„Krone“-Interview

Herzog: „Zu viel nachdenken darf ich da nicht“

Just im Wiener Happel-Stadion ist Israels Teamchef Andi Herzog am Donnerstag zum Sieg verdammt Der 51-Jährige sprach vor dem Duell in der EM-Qualifikation mit Österreich über Emotionen und Erinnerungen:

„Krone“: Donnerstag steigt in Wien das Duell mit Österreich - welche Gedanken gehen dir da durch den Kopf?
Andreas Herzog: Dass es für uns sehr, sehr schwierig wird, wir als krasser Außenseiter einen Sieg brauchen. Die bisherige Quali hat gezeigt, dass wir jederzeit überraschen können - positiv, aber auch negativ. Letzteres müssen wir in Wien unbedingt abstellen. Sonst haben wir gegen Österreich, das richtig im Aufwind ist, keine Chance.

Der 4:2-Sieg im ersten Duell mit Österreich war wohl das bisherige Highlight deiner Zeit in Israel?
Es war ein ganz wichtiger Sieg gegen eine Top-20-Nation in Europa. Wo wir gezeigt haben, dass, wenn es läuft, wir richtig gut kicken können. Wir hatten dabei auch das nötige Spielglück.

Schauplatz wird am Donnerstag das Happel-Stadion sein. Welche Erinnerungen verknüpfst du damit?
Viele unvergessliche. Das 1:0-Siegestor gegen Schweden, mit dem wir uns quasi zur WM 1998 schossen, war das wichtigste Tor meiner Karriere. Mit Emotionen, die ich mein Leben lang nie vergessen werde. Auch die ersten Länderspieltore fürs A-Team erzielte ich seinerzeit gegen die Türkei dort.

Wie sehr wird es für dich am Donnerstag eine emotionale Herausforderung?
Ich muss so wie im Heimspiel meine Emotionen beiseite schieben, schauen, dass ich für mein Team die richtigen Entscheidungen treffe. Es ist schon ein komisches Gefühl, als Gegner in jene Stadt zu kommen, wo ich geboren wurde. Zu viel darüber nachdenken darf ich nicht.

Als Co-Trainer hast du mit den USA bereits 2013 im Happel-Stadion gastiert, gegen Österreich 0:1 verloren. Wie gefällt dir die Gäste-Kabine?
Ich weiß, weil es schon so lange her ist, ehrlich gesagt gar nimmer, wie die Heim-Kabine aussieht. So oft, wie sie umgebaut wurde. 2013 war es mit den USA ein Testspiel, nun geht es um die EURO. Das ist schon noch mal ganz was anderes.

Wird deine Familie live im Stadion mitfiebern?
Ja, meine beiden Söhne Luca und Louis haben sich schon bei der Auslosung riesig über die Gruppe gefreut, mir versichert, dass sie natürlich zu mir halten werden. Mit dem Zusatz: „Aber wenn es für Israel nicht reicht, haben wir ja noch Österreich.“ Sie behielten sich somit bis heute den Joker in der Hinterhand.

Du hast oft betont, dass Israel ein schönes Land zum Leben ist. Geht dir nicht zumindest der klassische Wiener Grantler ein bisschen ab?
Der Grantler in Tel Aviv, das bin höchstens ich. Dieses Monopol gehört mir. Er trat nach den jüngsten bitteren Niederlagen leider zu oft in Erscheinung.

Noch eine Frage zum Happel-Stadion. Neubau, ja oder nein?
Früher oder später kommt auch Wien an einem hypermodernen Nationalstadion nicht vorbei. Sonst hinken wir wieder Jahrzehnte hinterher. Das ist die Wahrheit, ob sie jemand hören will oder nicht. Natürlich ist die Finanzierung ein wichtiges Thema. Doch auch Budapest oder Bukarest haben es auf die Reihe gekriegt, liegen heute in puncto Infrastruktur weit vor Österreich.

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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