Die Partie vor 5.500 Fans in der ausverkauften Linzer Halle war nichts für schwache Nerven. Im Finish lag Österreich 46 Sekunden vor dem Ende mit drei Treffern zurück, kämpfte sich aber in den Schlusssekunden noch einmal zurück. Der Treffer zum Ausgleich gelang Markus Wagesreiter, der mit einem Wurf aus der eigenen Spielhälfte vier Sekunden vor der Schlusssirene den isländischen Zweier-Tormann Hreidar Gudmundsson überraschte. Im österreichischen Spiel ragten vor allem Konrad Wilczynski und Viktor Szilagyi mit jeweils neun Toren heraus.
ÖHB-Team darf von Hauptrunde träumen
Damit darf Österreich vor dem dritten Spiel der Vorrunde am Samstag vom Aufstieg in die Hauptrunde träumen. Gegen Serbien, das Dänemark 23:28 unterlag, würde bereits ein Remis reichen. Dänemark sicherte sich mit dem zweiten Erfolg das Ticket für die nächste Turnierphase.
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ÖHB-Teamchef Sigurdsson vertraute offensiv exakt derselben Grundaufstellung wie gegen Dänemark. Defensiv probierte er es mit einer 5-1-Deckung, wobei Vitas Ziura den Part des "Einsers" übernahm und die Kreise von Islands Superstar Olafur Stefansson stören sollte.
Im Angriff lief Österreichs Spiel wie geschmiert. Vor allem, weil sich der gegen Dänemark torlos gebliebene Konrad Wilczynski diesmal - zumindest in den Anfangsminuten - von einer deutlich besseren Seite präsentierte und den isländischen Schlussmann Björgvin Gustavsson unter anderem mit zwei herrlichen "Wuzlern" entnervte. Aber auch aus dem Rückraum waren Viktor Szilagyi, Roland Schlinger und Bernd Friede eine ständige Bedrohung.
Defensive stand zu passiv
Österreich zog aber nicht davon, weil man in der Defensive zu passiv stand und Island vor allem über die Mitte zum munteren Torwerfen einlud. Nach rund einer Viertelstunde folgte die stärkste Phase Österreichs, bis zur 19. Minute schoss man sich 13:10 in Führung - die Linzer Halle war zu diesem Zeitpunkt erstmals bei der EM ein Tollhaus, und Islands Coach Gudmundur Gudmundsson nahm ein taktisches Timeout.
Und dieses verfehlte nicht seine Wirkung. Österreich verspielte den Vorsprung innerhalb von nur fünf Minuten komplett und lag in der 24. Minute 13:15 zurück. Auch weil diesmal der Trick, bei Unterzahl für Tormann Nikola Marinovic einen zusätzlichen Feldspieler einzusetzen, völlig in die Hose ging: Nach zwei technischen Fehlern warf Island zwei Treffer ins leere ÖHB-Tor. Defensiv weiter schwach, lag Österreich nach 30 Minuten 17:20 zurück.
Die Aufholjagd wurde dann von Kapitän Szilagyi in die Hand genommen. Der Regisseur zog in den ersten Minuten der zweiten Spielhälfte alle Register seines Könnens und war hauptverantwortlich dafür, dass Österreich in der 41. Minute 26:25 in Führung ging. Die Partie stand auf des Messers Schneide.
Sensations-Finish rettete Remis
Bis zur 54. Minute, als beim Stand von 32:32 Friede für zwei Minuten vom Feld geschickt wurde. Als er wieder aufs Feld durfte, stand es 32:34, wenig später 32:35. Doch Österreich gab nicht auf und stellte mit einem unglaublichen Finale in der Schlussminute von 34:37 auf 37:37. Schlinger traf 46 Sekunden vor dem Ende zum 35:37, Szilagyi 23 Sekunden vor Schluss zum 36:37 und Wagesreiter vier Sekunden vor der Sirene zum umjubelten Ausgleich.
Ukraine ärgert Kroatien
In der Gruppe A von Graz forderte Außenseiter Ukraine den zweifachen Olympiasieger Kroatien von Beginn an voll, lag zur Halbzeit sogar mit 14:12 vorne. In der zweiten Hälfte glichen die Kroaten allerdings bald zum 16:16 aus, schienen wieder in Fahrt zu kommen. Auch Spielmacher Ivano Balic verfiel sichtlich in Spiellaune. Der 30-Jährige machte seine ersten Treffer in der Partie, beging bei seinen Anspielen aber auch Fehler. So blieb die Ukraine dran und ging in der 45. Minute sogar mit 21:18 in Führung.
Nicht zuletzt Tormann Sergej Bilyk konnte sich im Gegensatz zur Auftaktpartie gegen Russland mehrmals auszeichnen. Bis zur 50. Minute blieb das Spiel spannend, ehe zwei Tore der beiden kroatischen Stars Balic und Igor Vori in der 51. und 53. Minute die Vorentscheidung bedeuteten. Der Ukraine, die zwischen der 49. und 59. Minute kein Tor erzielte, fehlte im Finish die Kraft und auch etwas Glück, um nochmals zurückzukommen.
Norwegen besiegt Russland
Die Norweger, angeführt vom achtfachen Torschützen Kristian Kjelling, hatten gegen Russland zumeist leichte Vorteile und führten nach 30 Minuten auch mit 16:13. In der 42. Minute schien der EM-Sechste des Jahres 2008 beim Stand von 20:15 alles klar gemacht zu haben. Russland aber verkürzte auf 20:21 und schien sich noch einmal zurückzukämpfen. Lautstark angetrieben von den eigenen Fans ließen sich die Norweger den Sieg aber nicht mehr nehmen. Russland gelangen ab der 46. Minute nur mehr zwei Treffer, spätestens beim Stand von 27:22 (56.) war die Partie gelaufen.
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