Do, 13. Dezember 2018

Buch-Rezension

27.11.2018 07:00

Ed Sheeran: Vom Improvisateur zum Megastar

Eine Karriere wie jene von Ed Sheeran können nicht einmal die kundigsten Märchenerzähler erfinden. Innerhalb von nur zehn Jahren mutierte er vom schüchternen Rotschopf zum größten Popstar der Welt. Fotografin Christie Goodwin begleitet ihn seit den frühen Tagen und hat nun ein Buch mit den besten Bildern aus dieser Zeit veröffentlicht.

Zugegeben - die Karriere von Ed Sheeran ist selbst mit dem Terminus „beeindruckend“ noch nicht hinlänglich erklärt. Wie der sympathisch normal auftretende Rotschopf lediglich mit einer Akustikgitarre bewaffnet mittlerweile europaweit ganze Stadien füllt, wird noch in 100 Jahren in den Musikgeschichtsbüchern stehen und Gegenstand unzähliger Branchendiskussionen werden. In einer Ära von Oberflächlichkeiten, Autotune, Gesichtstätowierungen und Hednoismus-Rap stieß er mit seinen eingängigen und teils auch einfachen Songs das Tor zu einem Feld auf, dass es so eigentlich gar nicht gegeben hat. Wie bei allen großen Künstlern teilt sich das öffentliche Feld in „Lover“ und „Hater“, doch wo mitsingende Massen, da auch erbitterte Gegner, die ihm Beliebigkeit und Konturlosigkeit vorwerfen.

CDs noch im Rucksack
Schon seit den frühen Tagen mit dabei war die britische Musikfotografin Christie Goodwin, die ihrem Lieblingskünstler und nicht zuletzt auch sich selbst mit dem Buch „Ed Sheeran - Blitzlicht“ eine kurzweilige Zwischenbilanz bietet. Sie berichtet mit vielen ausgewählten Bildern die unterschiedlichsten Karrierestationen von Ed und lässt dabei auch tief auf eine Zeit zurückblicken, als ihn noch nicht einmal die Briten in seiner Heimat kannten. Im Februar 2008 fotografierte sie ihn im Camdener Enterprise zum ersten Mal auf einer Minibühne vor einer Handvoll interessierter Nasen. Es gehört zur Mythenbildung dazu, dass er damals technische Probleme hatte, aber geschickt zu improvisieren wusste, um die Leute in seinen Bann zu bringen. Dies alles geschah zu einer Zeit, als Sheeran noch mit Backpacker-Gitarre unterwegs war und seine selbstmitgebrachten CDs im Rucksack verstaute, um aus den Erlösen ebenjener sein Essen bezahlen zu können.

Goodwin lässt den Leser teilhaben am blutjungen Ed, der damals noch fast ohne Tattoos und neugierig auf die große Welt, mehr einem kalifornischen Pop-Punk-Sänger ähnelte, als dem juvenilen Megastar der Gegenwart. Chronologisch arbeitet sich Goodwin auf den mehr als 200 Seiten durch die rasante Karriere von Sheeran und ist dabei natürlich hauptsächlich in seiner Heimat England zugegen. So ging es schnell in den renommierten Shepard’s Bush Empire, weiter ins Hammersmith Apollo und in die gewaltige O2-Arena, bis er schließlich 2015 das allererste Mal an gleich drei Abenden in Folge des Wembley-Stadion ausverkaufte. Dazwischen wurden lebenslange Freundschaften mit Taylor Swift und Elton John geschlossen. Die hochqualitativen Fotografien lassen an der jungen Wunderkarriere teilhaben, porträtieren den eher introvertierten Ed samt Begleittexten aber fast etwas zu „heilig“. Doch wer weiß? Schlechte Worte wurden über ihn allgemein noch sehr wenige verloren.

Gold für Fotografen
Goodwin kreierte das Buch in enger Zusammenarbeit mit Ed’s Vater John Sheeran, der nicht nur für das Vorwort und zahlreiche Begleittexte sorgte, sondern als langjähriger Museumskurator und Ausstellungsveranstalter auch die nötige Geduld und das richtige künstlerische Verständnis hatte, um seinen Sohn den Weg zu dieser Karriere in aller Ruhe zu ermöglichen. Besonders beeindruckend sind natürlich die Wembley-Aufnahmen aus der Totale und die frühen Fotos aus den Sessions vor dem großen Ruhm - das Gold für jeden Fotografen, der einen Superstar vor dem großen Durchbruch erwischt. Goodwin erzählt dabei nicht nur die Geschichte von ihr und Ed, sondern auch jene, wie sie sich viele Jahre nach ihrem Einstieg in die Fotografie trotz aller Irrungen und Wirrungen noch hauptberuflich ins Musikbusiness vorarbeiten konnte.

So ist das Buch schlussendlich nicht nur eine Hommage an die ersten zehn Karrierejahre Sheerans, sondern stellenweise auch eine etwas überdrehte Selbstbeweihräucherung mit einer überbordenden Dosis Moralverständnis für alle jene Hobbyfotografien, Akkreditierungsjäger und Interessierter, die sich gerne selbst in dieser Position sehen würden. Nichtsdestotrotz gibt sie manch sinnvolle Tipps und Hinweise, wie man es trotz aller Widrigkeiten vielleicht doch in diesem Geschäft schaffen könnte. Beharrlichkeit, Fleiß und Talent - welch Wunder - sind jedenfalls essenziell, um an hochgesteckten Zielen überhaupt kratzen zu können. Bei einem Beweis wie dem Erfolg Goodwins fällt das Träumen aber zumindest wieder leichter. Ed Sheeran kommt am 28. und 29. Juni für zwei weitere Österreich-Open-Airs dieses Mal ins Kärntner Wörtherseestadion - beide Gigs sind restlos ausverkauft.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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