01.03.2019 16:55 |

Bei Gebirgsjäger-WM

Russen und US-Soldaten friedlich in Tirols Bergen

Keine zehn Meter von einem russischen Kameraden entfernt, feuert ein US-Soldat mit seinem M16-Sturmgewehr - was einst für weltpolitische Dramatik gesorgt hätte, lässt auf 2000 Meter Seehöhe in den Tiroler Bergen alle ziemlich gelassen: Bei der inoffiziellen WM der Gebirgsjäger, der „Edelweiss Raid 2019“ rund um den Truppenübungsplatz Lizum-Walchen bei Wattens, laufen, schießen, schlafen und feiern 23 Teams aus zwölf Armeen. Die „Krone“ war mit dabei.

Gleich drei Teams schickte die russische Armee, darunter eine Einheit von jungen Soldatinnen: Die Kadettinnen wollten ebenfalls den 40 Kilometer langen Marsch über 4200 Höhenmeter samt Abseil- und Kletterübungen, sowie Schieß- und Handgranatenwurf-Bewerben gewinnen. Oder zumindest innerhalb von zwei Tagen unverletzt beenden. „Die Mädels sind schon draußen. Das war zu erwarten“, kommentierte dann nur wenige Stunden nach dem Start ein Bundesheer-Bergführer trocken das Ausscheiden der Russinnen - eine total erschöpfte Soldatin musste sogar mit dem Sanitäts-Helikopter ins Tal geflogen werden.

Ihre Kameradinnen kämpften sich mit sehr wenig skifahrerischem Können bis ins Biwak-Lager. Sie trafen dann mitten in der Nacht in diesem vorbereiteten Camp zwischen vier Meter hohen Schneewänden in einem Hochtal bei Wattens ein.

Zwölf Armeen auf einem Fleck
Auf diesem Eiswüsten-Campinplatz auf 2200 Meter Seehöhe hatten die Teams der anderen Nationen bereits ihre Zelte aufgebaut: Deutsche Gebirgsjäger neben den Österreichern, den Bulgaren, Franzosen, Italienern, Montenegrinern, Polen, Rumänen, Slowenen, Spaniern und den US-Soldaten. Nach einer ziemlich kurzen Nacht starteten die 22 im Wettkampf verbliebenen Teams um 4 Uhr früh zu den nächsten 20 Kilometern über Berggipfel, Eis und Schnee: Von den Filmkameras der Heeresbild- und Filmstelle und der „Krone“-Reporter verfolgt (siehe Video), ging’s über steile Berggrate und wilde Abfahrten mit weiteren Sonderprüfungen bis ins Ziel im Lager Lizum-Walchen.

Trotz äußerster Anstrengung konnten die österreichischen Soldaten die deutschen Gebirgsjäger aus Mittenwald nicht mehr einholen: Sie schafften es mit einer großartigen Mannschaftsleistung auf die Plätze eins und zwei, gleich dahinter holte sich das schnellste Bundesheer-Team des Führungsunterstützungsbataillons 2 aus St. Johann im Pongau den dritten Platz.

US-Botschafter als „Beobachter“ im Einsatz
Für eine kurze diplomatische Irritation sorgte dann das Eintreffen des ersten russischen Teams im Zieleinlauf: Ausgerechnet als Wolfgang Baumann, Generalsekretär im Verteidigungsministerium, dieser Mannschaft gratulierte, schwenkte einer der Russen plötzlich eine große russische Flagge - und der Spitzenbeamte des neutralen Österreichs ist nun wohl auf einigen Bildern so verewigt. So begeistert wie die Russen waren auch die Mitglieder der US-Delegation vom Wettkampf, der wiederum hervorragend von der 6. Gebirgsbrigade organisiert war: IT-Millionär Trevor Traina, der US-Botschafter in Österreich, verbrachte mit seinem Security-Team gleich mehrere Tage im Hochlager des Bundesheeres - und nutzte die Zeit auch für einige Tiefschneeabfahrten.

Heer leitet „Mountain Training Initiative“
Im Zuge der EU-Initiative „Pooling & Sharing Mountain Training Initiative“ (P&S MTI) ist Österreich mit der Führungsfunktion beauftragt. Die 6. Gebirgsbrigade mit dem in Absam/Tirol dislozierten Kommando nimmt dabei eine zentrale Rolle in der praktischen Umsetzung ein. Ausbildungvorhaben und Übungen werden für die Teilnehmerstaaten zugänglich gemacht, die österreichischen Gebirgssoldaten nehmen selbst an ausländischen Ausbildungstätigkeiten und Übungsvorhaben teil. Die „Edelweiss Raid“, dieser Gebirgsmarathon, ist bestens dafür geeignet, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Armeen noch weiter zu verbessern.

Richard Schmitt
Richard Schmitt
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