11.09.2019 09:58 |

In Garten gefunden

Erschöpfte Waldohreule als Gast in Vogelstation

Ungewöhnlich spät gibt es in diesem Jahr bei einigen Wildtieren noch Jungtiere. So auch die völlig durchnässte und erschöpfte Waldohreule, die vorige Woche in Velm-Götzendorf im Bezirk Gänserndorf in einem Garten gefunden wurde. Die Nachbarn brachten das arme Tier in die von “Vier Pfoten“ geführte Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS).

„Der Haushund hatte die Bewohner auf die kleine Eule aufmerksam gemacht“, berichtet „Vier Pfoten“-Expertin Brigitte Kopetzky. „Sie wird jetzt vom EGS-Team liebevoll aufgepäppelt. Übers Wochenende hat sie sich auch schon recht gut erholt.“ Die junge Waldohreule wird der EGS wahrscheinlich erhalten bleiben. Denn sie hat einen Federdefekt und wird daher vermutlich ein Dauerpatient bleiben. „Wir vermuten eine genetische Störung“, sagt Kopetzky. „Das Schöne ist aber, dass sie als Amme für andere Jungeulen eine ganz wichtige Funktion haben wird.“

Mehr Futter - mehr Eulen
Denn die EGS ist die einzige Pflegestation, in der Jungvogelfindlinge durch Ammen derselben Vogelart, also in einem natürlichen Familienverband, großgezogen werden können. Dadurch werden die schädlichen Folgen einer Handaufzucht vermieden, und die Tiere können nach ihrer Genesung zu 90 Prozent wieder in die Natur gelassen werden. Die Tatsache, dass es noch jetzt Jungtiere gibt, liegt an der sehr hohen Mäusepopulation im nördlichen Weinviertel. „Viele mäusefressende Arten haben ihre Jungenanzahl an das gute Futterangebot angepasst“ erklärt der wissenschaftliche Leiter der EGS, Hans Frey. „Die junge Eule stammt vermutlich aus einem Zweitgelege, das heißt ihre Eltern ziehen heuer schon zum zweiten Mal Junge auf.“

Alle Beutegreifer für Nager, sofern sie mobil sind, reagierten mit Zuwanderung. „Als Beispiel sei eine am Boden brütende Art erwähnt, die Sumpfohreule, die sonst in Österreich nur sehr sporadisch als Brutvogel in Erscheinung tritt“, sagt Frey. 2019 wurden im nördlichen Weinviertel plötzlich über 100 (!) Brutpaare registriert mit extrem guter Reproduktion. Die Landwirte waren auch meist sehr kooperativ, um die Gelege oder Jungtiere zu schonen. „Wir übernahmen heuer auch auffallend viele Jungtiere von anderen Eulenarten, wie eben Waldohreulen, oder Turmfalken“, so Frey.

Natürliche Feinde der Mäuse werden unnötig verfolgt
Sehr effektive Fressfeinde für Wühlmäuse sind übrigens alle unsere Wieselarten, aber auch andere Marderverwandten wie Iltisse und Stein- und Edelmarder, ebenso wie Füchse. „Mauswiesel können auch in die Bauten der Mäuse eindringen und daher auch die Reproduktion maßgeblich beeinflussen“, erklärt Frey. „Leider werden all diese Arten aus rein jagdlichen Gründen radikal verfolgt und getötet, und zwar ohne jede Schonzeit.“ Steppen- und Waldiltisse sind in manchen Bezirken in Niederösterreich fast ausgelöscht, Wiesel sehr selten geworden. „Trotz sehr guter Dokumentationen von Biobauern, die herkömmliche jagdliche Strategien heftig kritisieren, beharrt die Jagdwirtschaft leider auf dieser Tradition“, so Frey.

Treten Schäden durch zu große Mäusepopulationen dann sogar im Getreideanbau auf, werden oft Gifte eingesetzt, die jedoch nachhaltige Sekundäreffekte haben. „Es werden damit nicht nur Mäuse getötet, sondern auch die diversen Beutegreifer. Das Problem ist allerdings, dass Mäusebestände sich viel schneller von solchen Verlusten erholen als die jagenden Arten, da sie ganzjährig mit großen Jungenzahlen reproduzieren“, erklärt Frey die Sinnlosigkeit derartiger Maßnahmen.

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