Olympia-Erinnerungen

Für Habersatter glänzte Silber erst Jahre später

Salzburg
29.01.2026 13:00

Brigitte Habersatter sprach 50 Jahre nach den Winterspielen in Innsbruck mit der „Krone“ über Abfahrts-Silber, das anfangs eine Enttäuschung war. Kristall half darüber hinweg. Bis heute erhält die Filzmooserin Fanpost.

Gerade 17 Jahre war Brigitte Habersatter jung, als sie erstmals für Olympische Spiele nominiert wurde. Unter ihrem Mädchennamen Totschnig gehörte sie zum Kader für Sapporo 1972. Dabei wäre das Debüt fast ins Wasser gefallen. „Wir sollten uns nach dem Ausschluss von Karl Schranz solidarisch erklären und auf eine Teilnahme verzichten“, erinnert sich die heute 71-Jährige. Die Sportler entschieden sich dagegen. Allerdings: „Wir konnten dadurch zwei Abfahrtstrainings nicht bestreiten. Vor allem für Annemarie war das extrem.“ Gemeint ist Annemarie Moser-Pröll, die als Topfavoritin galt und am Ende Silber holte. Die beiden Ski-Legenden verbindet seit Jahren eine gute Freundschaft.

Applaudierende Japaner und Disziplinen-Tausch
Habersatter, die 15. wurde, wunderte sich anfangs über die Japaner. „Es gab einen Sprung, da hat es einige aufgestellt. Die Helfer standen unten und haben geklatscht“, konnte sie es kaum glauben. Das Ambiente faszinierte sie hingegen. „Im Olympischen Dorf waren wir oft am Tisch der niederländischen Eisschnellläufer um Ard Schenk (dreimal Gold 1972, Anm.). Wir haben auch mal beim Bobfahren zugeschaut und durften uns in einen reinsetzen.“

Abstecher zum Bob bei Olympia 1972: Wiltrud Drexel, Bernadette Rauter, Monika Kaserer und ...
Abstecher zum Bob bei Olympia 1972: Wiltrud Drexel, Bernadette Rauter, Monika Kaserer und Brigitte Habersatter (v. re.).(Bild: Andreas Tröster)

Vier Jahre später war die Ausgangslage eine ganz andere. Moser-Pröll war zurückgetreten, Habersatter als Topfavoritin nach Innsbruck gereist. Der Druck war groß. Zu groß für die damals 21-jährige Filzmooserin. „Wir hatten zwar einen Psychologen dabei. Ich habe viel autogenes Training gemacht, aber ich konnte nicht mehr abschalten.“ Am Weg zur Axamer Lizum, wo die Abfahrt stattfand, machte der damalige Konditrainer einen Scherz nach dem anderen. „Mir ist aber kein Lacher ausgekommen“, sagt Habersatter. „Ich war so nervös. Zuvor hatte ich drei Trainings gewonnen und bin zweimal geflogen. Ich habe mir einfach erwartet zu gewinnen. Und alle anderen auch.“ Die Pongauerin gewann Silber hinter Rosi Mittermaier. „In einer Zeitung stand: Nur Silber! Für mich persönlich hat es sich auch so angefühlt. Nach Franz Klammer wurde auch von mir Gold erwartet.“

Die Enttäuschung war riesig – und hielt lange an. „Es hat Jahre gedauert, bis ich Silber zu schätzen wusste“, gibt sie offen zu. „Heute bin ich froh, dass ich eine Medaille habe. So viele gibt es ja nicht, denen das gelingt.“

„Das war kompliziert“
Neben Edelmetall hat „Gitti“ auch Kristallkugeln zu Hause stehen. Wenige Wochen nach Innsbruck sicherte sie sich in Aspen den Sieg im Abfahrtsweltcup. Da es damals keine TV-Übertragung vom Rennen gab, wussten ihre Eltern zunächst nichts davon. „Sie zu erreichen, war kompliziert.“ Habersatter musste ein R-Gespräch anmelden. „Es war Fasching, ich habe sie in einem Gasthaus erreicht. Danach hat’s richtig was zu feiern gegeben“, lacht sie. Im Jahr darauf wiederholte sie den Kristall-Coup.

Brigitte Habersatter (li.) mit Olympiasiegerin Rosi Mittermaier (M.) und ...
Brigitte Habersatter (li.) mit Olympiasiegerin Rosi Mittermaier (M.) und Bronzemedaillengewinnerin Cindy Nelson.(Bild: Andreas Tröster)

Ihre Erfolge hinterließen bleibenden Eindruck, noch heute erhält sie Fanpost. „Kürzlich hat mir jemand aus Amerika Bilder zum Unterschreiben geschickt.“ Ihr Silber glänzte erst spät, leuchtet dafür aber noch heute.

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