12.11.2018 12:10 |

2,7 Prozent „zu wenig“

Streit um KV: Metallarbeiter starteten Warnstreiks

Weil sich Gewerkschaften und Arbeitgebervertreter in der vergangenen Woche auch nach fünf Verhandlungsrunden nicht auf einen neuen Metaller-KV einigen konnten, hat am Montag ein Teil der 130.000 Arbeitnehmer in 1200 Betrieben Warnstreiks gestartet. Dazu wurden die zuletzt nur unterbrochenen Betriebsversammlungen wieder aufgenommen.

Im Lichte der Warnstreiks in der metalltechnischen Industrie drohte der Arbeitnehmerverhandler Rainer Wimmer (PRO-GE/FSG) mit noch ernsteren Maßnahmen, sollte es davor nicht ein „substanzielles Angebot“ von der Arbeitgeberseite geben. Gibt es keine Verhandlungsrunde mit einem solchen Angebot „wird es am 19. November richtig ernst“, so Wimmer. Dann werde nicht zwei, drei Stunden gestreikt wie dieser Tage, so der Gewerkschafter, der davon sprach, dass womöglich „eine wichtige Aktion gestartet wird“, ohne sich zu sehr in die Karten schauen zu lassen. Man sei aber sehr wohl gesprächsbereit, erklärte er.


Metaller fordern Gehaltsplus von fünf Prozent
Während die Arbeitgeber die Streiks als „vorgeplant“ bezeichnen, fühlen sich die Gewerkschafter nicht ernst genommen. Sie fordern ein Lohn-/Gehaltsplus von fünf Prozent. Die Arbeitgeber bieten nur knapp die Hälfte an. „Unser Vorschlag von 2,7 Prozent Lohn- und Gehaltserhöhungen deckt die Inflation der letzten zwölf Monate von rund zwei Prozent als auch den gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfortschritt von 0,7 Prozent praktisch zur Gänze ab“, erklärte Fachverbandsobmann Christian Knill am Wochenende.

Arbeitgeber sehen sich durch Wifo bestätigt
Rückendeckung sieht Arbeitgeber-Chefverhandler Knill durch Aussagen des Lohnexperten des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). „Gerecht wäre eine Abgeltung des Produktivitätsfortschritts und der Inflation“, sagte Wifo-Ökonom Thomas Leoni in der „Wiener Zeitung“. Laut Wifo-Prognose liegt der Produktivitätszuwachs pro Stunde quer über alle Wirtschaftsbereiche hinweg 2018 bei 0,7 Prozent, die Inflation voraussichtlich bei 2,1 Prozent. Knill sieht sich daher durch das Wifo bestätigt.

Regierung befürwortet „spürbaren“ Lohnanstieg
Wifo-Chef Christoph Badelt erwartet hingegen „höhere Lohnerhöhungen“ als früher, wie er Anfang Oktober sagte. Im Vorjahr betrug der KV-Abschluss drei Prozent. Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny hatte die Forderung der Gewerkschaften nach fünf Prozent mehr Gehalt als „nicht besonders überschießend“ bewertet. Auch von der ÖVP-FPÖ-Regierung gibt es den Appell an die Sozialpartner, einen „spürbaren“ Lohnanstieg auszuverhandeln.

Fronten zwischen Sozialpartnern heuer besonders verhärtet
Wegen der von der Regierung ausgeweiteten Höchstarbeitszeiten sind die Fronten zwischen den Sozialpartnern heuer besonders verhärtet. Die Arbeitnehmervertreter wollen sich in den KV-Verhandlungen „zurückholen“, was ihnen „genommen worden“ sei. Die Arbeitgeber fühlen sich dafür nicht zuständig. Wann die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, ist derzeit noch offen.

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