Wirbel in Vancouver

ÖSV lässt Simon Ammanns Bindung genau prüfen

Olympia
18.02.2010 10:17
Kaiserwetter im Whistler Olympic Park hat am Mittwoch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass hinter den Kulissen der Skisprung-Szene derzeit intensiv nachgeforscht wird. Anlass ist die Bindung von Olympiasieger Simon Ammann, die dieser bereits seit Klingenthal einsetzt und die ihm möglicherweise doch einen Vorteil verschaffen könnte.

Toni Innauer, der Nordische Direktor des ÖSV, sprach am Donnerstag Klartext: "Meines Erachtens ist die Bindung nicht regelkonform". Innauer begründete seine Einschätzung damit, dass "die neue Bindung am 1. Mai bei der Sitzung des Komitees für Ausrichtung und Entwicklung nicht angemeldet wurde. Diese Bindung macht einen so großen Unterschied aus, dass sie angemeldet gehört, sogar anmeldungspflichtig ist." Der 51-Jährige glaubt, dass der Vorteil "durchaus mehrere Meter sein können".

Der nordische ÖSV-Direktor fordert, dass Ammann bei den Bewerben auf der Großschanze auf die neue Bindung verzichtet. "Ammann bekommt die Chance, sich der Sache zu entziehen, indem er auf das alte genehmigte Material auf der Großschanze am Samstag umsteigt und auf das neue Material verzichtet. Dann werden wir keinen Protest einlegen, weil er ein sehr guter Springer ist und auch so die Goldmedaille hätte gewinnen können. Aber wir fordern eine faire Vorgehensweise", so Innauer.

Pointner: "Das ist keine Lappalie"
Cheftrainer Alexander Pointner meinte dazu, dass man die Leistung Ammanns keinesfalls schmälern wolle, allerdings das Sprunggerät des Schweizers und dessen Zulassung für die weitere Zukunft prüfen lasse. ÖSV-Pressebetreuer Florian Kotlaba hatte schon am ersten Trainingstag vom großen Bakken die Bindung des Olympiasiegers von der Normalschanze fotografiert. "Uns ist dieses Patent, das er noch nicht sehr lange hat, sondern erst seit Klingenthal, sehr bekannt vorgekommen. Wir haben auch in diesem Bereich getestet. Alle weiteren Sachen müssen jetzt geprüft werden", meinte Pointner zur Bindungs-Problematik, zu der er außerdem sagt: "Natürlich ist es keine Lappalie. Aber es geht um die Zukunft und nicht um die Vergangenheit, das möchte ich klarstellen."

Kein Protest
Es werde weder einen Protest geben noch soll die Leistung des Schweizers schlechtgeredet werden. "Man muss sagen, dass man im Skisprungsport schon sehr oft auf etwas draufgekommen ist und dann ist man auf den Zug aufgesprungen und dann ist es einfach verboten worden. Man muss aber auch erst einmal draufgekommen", so der ÖSV-Cheftrainer. Dies sei aber wohl passiert, weil man im ÖSV-Team ein ähnliches Produkt "schon länger in der Schublade" liegen hat.

Normalschanzen-Weltmeister Wolfgang Loitzl erklärte genauer, worum es bei dieser Bindung geht. "Was ich gehört habe, ist, dass bei der Bindung der Zapfen gebogen ist und er in dem Fall schneller eine Rückmeldung vom Ski hat. Dass heißt, er kann eigentlich extremer in die Richtung springen, weil der Ski dann schneller zum System dazuschließt. Ob dass der Fall ist, ist die Frage", sagte Loitzl und fügte hinzu: "Wie er zur Zeit springt, würde ich sagen, dass es stimmt und dass es für ihn von Vorteil ist."

Grundsätzlich sei aber zu sagen, dass schon der Springer der entscheidende Faktor ist. "Ich denke, es gibt kein Material, das von allein fliegt. Du kannst dir aber mit dem einen oder anderen Vorteil beim Material das Leben sehr erleichtern, anscheinend hat er was gefunden", meinte Loitzl.

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