08.08.2019 19:20 |

Freispruch bei Prozess

Frau wollte Ehemann nicht weiter behandeln lassen

35 Jahre ist das Paar aus dem Pongau verheiratet. 20 Jahre pflegte die Frau ihren Mann zu Hause, dann kam der damals 98-Jährige ins Seniorenheim. Die Angeklagte hielt die vielen Medikamente für ihren Mann für „Wahnsinn“ und forderte, diese abzusetzen. Bestimmung zum Mord nennt das der Staatsanwalt. Es folgte ein glatter Freispruch.

Die 73-Jährige, die an beginnender Demenz leidet, saß zusammengesunken auf der Anklagebank. Den Fragen der vorsitzenden Richterin Ilona Schalwich-Mozes konnte sie kaum folgen und nicht einmal sagen, seit wann sie in Pension ist. Statt einer Aussage verlas sie teils unter Tränen eine Erklärung: „Ich wollte nur eine bessere Situation für meinen Mann.“

„Sind lebensverlängernde Medikamente notwendig?“
Im September 2017 hatte die Pensionistin ihren Hausarzt und dann den Pflegedienstleiter gefragt, ob denn die vielen „lebensverlängernden“ Medikamente notwendig seien. Dass es sich um harmlose Blutdruck- und Herzmittel handelte und es ihrem Mann für einen 98-Jährigen sehr gut ging, nahm sie nicht zur Kenntnis.

Arzt und Pflegedienstleiter informierten den Bürgermeister als Träger des Pflegeheims. Der schaltete die Polizei ein. „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, Anzeige zu erstatten“, so der Mediziner als Zeuge. Die Frau saß vier Monate in U-Haft. Seit ihrer Entlassung besuchte sie ihren heute 100-jährigen Mann insgesamt 196-mal.

Erster Prozess im Vorjahr platzte
Bereits im Vorjahr war sie wegen Bestimmung zum Totschlag vor Gericht gestanden. Der Schöffensenat hatte jedoch Anstiftung zum Mord gesehen und sich für unzuständig erklärt.

Die erweiterte Anklage ist für Verteidiger Andreas Hertl einfach nur „zum Kopfschütteln“. Selbst Staatsanwalt Thomas Schützenhofer ließ Zweifel durchblicken. Die Geschworenen sahen es auch so und sprachen die 73-Jährige mit 6:2 Stimmen frei. Das Urteil ist bereits rechtskräftig, das der Staatsanwalt keine Rechtsmittel angemeldet hat.

Wolfgang Fürweger
Wolfgang Fürweger

Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Bei Prevljak-Comeback
Wöber-Debüt bei lockerem 7:1 von Red Bull Salzburg
Fußball National
Nach üblem Rad-Sturz
Basel-Coach Koller wird vorerst NICHT operiert!
Fußball International
„Ein Kind von Rapid“
Fix! Rapid-Verteidiger Müldür wechselt zu Sassuolo
Fußball International
Vergewaltigung?
Enthüllung! Cristiano Ronaldo zahlte Schweigegeld
Fußball International
1. Titel verspielt
Marko Arnautovic scheitert im China-Cup-Halbfinale
Fußball International
Verdacht der Täuschung
Nächste Razzia: Anwalt im Visier der Soko Ibiza
Österreich
Talk mit Katia Wagner
Strache - seine Zukunft nach den Skandalen
Österreich
Tatwaffe Küchenmesser
Mann (54) niedergestochen - Ehefrau festgenommen
Niederösterreich

Newsletter