30.08.2019 11:41 |

Gefälschte Leserbriefe

Grüne Politiker bedauern „zutiefst“, treten zurück

Sie nannten sich „Walter Stängel“ und „Bernd Seiler“ und verschickten über eine Zeitspanne von rund einem Jahr vermeintliche Leserbriefe an eine deutsche Lokalzeitung. Doch nun sind die beiden Grünen-Politiker Dennis Mihlan und Andreas Müller als Urheber der Fälschungen, in denen sie Stimmung gegen politische Gegner machten, aufgeflogen. Nach anfänglichem Leugnen sahen die beiden Lokalpolitiker ein, dass es keinen anderen Ausweg mehr gibt, und traten von ihren politischen Ämtern zurück - aber nicht von allen, was für neuen Ärger sorgt.

In einer gemeinsamen Stellungnahme auf der Website der Grünen von Schwentinental im Bundesland Schleswig-Holstein bedauerten die beiden die Vorfälle „zutiefst“, hielten „sie uns doch einen Spiegel vor, für einen politischen Stil, den wir selbst wiederholt kritisiert haben und von dem wir nie wollten, dass er unserer werden würde“, so die beiden reumütigen Grünen.

Drei Fälschungen wurden abgedruckt
Mihlan und Müller waren unter anderem auch deshalb aufgeflogen, weil sie sich ziemlich ungeschickt verhalten hatten. Denn die Briefe an die „Kieler Nachrichten“, in welchen sich die beiden vermeintlichen Leser relativ auffällig über die CDU und die SPD beschwerten und stets Lob für die Grünen übrig hatten, erinnerten Redakteure an kurz zuvor ausgeschickte Pressemitteilungen der Grünen. Drei der insgesamt fünf abgeschickten Briefe wurden tatsächlich abgedruckt.

In der Zwischenzeit begann aber eine Recherche, die ergab, dass es weder einen „Herrn Stängel“ noch einen „Herrn Seiler“ gab und ihre E-Mail-Adressen gefälschte Accounts waren. Langsam führten alle Spuren zu den beiden Grünen-Politikern, die anfangs leugneten, aber dann gestanden.

Fälscher wollen nicht alle Ämter abgeben
Weiterhin Aufregung gibt es, weil Mihlan und Müller nicht sämtliche Ämter aufgeben wollen. Die Fälscher wollen nämlich ihre Mandate in der Stadtvertretung und im Kreistag behalten. Dies lehnen aber sämtliche anderen Parteien ab, denn eine Zusammenarbeit mit den beiden Grünen-Politikern sei „nicht mehr möglich“.

Gabor Agardi
Gabor Agardi
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