30.12.2018 07:00 |

Rabl-Stadler geht 2020

Festspiele: Casting für Präsidium beginnt

Im Interview mit der „Krone“ enthüllte die Langzeit-Präsidentin der Festspiele ihre Zukunftspläne: Eine weitere Verlängerung ihres Vertrags über 2020 hinaus „kommt definitiv nicht infrage“. Als mögliche Nachfolger werden der Landeshauptmann, die Landtagspräsidentin und Salzburgs Staatssekretärin gehandelt.

„Natürlich wird es mir wahnsinnig schwer fallen, die Festspiele zu verlassen. Aber gerade weil sie mir so sehr am Herzen liegen, muss ich auch loslassen können.“ Anfang 1995 wurde Helga Rabl-Stadler zur Präsidentin des bedeutendsten Kulturfestivals der Welt ernannt. Seither hat sie das Amt geprägt wie keiner ihrer acht Vorgänger seit 1920.

Nun ist aber klar: Ihre Ära endet nach den 100. Festspielen 2020. Damit beginnt auch das Casting für die Nachfolge. Derzeit werden drei Namen als aussichtsreiche Kandidaten gehandelt: Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf und Staatssekretärin Karoline Edtstadler. Was spricht für oder gegen die einzelnen Personen?

Parteifarbe: Im Kuratorium (Aufsichtsrat) beschließen Vertreter von Bund, Land, Stadt und Tourismusförderungsfonds die Nachfolge. Alle vier Vertreter stellt die ÖVP und alle drei Kandidaten sind ÖVP-Politiker. Auch Rabl-Stadler war vor ihrer Kür ÖVP-Politikerin.

Geschlecht: Mit Intendant Markus Hinterhäuser und dem kaufmännischen Direktor Lukas Crepaz sind bereits zwei Männer im Direktorium. Das könnte eher für eine Frau Präsidentin sprechen.

Weltgewandtheit: Klar ist, die Präsidentin oder der Präsident müssen sich auf dem internationalen Parkett genauso gut bewegen können wie in den Salzburger Gebirgsregionen. Hier fehlt der 37-jährigen Edtstadler noch etwas Profil.

Salzburg-Gen: Eine Präsidentin oder ein Präsident der Festspiele muss auch in Salzburg leben. Edtstadler wird nachgesagt, dass sie eher eine Karriere in Wien anstrebt.

Arbeitspensum: Rabl-Stadler sieht ihren Job als Berufung und ist rund um die Uhr im Dienst. Auch Wilfried Haslauer und Brigitta Pallauf gelten in Salzburg als emsige Arbeiter. Auf Bundesebene schätzt Kanzler Sebastian Kurz Edtstadler für ihren sicheren Umgang mit dem politischen Handwerk. Kenner attestieren ihr einen gewissen Hang zur Repräsentation.

Hartnäckigkeit: Der Nachfolger oder die Nachfolgerin wird auch vor der Herauforderung stehen, so wie Rabl-Stadler Sponsorgelder lukrieren zu müssen. Den gelernten Anwälten Pallauf und Haslauer trauen Insider im Umgang mit heiklen Geldgesprächen die notwendige Lockerheit zu.

Langzeit-Lösung: Hört Rabl Stadler im Herbst 2020 auf, war sie fast 26 Jahre lang im Amt. Salzburg und die Festspiele haben sich an die personelle Kontinuität gewöhnt. Zumindest zwei Perioden von je fünf Jahren werden erwartet. Haslauer wäre bei einem möglichen Amtsantritt 64 Jahre alt, Pallauf wäre 59, Edtstadler wäre erst 39.

Ambitionen auf das Festspiele-Präsidium werden auch dem weltgewandten Präsidenten der Stiftung Mozarteum, Johannes Honsig-Erlenburg, und Ex-Baustadträtin Barbara Unterkofler nachgesagt. Gegen Honsig-Erlenburg spricht vor allem, dass er als studierter Pianist und Organist Künstler ist. Damit wären Konflikte mit dem Intendanten, dem eigentlichen künstlerischen Leiter, vorprogrammiert.

Unterkofler wechselte zwar von den NEOS zur ÖVP und ist als Ehefrau von Salzburgs Industriellen-Präsidenten Peter Unterkofler in der Wirtschaft vernetzt, ihr fehle aber das letzte i-Tüpfelchen für die Nachfolge, meinen Kenner der Festspiele.

Wolfgang Fürweger
Wolfgang Fürweger
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