Bei seiner Rückkehr an den Ort des Unfalls verzichtete der 26-Jährige aber auf einen Gang zur Streif. Er werde sie erst wieder betreten, wenn er auch fährt. "Dann werde ich der Piste zeigen, ich bin der Chef."
Bis dahin wird noch Zeit vergehen, Zeit, die sich Albrecht nehmen wird, um noch mehr von dem zurückzuerlangen, was ihn vor nicht all zu langer Zeit zum Weltklasseläufer gemacht hat. "Es würde vielleicht schon funktionieren, aber es wäre noch zu früh. Ich muss auch auf meinen Verletztenstatus aufpassen. Ich habe gesehen, dass sehr, sehr viele die Athleten, die mit Verletztenstatus zurückkommen, sich gleich wieder verletzten."
Keine Erinnerung an den Sturz
Das Schweizer Fernsehen hat Albrecht im vergangenen Jahr mit Kameras begleitet und zeigte zu Beginn der Pressekonferenz eine Zusammenfassung der Dokumentation. Die Sturzbilder hat Albrecht mittlerweile schon viele Male gesehen, erinnern kann er sich aber nach wie vor an nichts. Er hatte ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, Gehirnblutungen, eine Lungenquetschung. Fast drei Wochen lag der Walliser im künstlichem Tiefschlaf und kämpfte sich danach ins Leben zurück.
Der Mensch Daniel Albrecht hatte Schwierigkeiten, sich an Personen, selbst sein vertrautestes Umfeld zu erinnern. Zum Teil habe er noch Probleme, die richtigen Bezeichnungen für Dinge zu finden, aber jetzt erkenne er, wenn er einen Fehler mache und überlege, wie die richtigen Wörter heißen. Er kann sich an vieles wieder erinnern, was früher passiert ist, fühlt sich dabei aber wohl mehr als Betrachter einer Szenerie, denn er erklärte. "Es ist, wie wenn ich einen Film geschaut hätte. Ich weiß, was in dem Film passiert ist, aber der Bezug fehlt."
Kampfgewicht wieder erreicht
Der Skifahrer Daniel Albrecht litt unter schlechten Orientierungssinn und beeinträchtigter Reaktionsfähigkeit, hatte Koordinationsschwierigkeiten und überforderte mit hartem Training seinen Körper und den Geist, weshalb Überlegungen für ein Comeback in Sölden oder Übersee verworfen wurden. Doch geblieben war ihm das Gefühl für den Ski und den Schnee. "Zum Glück", merkte Albrecht an. Denn darauf musste er aufbauen. Mit 89 Kilogramm hat er nun wieder sein Kampfgewicht erreicht und die Vorbereitung auf die kommenden Saison auch bereits begonnen.
"Es geht mir wirklich enorm gut, ich bin sehr zufrieden und irgendwie einfach stolz, dass ich es noch einmal probieren kann, Weltcuprennen zu fahren. Die Verletzung war kein Beinbruch oder Armbruch, sondern ziemlich an der Grenze, ich hatte überhaupt Glück, dass ich noch hier bin", sagte Albrecht, der weiß, dass es anders als damals als junger Athlet, dieses Mal noch viel schwieriger werden wird, im Weltcup erfolgreich zu sein. "Man muss schwer arbeiten und braucht sehr viel Glück. Wenn ich es noch einmal schaffen möchte, brauche ich noch mehr Glück, da muss noch viel mehr zusammenpassen."
Es war der Wunsche von Daniel Albrecht, nach Kitzbühel zu kommen. Er wollte den vielen Interview-Anfragen der Medien nachkommen und entschied sich für eine Pressekonferenz. Er ist aber auch nach Kitzbühel gekommen, um etwas über sich selbst zu erfahren. "Ich wollte wissen, wie ich mich fühle, ob mein Körper weiß, was passiert ist, ob er sich erinnert."
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