23.07.2019 08:43 |

Konflikte nehmen zu

Der ganz alltägliche Tourismus-Wahnsinn

6,5 Millionen Tagesgäste kamen 2018 in die Mozartstadt. 29 Millionen überschwemmten das Salzburger Land. Die Konflikte zwischen den Einheimischen und Touristen nehmen zu.

Alle machen Urlaub. Und alle wollen alles. 6,5 Millionen Tagestouristen kamen 2018 in die Landeshauptstadt Salzburg, 3,1 Millionen Nächtigungen (ohne Airbnb) wurden verzeichnet. Dumpingpreise bis auf 28 Euro für eine Übernachtung sorgen für eine bisher nie da gewesene Urlauberschwemme. Die Salzburger zeigen sich zunehmend genervt über die „feindliche Übernahme“ ihrer Stadt. Konzepte, wie man den Tourismus in Bahnen lenkt, fehlen.

„Seit dem Vorjahr ist die Situation gekippt“, sagt Inez Reichl de Hoog, Sprecherin der 180 Salzburger Fremdenführerinnen und Fremdenführer: „Die Salzburger beschimpfen uns und zeigen uns manchmal sogar den Stinkefinger.“

Billigste Übernachtung kostet gerade 28 Euro
Kein Wunder, wenn man Szenen erlebt, bei denen bayrische Urlauber vor Mozarts Geburtshaus die Lederhose hinunter lassen, eine Mozart-Perücke aufsetzen und das alles „cool“ finden. „Die Salzburger unterscheiden leider nicht zwischen unseren Gruppen mit maximal 25 Leuten, die begleitet und geführt werden und jenen Reiseleitern ohne Konzession, denen es völlig egal ist, wie sich ihre Gruppe aufführt“, sagt Inez Reichl. Sie kritisiert Stadt und auch Polizei heftig: „Es herrscht Anarchie und Chaos. Die Politik freut sich über ständig weiter explodierende Gästezahlen, die Polizei schaut weg oder hat keine Zeit für Kontrollen.“

Selbst der für den Tourismus zuständige Landeshauptmann Wilfried Haslauer hat bereits 2018 gewarnt: 30 Millionen Touristen im Jahr sei eine Schallmauer für das Land Salzburg und das sei der absolute Zenit. 29,3 Millionen Gäste sind es bereits aktuell.

Schallgrenze liegt bei 30 Millionen Touristen
Auch die Österreichische Hoteliers-Vereinigung hat mit Unternehmensberater Roland Berger eine Studie veröffentlicht: Die Stadt habe mit dem Phänomen des „Overtourism“ zu kämpfen, wie auch Prag, Venedig oder Bordeaux: Explodierender Billig-Tourismus mit geringer Wertschöpfung. Auf einen Einwohner der Mozartstadt kommen bereits 19,6 Nächtigungen.

Auch 2019 gab es ein Plus an Nächtigungen
Zwischen Jänner und März gab es 323.719 Ankünfte und 540.001 Übernachtungen (+ 1,7%). Eine Obergrenze für Touristen, wie sie etwa Venedig andenkt, wo 50.000 Bewohnern mit 33 Millionen Besuchern konfrontiert sind, lehnt Salzburgs Bürgermeister Harald Preuner ab.

„Es fehlt jedes Konzept, wie es weiter gehen soll“, kritisiert SP-Vizebürgermeister Bernhard Auinger: „Und es ist überhaupt nicht einzusehen, dass die Stadt angesichts dieser Massen überhaupt noch Werbung macht.“ Mit den Slots für Busse, die ohnehin nur 13 Prozent des Stadt-Tourismus ausmachen, und den zwei neuen Terminals sei es nicht getan. „Wir brauchen mehr Qualität statt Quantität und mehr Verweildauer“, so Auinger.

Das sehen auch die Fremdenführer so: Menschenmassen, die Straßen und Gehsteige versperren, vornehmlich Touristen aus China und Korea, Lärm und Abgase von Bussen, die ihre Gäste überall aussteigen lassen – das nervt alle.„Es wird für Gäste wie Einheimische immer unerträglicher“, sagen auch die Austrian Guides: „Vor allem die chinesischen Gruppen wissen, dass es in der Stadt keinerlei Kontrollen gibt.“

Wie man Menschenmassen in den Griff bekommt, zeigt München vor: Mitarbeiter der Stadt sind für Fragen da, informieren und weisen die Gäste auf Verhaltensregeln hin. Schließlich soll sich jeder wohl fühlen.

Wolfgang Weber
Wolfgang Weber

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