26.01.2019 06:00 |

„Krone“ zu Besuch

Armeniens vergessene Kinder

30 Jahre nach einem verheerenden Erdbeben in Armenien mit Zehntausenden Toten leben viele Menschen noch immer in Containern. Die Caritas hilft ihnen vor Ort. Die „Krone“ begab sich nach Gjumri, in die zweitgrößte Stadt des Landes, und stattete Armeniens vergessenen Kindern einen Besuch ab.

Stolz hält der kleine Arsen seiner Mama einen Orangensaft-Tetrapack entgegen. Nein, der Knirps will nicht trinken. Er hat Heizmaterial für sein Zuhause gefunden. Das ist ein Container in Gjumri im Nordwesten der Kaukasusrepublik (siehe Karte unten) - im Sommer heiß und im Winter eiskalt, sobald die Flamme im Ofen erlischt. Und der Winter ist lang in Gjumri.

Es war am 7. Dezember 1988 um 11.41 Uhr Ortszeit, als die Erde bebte. 30.000 verloren ihr Leben, Zigtausende wurden obdachlos. Noch heute sind die Zeichen der Naturkatastrophe sichtbar. Der Zusammenbruch der Sowjetunion war der zweite Schock für die Armenier. Mit einem Schlag fiel Russland als Hauptabnehmer für die Produkte ihrer chemischen Industrie aus.

Verlassene Mütter
Seinen Vater kennt der vierjährige Arsen nicht. Dieser hat Mutter Nadia sitzen gelassen, als sie endlich ihr Wunschkind unter dem Herzen trug. Ihr Schicksal ist kein Einzelfall. Viele Männer versuchen im Ausland ihr Glück, meist in Russland, der Kontakt zur Familie wird häufig abgebrochen. Nadia kauft Produkte von Bauern und verkauft sie anschließend in der Stadt weiter. Das bringt sechs Euro am Tag. Da sind die Holzscheiter der Caritas aus dem Projekt „Warmer Winter“ ein großes Geschenk.

Der Tisch in ihrem Container ist karg gedeckt genauso wie für die 135 Mädchen und Buben des Kindergartens Rainbow. Hier erhalten die Kinder dank der Caritas gesundes Essen. Heute steht eine kräftige Hühnersuppe auf der Speisekarte. „Die Caritas Österreich hat sich das Ziel gesetzt, 50.000 Kindern weltweit ein chancenreiches Aufwachsen und den Zugang zu Bildung zu ermöglichen - Kindern, die in Armut, Kälte und ohne Perspektive aufwachsen müssen“, erklärt Caritas-Präsident Michael Landau bei seiner Visite vor Ort. Dazu zählt auch die Armenien-Hilfe im Norden des Landes, wo 30 Jahre nach dem verheerenden Erdbeben die Menschen noch immer in desolaten Containern oder Substandard-Wohnungen hausen.

Vom Problemkind zur Polizistin
Dass Helfen vor Ort Sinn macht, zeigt etwa Susanna. Die 26-jährige Polizistin war ein Problemkind, wurde im Sozialzentrum „Der Kleine Prinz“ in Vanadzor betreut und schaut dort noch immer gerne vorbei. Auch Monicka hat es geschafft, auf eigenen Beinen zu stehen. Sie absolvierte in dieser Einrichtung eine Ausbildung zur Friseurin. Seit Weihnachten arbeitet die 18-Jährige sieben Tage die Woche von 10 bis 18 Uhr in einem Salon und bekommt dafür umgerechnet 150 Euro im Monat.

Revolution ohne Blutvergießen
Seit dem Regierungswechsel 2018 herrscht Aufbruchsstimmung in Armenien. Staatspräsident Armen Sarkissjan ist froh, dass es eine Revolution ohne Blutvergießen war. Der Österreich-Fan schwärmt: „Ich besuche gerne die Mozartstadt Salzburg.“ Er blickt optimistisch in die Zukunft und hofft auf Auslandsinvestitionen. Immerhin leben geschätzte acht Millionen Armenier weltweit in der Diaspora. „Ich wünsche mir auch, dass mehr österreichische Firmen hier investieren.“ Die Beziehungen beider Länder haben eine lange Tradition.

Martina Münzer, Kronen Zeitung/krone.at

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