29.03.2010 15:20 |

Konflikt kocht hoch

Südkorea: Seemine für Schiffsunglück verantwortlich

Der Untergang des südkoreanischen Kriegsschiffes "Cheonan" im Gelben Meer ist möglicherweise doch nicht durch ein technisches Gebrechen, sondern von einer nordkoreanischen Seemine verursacht worden. Südkoreas Verteidigungsminister Kim Tae Young sagte am Montag, der Norden könnte die Mine sogar mit dem Ziel eingesetzt haben, das Kriegsschiff zu beschädigen. Formal befinden sich die beiden Staaten seit dem Jahre 1950 im Krieg.

Die "Cheonan" ist am Freitag nahe der umstrittenen Seegrenze zu Nordkorea nach einer heftigen Explosion gesunken. Davor hatte sich die Besatzung Scharmützel mit dem Norden geliefert, der die nach dem Koreakrieg von der UNO gezogene Seegrenze nicht anerkennt. 58 Besatzungsmitglieder wurden unmittelbar nach dem Unglück gerettet. Für 46 seitdem vermisste Seeleute gibt es inzwischen kaum noch Hoffnung. Bei der Suche seien die Taucher aber noch im Einsatz, hieß es am Montag.

Die Explosion hatte nach Angaben des südkoreanischen Generalstabs ein Loch in die Bordwand gerissen. Bislang hatte es offiziell geheißen, für einen nordkoreanischen Angriff auf das Schiff gebe es keine Hinweise. Minister Kim ließ jetzt aber ungewöhnlich deutlich durchblicken, dass er an eine nordkoreanische Mine glaubt.

Dass ein Sprengkörper auch aus dem Korea-Krieg vor 60 Jahren stammen könnte, wird dabei nicht ausgeschlossen. Schließlich wurde der Großteil der insgesamt 3.000 von Nordkorea ausgesetzten Minen nie geräumt. Allerdings, so betonte Kim, war zuletzt 1984 eines dieser Kriegsrelikte gefunden worden. Südkorea selbst hat in diesem Gebiet nach eigenen Angaben keine Seeminen ausgesetzt.

Pjöngjang droht mit "unabsehbaren Ereignissen"
Im völlig abgeschotteten Nordkorea sind die Regierung bzw. die von ihr kontrollierten staatliche Medien bisher mit keinem Wort auf das Schiffsunglück eingegangen. Am Montag warf man Südkorea dafür eine Grenzverletzung vor. Das Land habe erneut Journalisten Zugang zu der entmilitarisierten Zone zwischen den beiden Ländern gewährt und damit gegen das Waffenstillstandsabkommen von 1953 verstoßen, erklärten die nordkoreanischen Streitkräfte. Dies könne ernste Folgen mit "unabsehbaren Ereignissen" nach sich ziehen.

Ein Sprecher der nordkoreanischen Armee sagte, Südkorea und die USA dürften es Touristen nicht länger erlauben, in die streng bewachte entmilitarisierte Pufferzone an der Grenze zu reisen. Sollten aber beide Länder die Grenzzone weiterhin für "psychologische Kriegsführung" missbrauchen, würde dies schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen "wie etwa den Tod unschuldiger Menschen".

Jedes Jahr besichtigen knapp eine halbe Million Touristen die südkoreanische Seite der entmilitarisierten Zone. Allerdings veranstaltet auch Nordkorea Führungen in das Gebiet.

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