Do, 20. Juni 2019
25.05.2019 06:00

Jobs, Schulden ...

Musterschüler und Sitzenbleiber der EU

Wohin steuert der Vorzeigestaat Deutschland? Und was wurde aus dem einstigen Sorgenkind Griechenland? Die „Krone“ hat nachgefragt.

Die Europäische Union ist nach den USA die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 16 Billionen Euro (das sind 16.000 Milliarden bzw. eine 16 mit zwölf Nullen) verweist sie China auf Platz drei.

Jeder fünfte Euro stammt aus Deutschland
Den mit Abstand größten Anteil an der europäischen Wirtschaftskraft hat Deutschland (siehe Grafik unten). Jeder fünfte Euro stammt von Österreichs großem Nachbarn. Nach Jahren mit Wachstumsraten von über zwei Prozent kühlte die Konjunktur zuletzt ab - für 2019 rechnen Wirtschaftsforscher mit einem Plus von einem halben Prozent.

Ein wirtschaftlicher Abschwung sei das aber nicht, sagt Martin Kocher. „Es ist eine normale Korrektur einer sehr langen und sehr guten Konjunktur, ein wenig verstärkt durch die schwächelnde Autoindustrie“, so der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS). Im ersten Quartal sei die tatsächliche Wirtschaftsleistung aber bereits über den Erwartungen gelegen.

Frankreich hinkt hinterher
Weniger rosig sieht es in Europas drittgrößter Volkswirtschaft Frankreich aus: „Die Staatsverschuldung beträgt fast 100 Prozent des BIP“, sagt Kocher und fügt hinzu: „Das ist an sich nicht bedenklich, aber es gibt keinen Plan für einen Abbau.“ Ohne einen solchen könnte Frankreich ein Problem für den Euroraum werden - ebenso wie Italien.

Denn Österreichs südlicher Nachbar kämpft seit Jahrzehnten mit steigender Verschuldung. Zuletzt sollten eine Senkung des Pensionsantrittsalters und ein allgemeines Grundeinkommen die Konjunktur ankurbeln, aber: „Die Maßnahmen wirkten kurzfristig nicht, langfristig kosten sie zu viel Geld“, so Kocher. Für 2019 sagt die Prognose ein Wachstum von 0,2 Prozent voraus. Hält das an und bekommt das Land die hohe Staatsverschuldung nicht in den Griff, „stellt sich mittelfristig die Frage, ob es Sinn macht, im Euro zu bleiben“.

Dänemark, Schweden, Polen & Tschechien schließen Euro-Einstieg aus
Bereit für einen Einstieg in den Euro wären hingegen Dänemark, Schweden, Polen und Tschechien - sie alle haben das aber bereits ausgeschlossen. Tschechien ist für Kocher das Vorzeigeland im Osten: „Sie haben es geschafft, ausländische Investitionen anzuziehen und gleichzeitig ihre Arbeitskräfte gut auszubilden.“ Die dortige Arbeitslosenquote von zwei Prozent entspricht einer Vollbeschäftigung, das Land sucht mittlerweile weiter im Osten, etwa in der Ukraine, nach Fachkräften.

Der Osten nähert sich dem Westen schneller an
Insgesamt wächst der Osten mit Raten von über drei Prozent nach wie vor stärker als der Westen. „Rumänien und Bulgarien noch höher, aber sie haben auch mehr Aufholbedarf“, sagt Kocher. Die Löhne gleichen sich schneller dem Westniveau an.

Krisenländer: „Sparmaßnahmen zeigen Wirkung“
Ein gutes Zeugnis stellt der IHS-Chef den ehemaligen Krisenländern Spanien, Griechenland und Portugal aus. Sie erwartet 2019 ein Wachstum von über zwei Prozent. „Die jahrelangen Sparmaßnahmen zeigen Wirkung, bis der Berg abgebaut ist, wird es aber noch Jahre dauern“, analysiert Kocher. Das bestätigt ein Blick auf die Arbeitslosenquote, die zwar sinkt, aber nach wie vor bei über zehn Prozent liegt - und bei jungen Menschen deutlich darüber.

Teresa Spari, Kronen Zeitung

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