30.10.2019 09:25 |

Trafikant klagt an

„Ich stehe vor den Trümmern meiner Existenz“

Franz Wiedner, ein steirischer Trafikant kurz vor der Pension, sieht sich nach 30 Jahren Arbeit vor den Trümmern seiner Existenz: Er befürchtet, dass das neue Ablösemodell für Tabakläden seine Lebensgrundlage mit einem Schlag zunichtemachen könnte. Das Trafikantengremium aber spricht von einem faireren Modell als bisher.

Franz Wiedner hat seine Trafik in Graz vor 30 Jahren übernommen und einen entsprechenden Obolus dafür bezahlt. Aus einem insolventen Standort wurde ein wirtschaftlich erfolgreicher - vor allem durch mühevollen persönlichen Einsatz: Obwohl sich Wiedner zweimal einer Nierentransplantation unterziehen musste, geht er trotzdem täglich um 5.45 Uhr ins Geschäft.

Urlaub am Meer? In den vergangenen 15 Jahren Fehlanzeige: „Die Arbeit ist mein Leben und eine Selbstbestätigung.“

Ärger über neue Regelung
Doch jetzt, kurz vor seinem Ruhestand, plagen ihn böse Existenzängste. Im vergangenen Jahr wurde ein neues Ablösemodell für Trafiken eingeführt, das den Lebensplanungen des Grazers einen Strich durch die Rechnung macht: „Ich hätte einen Nachfolger an der Hand, der ebenfalls körperlich beeinträchtigt ist. Aber mit der neuen Regelung ist es mir untersagt, selbst einen Abnehmer zu suchen“, klagt Wiedner.

Zudem fließe jetzt nicht mehr, so wie früher, der Jahresumsatz an Tabakwaren in die Ablösesumme ein, sondern nur noch die Einrichtung des Betriebes, Nebenartikel, Zigarettenautomaten und dergleichen.

Grazer verzweifelt
„Ich habe fix mit einem Betrag gerechnet, der meinen Lebensabend sichern und private Arztkosten decken sollte. Die Erträge in den Geschäften gehen von Jahr zu Jahr zurück, sodass wir Trafikanten keine Reserven mehr schaffen können. Und jetzt wird uns auch noch die letzte Hoffnung genommen“, ist der Grazer verzweifelt.

Rechnungshof gab den Ausschlag
Josef Prirschl, Obmann des Trafikanten-Bundesgremiums in der Wirtschaftskammer Österreich, erklärt den Sinn des neuen Ablösesystems: „Der Rechnungshof gab den Ausschlag dazu. Wir haben nach einem einheitlichen Modell für alle Trafiken in Österreich gesucht, das gerecht und transparent sein soll.“

Nun werde der tatsächliche Wert eines Geschäfts von einem gerichtlich beeideten Sachverständigen festgestellt, dieser basiere auf wirtschaftlichen Kriterien. „Damit sich unsere Trafikanten vorbereiten können, klären wir über alle Änderungen in Workshops auf“, sagt Prirschl.

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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