11.08.2019 09:00 |

Schlagfertig

Woran es heutzutage in der Politik mangelt

Percussion-Weltstar Martin Grubinger schreibt in seiner „Krone“-Kolumne „Schlagfertig“ über John F. Kennedy, die Mängel der Politik und den Wahlkampf.

„Wir haben uns entschlossen, in diesem Jahrzehnt zum Mond zu fliegen und noch andere Dinge zu unternehmen, nicht weil es leicht ist, sondern weil es schwer ist, weil das Ziel dazu dient, das Beste aus unseren Energien und Fähigkeiten zu organisieren und zu messen, weil die Herausforderung eine ist, der wir uns stellen wollen, die wir nicht verschieben wollen und die wir zu gewinnen beabsichtigen. Ich glaube, dass sich die Vereinigten Staaten das Ziel setzen sollten, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond zu landen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen.“

John F. Kennedys Rede aus dem Jahr 1961 vor jungen Frauen und Männern der texanischen Rice Universität in Houston ist ein gutes Beispiel, wie Politik tatsächlich positive Kräfte freisetzen kann und eine ganze Generation junger Wissenschafterinnen und Wissenschafter, motiviert und inspiriert von diesem kühnen Plan, sich auf den Weg machten, das fast Unmögliche zu erreichen.

Ich lese diese Kennedy-Rede sehr gerne, führt sie uns doch recht deutlich vor Augen, woran es heutzutage in der Politik mangelt: Klare Ideen, Überzeugungskraft, Charisma und, das wird zu oft übersehen, echtes Wissen. Meist bleibt es bei knackig verpackten Stehsätzen für die schnelle Schlagzeile in der Zeitung oder in diversen sozialen Medienkanälen.

Das Faszinierende an dieser Kennedy-Rede ist ja, dass sie gespickt ist mit Detailwissen. Im kollektiven Gedächtnis blieben zwar nur oben erwähnte Sätze hängen, doch die ganze Rede offenbart sein Bemühen, die fachliche Materie zu durchdringen und in dieser Sache wirklich etwas weiterbringen zu wollen. Besser, schneller, kreativer und innovativer zu sein. Und natürlich auch Erster sein zu wollen. Mich persönlich begeistert dieser Zugang. Junge Frauen und Männer aus der Wissenschaft, die 1961 keine wirkliche Idee davon hatten, wie man einen Mann zum Mond bringen könnte, ihn dort absetzen und auch wieder zurück zur Erde bringen könnte, haben sich gemeinsam - inspiriert von Kennedys Worten und Taten - auf den Weg gemacht und das Ziel erreicht.

Heutzutage stehen wir vor ähnlichen Herausforderungen und wiederum gibt es Persönlichkeiten, die uns inspirieren sollten. Greta Thunberg beispielsweise, eine junge Frau mit einer klaren Botschaft: „Hört auf die Wissenschaft!“ Und die sagt uns, dass uns wohl nur wenige Jahre bleiben, um den fatalen Aufprall zu verhindern und die umweltpolitische Trendwende zu schaffen, um uns und unseren Planeten zu retten.

Nun könnte man weitreichende, eventuell sogar bahnbrechende Einfälle im Zuge des beginnenden Wahlkampfs erwarten. Politiker, die wie Kennedy vor fast 60 Jahren, in einer mitreißenden Kampagne diesen Weg aufzeigen. Wie sagte Kennedy: „Nicht weil es leicht, sondern weil es schwer ist.“ Eine positive Botschaft, die ganz Europa begeistern und junge Leute auf dem gesamten Kontinent in ihrem Bemühen, diese Welt zu retten, unterstützen würde. Doch was passiert stattdessen: Greta Thunberg wird von Teilen der Politik und Medien denunziert und runtergemacht und wir werden im beginnenden Wahlkampf mit dümmlichen Ideen wie der Ö-Cloud, Bargeld in der Verfassung, Bundesligafußball im TV und den ach so bösen Flüchtlingen zugemüllt. Statt großen Ideen gibt es nur große Sprüche.

Vergleicht man die Apollo-Mission der 60er Jahre mit den umweltpolitischen Herausforderungen dieser Tage, dann ist unsere Mission ungleich schwerer. Damals saßen die Herren Armstrong, Aldrin und Collins in der Raumkapsel, diesmal sitzt die gesamte Menschheit drin. Damals riskierten drei Testpiloten der US-Air-Force ihr Leben. Diesmal tragen wir alle Verantwortung. In sechs Wochen sind Wahlen - bis dahin sollten wir Bürger uns genau ansehen, wer Ideen für die großen Fragen unserer Zeit hat und diese auch kraftvoll umsetzen will und wer uns mit billigen Tricks täuschen will.

Ihr Martin Grubinger

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