03.02.2019 15:39 |

Extreme Kälte in USA

„Heilige“ bezahlt 100 Obdachlosen Hotelzimmer

Millionen Menschen mussten sich in den letzten Tagen im Mittleren Westen der USA auf eine extreme Kältewelle mit Temperaturen von minus 34 Grad Celsius und darunter einstellen (siehe auch Video oben). In der Nacht auf Donnerstag wurden gar Werte von fast minus 40 Grad Celsius gemessen. Der Nationale Wetterdienst sowie Ärzte und Nothelfer warnten vor „lebensbedrohlichen“ Bedingungen. Viele beließen es nicht nur bei Worten - wie Candice Payne, die Obdachlose aus Chicago in von ihr bezahlte Hotelzimmer einquartierte und so wohl so manche vor dem sicheren Erfrierungstod rettete.

Drei Bundesstaaten hatten den Katastrophenfall ausgerufen. 23 Todesopfer sollen durch die eisigen Temperaturen in den USA bereits zu beklagen sein, so der Nachrichtensender CNN. Chicago wurde dabei als „Epizentrum“ der Kältewelle beschrieben. Für Wohnungslose wurden Wärmestuben eingerichtet, jede Polizeistelle wurde angewiesen, Schutzsuchende nicht abzuweisen. Es bestünde das „reale Risiko“, dass Menschen erfrieren könnten. Candice Payne (34) konnte angesichts dieser Warnungen nicht untätig bleiben.

Wärme und gute Worte
Doch Payne bietet Obdachlosen nicht nur eine Unterkunft, sie sorgt auch für das leibliche Wohl der „Gestrandeten“. In einem Video (siehe unten) ist zu sehen, wie sie gemeinsam mit Helfern Lunchpakete verteilt. Sie zieht einen voll gepackten Leiterwagen hinter sich her, hat für jeden der obdachlosen Männer und Frauen ein gutes Wort und versucht, noch Benötigtes oder Gewünschtes aufzutreiben. Dampfender Kaffee wird serviert, Tee eingeschenkt und Kleidungsstücke ausgegeben - und dabei natürlich auch kurz getratscht.

Akte der Nächstenliebe
20 Hotelzimmer hat sie zu Beginn aus eigener Tasche bezahlt, dazu einen Aufruf auf Instagram gestartet. Der Schneeballeffekt in dem sozialen Netzwerken sorgte dafür, dass mittlerweile über 60 Zimmer bezogen werden konnten und so über 100 Menschen, darunter auch Familien mit Kindern, Obdach finden konnten. Auch kamen viele Sachspenden durch Aufrufe in den sozialen Netzwerken zustande. „Manche Leute, die meinen Aufruf auf Instagram gesehen haben, schauen täglich hier vorbei“, erzählte sie CNN. „Sie haben Geld gespendet und Zeit und Fahrtendienste, denn wir mussten sie ja alle zum Hotel bringen.“

Auch einige ihrer Mitarbeiter würden mithelfen und beispielsweise kochen. Zahlreiche Menschen bringen Decken, Essen und Kleidung vorbei oder helfen Candice ehrenamtlich in ihrer Freizeit bei der Zubereitung der Speisen und Verteilung der Güter. Die Mahlzeiten und warmen Getränke werden in einer provisorischen Küche in einem Badezimmer des Hotels zubereitet, so gelangt alles schnell zu den „Gästen“.

“Candice ist unser Engel“
Obdachlose, wie etwa Robert, der von Candice vermutlich vor dem Erfrierungstod gerettet wurde, bezeichnet die Chicagoerin bereits als „Engel“. Er ist sichtlich berührt von ihrer Anteilnahme. „Wir bekommen diese Art der Hilfe normalerweise nicht, und ich brauche sie derzeit wirklich dringend. Ich denke, sie kam gerade rechtzeitig“, streut er seiner Retterin Rosen. Solche Freundlichkeit habe er noch nie erlebt.

Seinen Weg zu Candice fand Robert über die Roosevelt Road, wo er mit fast 80 anderen Obdachlosen in zugigen Zelten übernachtete. Dort aber war am Donnerstag ein Propantank explodiert, den man als Wärmequelle verwenden wollte. Nicht nur er war infolge gezwungen umzuziehen. Dank Payne fanden er und viele andere eine provisorische Unterkunft.

Twitter-User feiern die 34-Jährige für ihre Menschlichkeit und bitten Paynes Kreditkarteninstitut bereits, ihr die entstandenen Kosten nicht in Rechnung zu stellen.

„Diese Frau ist eine Heilige“
„AmericanExpress“, schreibt ein User, „ihr solltet ihre Rechnung ausgleichen. Diese Frau ist eine Heilige und ihr solltet euch geehrt fühlen, sie als Kundin zu haben.“ Eine andere schreibt: „Ihr solltet dieses Geschenk der Menschlichkeit nicht in Rechnung stellen. Es wird die Publicity, die ihr bekommt, wert sein.“ Eine Antwort des Kreditkartenunternehmens steht noch aus.

Kälte durch Polarwirbel verursacht
Verantwortlich für die „arktische Kälte“ ist der sogenannte Polarwirbel, ein Band kalter Westwinde, das normalerweise über dem Nordpol kreist. Wird der Wirbel geschwächt, kann die Luft in niedrigere Breiten entweichen. Zum Mittleren Westen der USA werden Illinois, Indiana, Iowa, Kansas, Michigan, Minnesota, Missouri, Nebraska, North Dakota, Ohio, South Dakota und Wisconsin gezählt.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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