Zum Zeitpunkt der Absage hatte mit der nach einer 45-minütigen Verzögerung als erster gestarteten Italienerin Lucia Recchia nur eine Läuferin das Ziel erreicht. "Ich habe gar nichts gesehen", schüttelte Recchia nach ihrem "Blindflug" im Ziel ihren Kopf. Trotzdem wurde eine halbe Stunde später mit Stacey Cook die Nummer zwei ins Training geschickt, die US-Amerikanerin stürzte prompt beim Tunnelsprung heftig.
Absage nach zwei Stunden
Weil Cook nicht selbst ins Ziel abfahren konnte, wurde laut den Regeln der Helikopter angefordert, um die über Knieschmerzen klagende Amerikanerin in die nahe Poliklinik im olympischen Dorf zu fliegen. Weil danach der Schneefall immer dichter wurde, entschloss sich die Jury nach zwei Stunden zur endgültigen Absage des parallel zu den Herren angesetzten Damen-Trainings.
"Wir haben zwei Stunden am Start zugewartet und nie wirklich gewusst, ob und wann es weitergeht", sagte Österreichs Abfahrtshoffnung Andrea Fischbacher, nachdem sie mit der Gondel wieder unverrichteter Dinge abgefahren war. Mehr Glück hatte Michaela Kirchgasser, die wegen ihrer höheren Startnummer in der warmen Hütte warten konnte. "Wir haben gesungen, was das Zeug hält", berichtet die Salzburgerin gut gelaunt.
Fischbacher: "Noch welliger als damals"
Auch wenn kein Training stattgefunden hatte, konnten sich die Damen bei der vorhergehenden Besichtigung ein erstes Bild von "Franz's Run" machen. "Ich war ja schon vor zwei Jahren da, sie ist noch welliger als damals", sagte Fischbacher über die 2.879 m lange und anspruchsvolle Olympia-Strecke, von der vor zwei Jahren auch noch eine gewisse Renate Götschl ("Absolut olympiawürdig") in höchsten Tönen geschwärmt hatte.
Vielfach wird sogar gemunkelt, die Damenstrecke wäre schwerer als jene der nebenan auf der "Dave Murray" fahrenden Herren. "Es ist auf jeden Fall die wahrscheinlich schwerste Abfahrt der Saison", urteilte Fischbacher.
Trainer Kriechbaum zuversichtlich
Abfahrtstrainer Jürgen Kriechbaum war vor zwei Jahren noch als ÖSV-Herrencoach bei der Generalprobe in Whistler gewesen, kennt also die Unterschiede. "Die Damenpiste ist sehr anspruchsvoll, hat Übergänge, Wellen, Sprünge und hängende Kurven. Technisch ist sie vielleicht tatsächlich schwieriger als die Herrenpiste", bestätigte Kriechbaum entsprechende Vermutungen. "Mich stimmt das aber zuversichtlich, denn das könnte uns liegen, weil keine ausgedehnten Gleitstücke drin sind", so Kriechbaum.
Wie anspruchsvoll "Franz" ist, zeigte auch der Sturz der nach ersten Berichten relativ glimpflich davongekommenen Amerikanerin Cook. "Man hat diese Stelle ziemlich unterschätzt. Wenn man den Sprung nur etwas falsch anfährt, springt man 40 Meter weit. Auch wir werden unsere Linie dort ändern und weiter ausholen", sagte Kriechbaum.
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