20.01.2019 13:30 |

Mozartwoche 2019

Rolando, doppelter Botschafter

Am 24. Jänner beginnt eine sehr besondere Mozartwoche, nämlich die erste, die schon zum Großteil Rolando Villazon verantwortet

Vor 723 Tagen wurde er von der Stiftung Mozarteum Salzburg als Botschafter mit Schwerpunkt Mozart präsentiert, seit anderthalb Jahren ist er zudem offizieller Intendant der Mozartwoche – und man kann sich keinen furioseren und enthusiastisch-beseelteren Mozart-Boten vorstellen als den weltberühmten Startenor Rolando Villazon. Wir haben ihn in seinem „Botschaftsbüro“ im Mozarteum besucht, um über seine Ziele, den Musik-Gott aus Salzburg und die Musikwelt zu plaudern.

Herr Villazon, wie kam es eigentlich zu Ihrer Berufung als Stiftungs-Botschafter?

Das geht noch zurück in die Zeit, als Matthias Schulz Geschäftsführer der Stiftung war. Als der mich gefragt hat, war ich sofort für diese Aufgabe entflammt, daran hat auch Matthias’ Wechsel nach Berlin nichts geändert. Mozart-Botschafter ist ohnehin jeder, der seine Musik spielt oder singt.

So gesehen sind Sie also doppelter Botschafter - die demnächst beginnende Mozartwoche trägt schon wie viel Villazon in sich?

So 90 bis 95 %, in zwei Monaten so ein Programm auf die Beine zu stellen, ist eine Herausforderung. Ich habe gemäß meiner Ausrichtung auf ’Mozart pur’ mit den Künstlern jeden einzelnen Punkt erarbeitet, damit es im Ganzen Sinn macht.

Wann und wie sind Sie denn selber mit Mozart erstmals in Berührung gekommen?

Tatsächlich so mit neun Jahren und ganz eigenartig. Bei uns in Mexiko gab es einen Filmschauspieler namens Cantinflas, eine Art Charlie Chaplin von Mittelamerika. Der machte auch Cartoons, und in der Form begegnete mir erstmals der Name Mozart. Bis zu meiner ersten Mozart-Rolle als Alessandro in il re pastore sind dann etliche Jahre vergangen.

Man hört, dass Sie auch österreichische Ahnen hatten, wie verhält sich das genau?

Ja, tatsächlich, mein Großvater floh in den 30er-Jahren aus Wien nach Mexiko, der war Fußballer und hieß Roth. Eigentlich könnte ich als Doppelnamen Villazon-Roth tragen. Meine Uroma hatte im übrigen die Humboldt-Schule in Mexico auserkoren, dort lernte ich auch Deutsch. Nach neun Jahren hat man mich allerdings von dieser Schule verwiesen, also hinaus geschmissen. Genau in dieser Schule (lacht) gibt es heute aber einen Villazon-Saal.

Wie halten Sie’s selber mit Fußball?

Früher war das nichts, aber durch meinen älteren Sohn, der ein großer Fan ist, wurde mir das Thema mehr vertraut. Selber betreibe ich keinen Sport, außer Singen.

Was ist denn Ihr zentrales Anliegen um Mozart, das Sie ja mit riesiger, fast ansteckender Freude und offenbar endlos positiver Energie vermitteln?

Ich sage immer, Mozart ist überall, alles ist Mozart. Von den berühmten Opern bis hin zu wilder, tiefer Kunst, wie diese großartige Gruppe La Fura dels Baus in Thamos. Es geht mir immer um höchste Qualität des Gebotenen, aber auch um Raritäten, um Mozart-Werke, die großartig sind, aber nicht so im allgemeinen Bewusstsein verankert. Ich sehe klassische Musik immer als wichtigen Teil der Gesellschaft, die alle für sich entdecken sollen. So wie jeder sein eigenes Bild von Mozart hat, schauen Sie auf die vielen Bücher über ihn (zeigt auf das Regal in seinem Büro) - da sind manche ähnlich, manche total verschieden. Mit Zwang geht ohnehin nichts, man muss die Lust erwecken.

Was hört Rolando Villazon, wenn es nicht klassisch ist?

Also, ich liebe einen kubanischen Sänger, Silvio Rodriguez. Und am Popsektor höre ich gerne ’Queen’, die sind wegen des Films derzeit ja gerade in aller Munde. Dazu ganz junge, moderne Musik, dazu hat mich mein anderer Sohn animiert.

Eine letzte Frage an den Weltbürger Villazon. Was sagen Sie zu Trumps Mauer an der Grenze zu Mexiko?

Da fiele mir nicht viel Druckreifes ein. Aber offiziell sage ich, Mauern sind keine Antwort, sind kein Schutz, schüren nur Xenophobie. Auch da ist Mozart ein wunderbarer Gegenentwurf, seine Musik war und ist international, eine der offenen Türen mit Einflüssen aus ganz Europa.

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