19.06.2019 08:49

Trauriger Rekord

Mehr als 70 Mio. Menschen weltweit auf der Flucht

70,8 Millionen Menschen sind aktuell weltweit auf der Flucht. So viele waren es noch nie. Die Zahl der Flüchtenden ist damit im vergangenen Jahr erneut gestiegen und hat sich in den vergangenen 20 Jahren sogar verdoppelt. Zum Vergleich: Die Zahl der weltweit Vertriebenen übersteigt die der Einwohner Frankreichs oder Großbritanniens deutlich. Und: Jeder zweite Flüchtling ist ein Kind (unter 18 Jahre alt).

Laut dem jährlich kurz vor dem Weltflüchtlingstag veröffentlichten Bericht des UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) sind 2,3 Millionen mehr Menschen als noch im Jahr zuvor auf der Flucht - und das, obwohl die Zahlen „konservativ angenommen“ wurden. So wurde etwa die Krise in Venezuela nur „teilweise abgebildet“, mittlerweile hätten rund vier Millionen Menschen das südamerikanische Land verlassen.

Nur ein Bruchteil kommt nach Europa
Ein Großteil der Flüchtenden weltweit - etwa 80 Prozent - bleibt in den Krisenregionen, lebt also meist in sogenannten Entwicklungsländern. Nur ein Bruchteil kommt nach Europa. Reiche Länder haben im Schnitt 2,7 Flüchtlinge pro 1000 Einwohner aufgenommen, Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen rund 5,8 Flüchtlinge pro 1000 Einwohner. Die ärmsten Länder der Erde beherbergen ein Drittel der Flüchtlinge weltweit.

Die Gesamtzahl von mehr als 70 Millionen Geflüchteten umfasst neben anerkannten Flüchtlingen auch Asylsuchende und Binnenvertriebene (Internally Displaced People/IDP). Von diesen sind knapp 26 Millionen Flüchtlinge, also Menschen, die vor Krieg und Verfolgung aus ihrem Land geflohen sind - das sind knapp 500.000 Personen mehr als im Vorjahr. 3,5 Millionen Menschen gelten als Asylsuchende, also Personen, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wurde. Mit mehr als 41 Millionen sind Binnenvertriebene die größte Gruppe der auf der Flucht befindlichen Menschen.

„Müssen unsere Solidarität verdoppeln“
„Die Daten unterstreichen, dass die Zahl der vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehenden Menschen langfristig steigt“, kommentierte UNO-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi den Bericht „Global Trends“. Er hob die „fantastischen Beispiele von Großmut und Solidarität, gerade von Gemeinschaften, die selbst schon einer großen Zahl von Flüchtlingen Schutz gewähren“, hervor und betonte, dass auf diesen „positiven Beispielen“ aufgebaut werden müsse. „Wir müssen unsere Solidarität für die vielen Tausenden unschuldigen Menschen, die jeden Tag vertrieben werden, verdoppeln“, so Grandi.

Unzufrieden zeigt sich das UNHCR mit der Zahl der Flüchtlinge, die von Resettlement (Umsiedelung) profitieren konnten. Vergangenes Jahr waren das nur 92.400 Flüchtlinge, das sind weniger als sieben Prozent jener Personen, die dringend einen Resettlement-Platz brauchen, so das Flüchtlingshochkommissariat. Rund 593.800 Flüchtlinge konnten nach Hause zurückkehren, während rund 62.600 die Staatsbürgerschaft ihres Aufnahmelandes verliehen bekamen.

In Österreich sinkt Zahl der Asylwerber
In Österreich, ähnlich wie in den meisten anderen EU-Staaten, sinkt übrigens die Zahl der Asylwerber. 2018 ging die Zahl der Anträge erneut zurück und liegt nun mit knapp mehr als 13.700 auf einem ähnlichen Niveau wie vor zehn Jahren.

Daten und Fakten

  • Jeder zweite Flüchtling ist ein Kind (jünger als 18 Jahre). 111.000 Flüchtlingskinder sind von ihren Familien getrennt. Allein Uganda meldet 2800 geflüchtete Kleinkinder, die jünger als sechs Jahre alt und allein oder von ihren Eltern getrennt sind.
  • Etwa 80 Prozent der Flüchtlinge haben in einem direkten Nachbarland ihres Herkunftslandes Schutz gefunden.
  • Etwa vier von fünf Flüchtlingen sind schon vor mindestens fünf Jahren vertrieben worden. Jede/r Fünfte ist sogar schon seit 20 Jahren oder länger Flüchtling.
  • Die größte Zahl neuer Asylsuchender kam im Jahr 2018 aus Venezuela (341.000).
  • Jeder 108. Mensch auf der Erde ist ein Flüchtling. Vor zehn Jahren war es jeder 160.
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