünf.

Beendet Durststrecke
Die mit ihrem sie managenden Ehemann Thomas Herzog in Ferlach wohnende Athletin hat mit ihren Leistungen eine lange ÖEHV-Durststrecke beendet. Sie sorgte für Österreichs erste WM-Medaille nach 19 Jahren, die erste EM-Medaille seit 24 bzw. das erste EM-Gold seit 25 Jahren und den ersten Weltcup-Podestplatz in Rot-Weiß-Rot in einer Olympia-Disziplin nach 15-jähriger Pause.

Aus internationaler Sicht sorgte sie im vergangenen Winter u.a. auch mit inoffiziellen Freiluft-Weltbestmarken über 500 m und im Sprint-Vierkampf sowie mit der schnellsten jemals von einer Europäerin gelaufenen 500-m-Zeit (36,85, Anm.) für Aufsehen. Immer mit dabei ihr Ehemann, mit dem sie die bisherigen Erfolge im Duo anvisiert und nicht selten auch erreicht hat. Darunter sind zahlreiche WM- und EM-Medaillen in Inline-Skating.

Vanessa Herzog, Marcel Hirscher

Herzog war aber schon vor der Zusammenarbeit bzw. Partnerschaft mit Thomas Herzog auf der Siegesstraße unterwegs gewesen. Mit fünf WM-Goldmedaillen und einer in Silber war das Ausnahmetalent der Innsbruckerin bereits zu Junioren-Zeiten offensichtlich. In diversen Trainingskonstellationen etablierte sich Herzog fortan im Weltcup und hantelte sich in den Ergebnislisten Stück für Stück nach oben.

Kompletter EM-Medaillensatz zu Hause
Nach einem Zwischentief 2016/17 entwickelte sich die ÖESV-Athletin seit der Olympia-Saison zur Podest- und Siegläuferin. Bei den Europameisterschaften Anfang 2018 holte sie einen kompletten EM-Medaillensatz, ließ die geborene Bittner noch im Jänner in Erfurt ihre ersten beiden Weltcup-Siege und zum Abschluss der Saison den Weltcupgesamtsieg über 500 m folgen.

Nach den Erfolgen 2017/18 kam im vergangenen Winter Konstanz auf hohem Niveau dazu. Das Ziel, die fast drei Jahre lange 500-m-Siegesserie der Japanerin Nao Kodaira zu beenden, wurde bei den Weltmeisterschaften in Inzell erreicht. Herzogs Stärken sind gute Nerven und Leistungshärte unter Druck. In der kommenden Saison soll eine Kooperation mit dem niederländischen Profiteam Reggeborgh einen weiteren Schritt vor bringen.

krone Sport