Die „Bergkrone“ zu Gast im Snowpark am Kitzsteinhorn – wo Spezialisten Tag für Tag Flugbahnen aus Schnee bauen.
Wo andere Skifahrer vorsichtig über die Piste carven, fliegen Freestyler. Meterhoch. Kopfüber. Seitwärts. Und fast immer mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Willkommen im Snowpark am Kitzsteinhorn (Sbg.) – dort, wo der Himmel zum Spielplatz wird und ein bisschen Wahnsinn einfach dazugehört. Die „Bergkrone“ hatte die Möglichkeit, hinter die Schneewände zu blicken und durfte Martin „Lippi“ Liebmann und sein Team bei der Arbeit begleiten.
Martin, Pinzgauer und selbst begeisterter Snowboarder durch und durch, ist der Mann, der diesen Spielplatz am Gletscher am Leben hält. Er leitet das bis zu zwölfköpfige Shaper-Team, das jeden Kicker, jede Rail und jede Box selbst baut. „Ein Snowpark besteht nicht nur aus Schanzen und Hindernissen“, sagt Martin. „Er besteht aus Kreativität. Und aus Vertrauen.“
Denn was für Außenstehende aussieht wie ein paar Schneehügel mit Rohren, ist in Wahrheit Präzisionsarbeit. Absprung, Winkel, Landung – das muss alles exakt zusammenpassen. „Wenn ein Profi mit 70 km/h auf einen Kicker zufährt, darf es keinen Fehler geben“, sagt Martin. „Dieses Vertrauen ist unser höchstes Gut“. Die großen Kicker am Kitzsteinhorn haben bis zu 35 Grad Neigung und sind damit steiler als so mancher Dachfirst.
Gebaut wird zuerst mit tonnenschweren Pistenraupen. Danach beginnt die Feinarbeit. Mit dem sogenannten Shaper-Tool, einer Mischung aus Rechen und Schaufel, werden Kanten gezogen, Übergänge geglättet und Landungen modelliert. Zentimeter für Zentimeter. Oft bei Sturm, Kälte und Schneefall.
110.000 Kubikmeter Schnee für den Absprung
Dass das Kitzsteinhorn ein Gletscher ist, macht die Arbeit nicht leichter. „Wir haben keinen schönen Grasboden darunter, sondern Felsen. „Die komplette Topografie muss ausgeglichen werden“, so der Profi zur „Bergkrone“. Allein um eine saubere Anfahrt zu bauen, braucht es mehrere Raupenspurbreiten.
Besonders eindrucksvoll: die Halfpipe. Dafür wird im Frühjahr sogar ein riesiges Schneedepot angelegt, mit Vlies abgedeckt und über den Sommer konserviert.
Rund 110.000 Kubikmeter Schnee werden so „eingelagert“. Und jeden Herbst entsteht daraus eine 150 Meter lange Halfpipe. Und die Fahrer kommen aus aller Welt: Olympiasieger, Weltcup-Athleten, Freestyle-Ikonen. Einer von ihnen ist ein echtes Kitzsteinhorn-Kind: Matěj Švancer, in Prag geboren, in Kaprun aufgewachsen, heute Teil der absoluten Weltspitze. Er hat hier trainiert, genauso wie zahlreiche internationale Top-Athleten.
Treffpunkt für Jugend und Weltklasse-Athleten
Für Martin ist der Snowpark aber weit mehr als nur eine Trainingsstätte für internationale Stars. „Das ist ein Platz für die Jugend“, sagt er. „Viele Junge verlieren irgendwann die Lust am normalen Skifahren. Im Park können sie kreativ sein, sich ausprobieren, weiterentwickeln. Genau das braucht’s.“
Und doch spricht Martin ein Thema offen an, das ihn beschäftigt. Denn während Stars aus der ganzen Welt am Kitzsteinhorn trainieren, fehlt ausgerechnet der rot-weiß-rote Nachwuchs an der Spitze. „Wir haben hier im Herbst und Winter Athleten aus den USA, aus Kanada, aus Australien, aus ganz Europa“, sagt er. „Die kommen extra her, weil sie wissen, dass sie hier perfekte Bedingungen vorfinden.“
Was fehlt, sind Österreicher. Martin: „Wir sind eine Skirennnation – aber im Freestyle haben wir kaum Athleten, die ganz vorn mitfahren. Dabei gibt es viele Talente, aber ihnen fehlt oft die Unterstützung, um wirklich den Sprung zur Weltklasse zu schaffen.“
Dabei ist Freestyle längst Leistungssport, olympisch – und dennoch wird er hierzulande oft stiefmütterlich behandelt. „Andere Nationen investieren gezielt. Bei uns passiert vieles aus Eigeninitiative. Olympiasiegerin Anna Gasser hat fast ganz allein den Weg in die Weltspitze geschafft“, weiß der Salzburger: „Dabei hätten wir die besten Trainingsstätten direkt vor der Haustür.“
Gerade deshalb ist der Park so wichtig: als Bühne für die Weltelite – und als Chance für die nächste Generation. „Wenn einer vorn dabei ist, dann zieht das die Jugend nach“, ist Martin überzeugt. „Genau das wollen wir hier ermöglichen.“
Bauingenieur, Künstler und Kind geblieben
Martin greift wieder zum Shaper-Tool. „Im Grunde ist unsere Arbeit wie Schneeburgen bauen als Kind – nur auf professionellem Niveau“, ergänzt ihn Kollege Russel Oram: „Shapen heißt für mich aufbauen, erhalten, reparieren – jeden Tag“. Oder wie es Martin formuliert: „Wenn in der Früh die Sonne über den Park geht und alles perfekt glänzt – dann weißt du, warum du das machst.“
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