Sa, 23. März 2019
27.02.2019 11:55

Katias Kolumne

Oh du schöne, neue, politisch überkorrekte Welt!

Es ist Zeit, danke zu sagen - nämlich jenem edlen Mitbürger, der Österreich durch seine von der Arbeiterkammer freundlich unterstützte Klage beim Europäischen Gerichtshof ins Feiertags-Theater schlittern ließ. Der Letztstand, wie die Regierung diskriminierungsfrei mit dem Karfreitag umgehen möchte: Es soll nun einem jeden ein „persönlicher Feiertag“ zugestanden werden. Es ist das vorläufige Ende einer wochenlangen Posse.

Seit Dienstag ist klar: Es wird keinen halben, keinen ganzen, sondern einen „persönlichen“ Feiertag geben. Das soll heißen: Wer in Hinkunft als gläubiger Protestant am Karfreitag seinem Glauben nachgehen und in die Kirche gehen möchte, soll sich laut aktueller Regierungseinigung dafür Urlaub nehmen. Darauf hat man - so ist es geplant - zwar einen gesetzlichen Anspruch, einen zusätzlichen Urlaubstag gibt es dafür allerdings nicht.

Mit dieser Lösung möchte man der religiösen Vielfältigkeit in unserem Land sowie deren Ansprüchen gerecht werden, denn immerhin wünschen sich auch Orthodoxe, Muslime oder Juden seit jeher einen eigenen gesetzlichen Feiertag. Ob das nun mit diesem Vorstoß tatsächlich gelingen kann?

Oh du schöne, neue, politisch überkorrekte Welt!
Die neue Lösung ist zwar im Grundgedanken einer politischen Korrektheit vielleicht durchaus löblich, im Kern sind jetzt aber erst recht alle unglücklich. Protestanten, weil sie einen freien Tag zur Religionsausübung verlieren, und auch alle anderen, weil sie trotz der wochenlangen Diskussion und der vom EuGH-Urteil aufgebauten Hoffnung nichts dazugewinnen. Die Schlechterstellung für alle mag zwar diskriminierungsfrei sein, letztendlich hat nun aber keiner etwas davon, schon gar nicht die Protestanten. Es ist eine Lösung nach dem Motto: Bekommen alle nichts, kann keiner neidig sein.

Dabei gehört ein gewisses Maß an Diskriminierung zu unserer Gesellschaft dazu - eine absolut sterile, faire Welt wird auch nach dem Urteil eine utopische Wunschvorstellung bleiben. Viel mehr noch: Eine gewisse Ungleichbehandlung wird in manchen Bereichen sogar bewusst in Kauf genommen oder zumindest gebilligt.

Im Sinne der Antidiskriminierung: Wehrpflicht für alle oder keinen?
So ist es zum Beispiel auch eine Form der Diskriminierung, dass hierzulande lediglich Männer zum Wehrdienst einberufen werden. Dass es in diesem Fall auch anders - und zwar diskriminierungsfrei - geht, machen im näheren geographischen Umfeld Israel oder seit 2015 auch Norwegen vor.

Könnte also nun jemand, der sich in Sachen Wehrpflicht diskriminiert fühlt, zum EuGH vorpreschen und eine Alle-oder-keiner-Lösung provozieren? Vielleicht fühlt ja sich der feiertagsdiskriminierte EuGH-Kläger dazu berufen, ein weiteres Verfahren zu führen. Für hitzige Diskussionen wäre in diesem Fall jedenfalls gesorgt.

Katia Wagner

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