Rodel-Unglück

Konstrukteur des Eiskanals: “Die Bahn ist sicher!”

Olympia
13.02.2010 18:07
Udo Gurgel, der Konstrukteur der olympischen Bob- und Rodelbahn im kanadischen Whistler, ist fassunglos. Für den Ingenieur aus Leipzig war ein tödlicher Unfall wie jener des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili nicht vorstellbar. "Das kann man nicht vorhersehen. Das war eine Verkettung sehr unglücklicher Umstände", sagte der Ingenieur aus Leipzig am Samstag. Denn selbst unter dem Eindruck des tragischen Unglücks gibt es für ihn keinen Zweifel daran, dass der Eiskanal höchsten Sicherheitsanforderungen entspricht.

"Die Bahn ist nicht zu gefährlich. Punkt eins: Die Bahn ist sicher. Und Punkt zwei: Die Bahn ist schnell. Man muss das sehr sauber definieren. Nur wenn man schnell als gefährlich definieren will, ist sie gefährlich", erklärte er. Dennoch macht er sich Gedanken. "Wenn man sich vier Jahre mit dieser Bahn beschäftigt hat, ist man einfach erschüttert. Das tut einem unendlich leid, dass so etwas passieren konnte. Und man fragt sich natürlich, wie so etwas passieren konnte. Aber man ist auch anhand der Fernsehbilder nicht in der Lage, Rückschlüsse zu ziehen", sagte Gurgel.

Bahn am Computer berechnet
Die Hochgeschwindigkeits-Piste rund 130 Kilometer nördlich der Olympia-Stadt Vancouver ist die neunte Bob- und Rodelbahn, die Gurgel gemeinsam mit seinem Team in den vergangenen 40 Jahren entworfen hat. Seither werden die Bahnen an Computern konstruiert. "Seitdem ist noch keiner rausgeflogen. Man sieht, dass die computerberechneten Bahnen sicher sind. Selbst Fahrfehler werden simuliert", sagte Gurgel.

Die Tempo-Diskussionen nach dem tödlichen Unfall würden nicht auf einer sachlichen Basis geführt. "Die Bahn ist schnell. Das ist unbestritten. Aber das ist schon seit zwei Jahren bekannt", erklärte der Ingenieur und verwies darauf, dass alles mit den internationalen Bob- und Rodelverbänden FIBT und FIL abgestimmt war.

Aufprall nicht am Stahlträger?
Gurgel bestreitet, dass der 21-jährige Kumaritaschwili mit einer Geschwindigkeit von 144 Kilometern pro Stunde an den Stahlträger neben der Bahn geprallt sein soll. "Das stimmt nicht", sagte er. Zum einen sei dort im Zielbereich keine Geschwindigkeitsmessung, sondern lediglich vor dem Eingang zur verhängnisvollen Kurve 16. Und zum anderen gehe die Kehre 130 Meter lang bergauf. "Dadurch ist eine Verringerung der Geschwindigkeit um 14 bis 16 km/h zu verzeichnen. Das fängt Fehler ab", erläuterte der Designer.

Zudem habe er gesehen, dass die Bande an der Unglücksstelle bereits vorher durch Platten um 20 Zentimeter erhöht worden sei. Der Georgier aber sei über einen Meter hoch geflogen. "Dort werden sicherlich die Banden mit Holzplanken weiter erhöht und verlängert", prognostizierte er. Genau diese Maßnahmen wurden dann am Samstag in Whistler vor dem Männertraining vorgenommen.

Rennprogramm geht auf verkürzter Strecke weiter
Zwei Blumensträuße im Zielbereich der Rodelbahn in Whistler erinnern an den tragischen Tod Nodar Kumaritaschwilis. "Dein Traum wird für immer leben", stand auf einem Schild geschrieben. Doch trotz des Todessturzes des 21-Jährigen am Tag der Eröffnung lief das Rennprogramm weiter, wenn auch mit geringen Änderungen. Das hatte die Jury des Weltverbandes schon wenige Stunden nach dem Unfall beschlossen.

Das Herren-Einsitzerrennen beginnt wie geplant mit zwei Läufen. Allerdings nehmen die Herren das Rennen nun auf verkürzter Strecke (zwei Kurven weniger) vom Damenstart aus auf.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Olympia
13.02.2010 18:07
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung