EM-Euphorie

ÖHB-Star Szilagyi: “Das Ziel kann nur Halbfinale heißen”

Sport
24.01.2010 16:02
Viktor Szilagyi (im Bild beim Wurf) ist der international erfahrenste Mann im österreichischen Handball-Nationalteam. Der 31-jährige, in Budapest geborene Rückraum-Regisseur war in seiner Laufbahn unter anderem Champions-League- (2007 mit Kiel) und EHF-Cup-Sieger (2005 mit Essen, 2009 mit Gummersbach). Nun erlebt Szilagyi bei der Heim-Europameisterschaft auch mit dem ÖHB-Team einen nicht für möglich gehaltenen Höhenflug.

Das große Ziel Hauptrunde ist erreicht, was ist für Österreich jetzt noch möglich?
Viktor Szilagyi: "Wir fahren nicht nach Wien, um nur die Atmosphäre zu genießen. Wir werden in jedem Spiel um jeden einzelnen Zentimeter kämpfen und wollen so viele Punkte wie möglich holen. Es wird keine Sekunde geben, in der wir nicht alles geben werden."

Ist sogar das Halbfinale möglich?
Szilagyi: "Wir brauchen uns vor niemandem verstecken. Der Druck liegt ganz klar bei den Gegnern, wir haben nichts mehr zu verlieren, können relativ befreit aufspielen. Aber man muss sich immer ein neues Ziel setzen, und das kann daher nur Halbfinale heißen. Wir sind Sportler und wollen jedes Spiel gewinnen. Und wenn wir alle drei Spiele gewinnen, dann werden wir im Halbfinale stehen."

Der Außenseiterbonus ist aber längst weg.
Szilagyi: "Der war schon nach unserem Auftreten gegen Dänemark weg. Aber den Heimbonus kann uns niemand nehmen, und unser Herz kann uns auch niemand nehmen. Wir feiern die Erfolge, weil wir eine Mannschaft sind."

Was sagen Sie zur immer größer werdenden Begeisterung und Fan-Unterstützung?
Szilagyi: "Die Fans sind fantastisch, genau das brauchen wir. Am Anfang waren die Leute vielleicht noch ein bisschen skeptisch. Aber dann haben sie schnell gemerkt, dass da unten eine Mannschaft am Spielfeld steht, die alles gibt. Es waren keine Floskeln, als wir gesagt haben, dass wir weiterkommen wollen. Das ist für jeden im Nationalteam das Karriere-Highlight. Das sind wirklich schöne Momente. Aber wir wollen sie nicht genießen, sondern Gas geben."

Sie haben in Deutschland schon mit den besten Trainern der Welt zusammengearbeitet, was zeichnet Österreichs Teamchef Dagur Sigurdsson aus?
Szilagyi: "Es ist nicht lange her, da war Dagur selbst noch ein Weltklasse-Spieler. Dagur hat jede einzelne Matchsituation Hunderte Male als Spieler durchlebt, keiner in unserem Team hat mehr Erfahrung als er. Dagur weiß genau, wie man als Spieler denkt und was man als Spieler braucht. Er kann uns perfekt einstellen, wir wissen jedes kleinste Detail über unsere Gegner. Im Spiel coacht und hilft er uns. Als wir gegen Serbien 0:4 hinten waren, hat er uns zusammengeholt und gesagt, dass wir die ersten Minuten einfach vergessen und zeigen sollen, was wir drauf haben. Das haben wir dann gemacht."

Steckt sogar noch mehr in der Mannschaft?
Szilagyi: "Es steckt sicher noch mehr drinnen. Gegen Serbien waren wir phasenweise schon sehr, sehr gut. Und da haben wir vor allem diese 'Big points' in den wichtigen Phasen gemacht. Aber wir haben es noch nicht geschafft, unsere Leistung über 60 Minuten zu zeigen. Wir werden weiter an uns arbeiten. Und wir müssen kühlen Kopf bewahren."

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