Abschied vom FC Bayern

Hoeneß: „Meine Frau konnte es nicht glauben!“

„Meine Frau konnte es bis gestern nicht glauben“ - derart gelöst und selbstironisch hat Uli Hoeneß seine „lange gewachsene“ Entscheidung zum Abschied von den Hebeln der Macht beim FC Bayern München präsentiert. Auf der Mitgliederversammlung am 15. November wird Hoeneß zunächst den Präsidentenposten beim Klub von David Alaba aufgeben und danach auch den Aufsichtsratsvorsitz vorzeitig abgeben. Beide Ämter soll der frühere Adidas-Chef Herbert Hainer übernehmen. Er habe immer selbst seinen Abschied entscheiden und gestalten wollen. „Das ist mir aus meiner Sicht großartig gelungen“, sagte der scheidende Präsident des deutschen Fußball-Meisters am Freitag.

Am Tag nach Hoeneß‘ Rückzugsankündigung, der mit der Verpflichtung von Bayern-Legende Oliver Kahn als zukünftiger Vorstandsboss und Rummenigge-Nachfolger spektakulär begann, sollten auf keinen Fall Dissonanzen das Bild eines Vereins trüben, der „in sich ruht“, wie der noch amtierende Präsident stolz verkündete. Die zwei „Alphatiere“, wie Hoeneß sich und Rummenigge bezeichnete, waren sich zuletzt öfter mal uneins, etwa „in der Trainerfrage“ im vergangenen Jahr. Doch Hoeneß versicherte: „Sie glauben doch wohl nicht, dass ich wegen eines Streits ein solches Amt aufgebe!“ Zuletzt hatte Aufsichtsratsmitglied Edmund Stoiber von „Zwistigkeiten“ zwischen den Bossen als eines der Rückzugsmotive von Hoeneß gesprochen. Der scheidende Präsident vermittelte den Eindruck, dass das Loslassen nach vier Jahrzehnten an den Bayern-Machthebeln ein Leichtes für ihn wäre.

„Ich werde zum ersten Mal nach 40 Jahren am 16. November ohne Plan sein. Und das wird spannend für mich“, sagte Hoeneß. Er sei „total gesund“, betonte er ausdrücklich, den Verein sieht er finanziell, sportlich und personell bestens vorbereitet auf die Zeit nach ihm: „Die Weichen für die Zukunft sind gestellt.“ Er wollte den Serienmeister in einem „super Zustand“ übergeben - und irgendwann müsse man halt „den Schritt machen“, erzählte Hoeneß: „Es gibt so viele Politiker oder Wirtschaftsführer, die ganz groß waren und dann abgeschlachtet wurden. Ich wollte durchs große Tor gehen. Ich wollte das selbst entscheiden und von niemandem auf der Welt aufgefordert werden, unten rechts meine Demission zu unterschreiben. Das ist mir aus meiner Sicht großartig gelungen.“ Auch bei der großen Bayern-Zäsur zog Hoeneß die Strippen nochmals ganz nach seinen Vorstellungen: Er schickt den Weggefährten Rummenigge gleich mit in Rente - wenn auch zeitlich verzögert. Die Fixierung der Personalie Kahn vervollständigt dabei den Umbruch auf der Führungsebene des Rekordmeisters.

„Bei ihm ist eine großartige Entwicklung zu sehen“, sagte Hoeneß über den 50-jährigen Kahn, der sich nach der Torwart-Karriere als Unternehmer und ZDF-Experte bewährt habe. Kahn hatte er „seit gut einem Jahr im Auge, irgendwann hat es bei mir klick gemacht“. Und nun setzt Hoeneß voll auf den Titan - Kahn steigt am 1. Jänner 2020 als Neuling ohne eigenes Ressort in den Vorstand der FC Bayern AG ein. Zwei Jahre später soll er Rummenigge, dessen Vertrag am 31. Dezember 2021 endet, an der Spitze ablösen. Kahn unterschrieb einen Fünfjahresvertrag - ein Vertrauensvorschuss. „Kahn wird die Zeit nutzen, um ein richtig guter CEO zu werden“, glaubt Hoeneß. Kahn selbst sprach von einer „Ehre“, nach über elf Jahren in leitender Funktion zu seinem Verein zurückzukehren: „Ich bin mit dem Verein tief verbunden, er hat mein Leben sehr stark geprägt.“

Der stille Hoeneß-Freund Hainer (65) wird wiederum Präsident und Chef des Aufsichtsrates. „Einer, der Adidas führen kann, kann auch den FC Bayern führen“, sagte Hoeneß über seinen bisherigen Stellvertreter im Aufsichtsrat. Der Niederbayer sei ein guter Freund. „Ich gebe dem Herbert Hainer keine Ratschläge, das ist ein gestandener Vollprofi.“ Kahn und Hainer, diese Verbindung sollte funktionieren. Der frühere Adidas-Chef und der Ex-Nationaltorwart waren Geschäftspartner - Kahn war eine bedeutende Werbefigur für den Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach, der einer der Anteilseigner der Bayern-AG ist. „Die Vertragsverhandlungen mit Oliver hat Herbert Hainer fast alleine gemacht“, verriet Hoeneß ein wichtiges Detail. Wie aber geht‘s mit ihm weiter? „Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Zigarre rauchender und Golf spielender Rentner werde, der am Tegernsee sitzt, mit Blick auf den See.“ Nein, Hoeneß wird weiter in der Arena sitzen und wie an diesem Samstag gegen Mainz 05 die Spiele genießen. „Das fasziniert mich nach wie vor.“

Sein Mandat im Aufsichtsrat will Hoeneß bis Ende November 2023 wahrnehmen. Der Patron büßt ohne Ämter Macht ein, aber er bleibt im Hintergrund sicherlich einflussreich. Er hat ja die neuen Macher ausgesucht, ob Kahn, Hainer, Kovac oder auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic. „Ich werde mich auf keinen Fall aufdrängen, das bin ich den handelnden Personen schuldig“, versprach Hoeneß. Aber er sagte auch: „Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Von mir wird schon noch etwas zu hören sein.“

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