Fr, 16. November 2018

KV-Verhandlungen

09.11.2018 12:01

Keine Einigung: Metaller streiken ab Montag!

Nachdem auch in der fünften Kollektivvertrags-Verhandlungsrunde keine Einigung mit der Arbeitgeberseite erzielt wurde, macht die Gewerkschaft ihre Drohung wahr: Ab Montag kommt es zu Warnstreiks. Diese sollen bis Mittwoch abgehalten werden, dazu werden die zuletzt nur unterbrochenen Betriebsversammlungen in den 1200 Betrieben der Metalltechnischen Industrie mit gut 130.000 Mitarbeitern wieder aufgenommen. Während die Arbeitgebervertreter von einem „fairen Angebot“ sprachen, das abgelehnt worden sei, sah das die Arbeitnehmerseite vollkommen anders. „Wir fühlen uns ein bisschen verarscht“, sagten die Chefverhandler.

Sollten die Gewerkschaften nicht rasch wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, überlegen die Arbeitgebervertreter, ihren Betrieben „freiwillige Lohn-/Gehaltserhöhungen zu empfehlen“, wie es am Freitagvormittag hieß.

Genauer in die Karten schauen, in welchen Unternehmen wann die Arbeit niedergelegt wird, wollten sich die Gewerkschaftsverhandler unter der Führung von Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA-djp) am späten Donnerstagabend noch nicht lassen. In der fünften Verhandlungsrunde waren sich die zwei Seiten zunächst etwas nähergekommen. Dann platzten die Gespräche doch. Den Schwarzen Peter dafür schieben sich Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter gegenseitig zu. Einen neuen Gesprächstermin gibt es vorerst nicht.

„Wir waren der Meinung, unser Abgebot war fair“, sagte der Sprecher der Arbeitgeberverhandler, Christian Knill, Donnerstagnacht im Gespräch mit der APA. „Wir haben 2,7 Prozent Lohn-/Gehaltszuwachs geboten“, so Knill weiter. Samt Zugeständnissen im Rahmenrecht „wäre das Gesamtangebot bei mehr als drei Prozent gelegen“.

Gewerkschaft fühlt sich nicht ernst genommen
Dieses Angebot habe man nicht ernst nehmen können, sagten Wimmer und Dürtscher dazu, zumal in den Verhandlungen laut den beiden Gewerkschaftern die rahmenrechtlichen Verbesserungen „in Abrede gestellt“ worden seien. Man fühle sich von den Arbeitgebervertretern so gar nicht ernst genommen. Die Wirtschaft brumme, die Arbeitnehmer sollten daran aber viel zu wenig teilhaben dürfen. Die Forderungen der Gewerkschaft sind bekannt: ein Lohn- oder Gehaltsplus von fünf Prozent oder mindestens 100 Euro mehr und Zugeständnisse im Rahmenrecht.

Das Angebot der freiwilligen Erhöhungen stieß ebenfalls auf Ablehnung. „Es scheint modern zu werden, dass die Arbeitgeber versuchen, die Belegschaft zu spalten“, kritisierte GPA-djp-Chef Dürtscher. „Das lassen wir uns nicht gefallen. Es wird versucht, die Arbeitnehmer mit einem Prozentsatz abzuspeisen, der den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht entspricht“, spielte Dürtscher auf ein ähnliches Vorgehen beim Eisenbahner-KV an, das für die Gewerkschaften nicht akzeptabel sei. Man werde zeigen, dass die Beschäftigten hinter dem Vorgehen der Gewerkschaft stünden und es der Gewerkschaft nicht um den Selbstzweck gehe.

Arbeitgeber: „Streiks bringen niemandem etwas“
Ein Streiktag - vorerst sind nur einige Stunden geplant - in der Metalltechnischen Industrie mit ihren 1200 Betrieben koste zwischen 30 und 50 Millionen Euro, warnte Knill. „Streiks bringen niemandem etwas - außer Verunsicherung und Kosten. Sie schaden dem Standort.“

Industriellenvereinigung fordert Rückkehr zur Sachlichkeit
Angesichts der aufgeheizten Stimmung hat sich auch die Industriellenvereinigung in den Streit eingeschaltet und die Gewerkschaft aufgefordert, zu mehr Sachlichkeit zurückzukehren. Die Tages- und Parteipolitik gehöre aus den KV-Verhandlungen draußen gelassen, appellierte Generalsekretär Christoph Neumayer. Es handle sich nicht um politisches Vorgehen, hatte zuvor die Gewerkschaft betont.

In fünf weiteren, kleineren Metallerbranchen, die gemeinsam rund 60.000 Mitarbeiter haben, gibt es in der kommenden Woche indes weitere Verhandlungsrunden, in denen die Gewerkschaften den Druck ebenso erhöhen wollen. „Wir werden den gemeinsamen KV (für alle Metaller der verschiedenen Unterbranchen mit insgesamt gut 190.000 Mitarbeitern, Anm.) mit ganzer Kraft verteidigen“, sagte Wimmer. Seit einigen Jahren werden die sechs Metaller-Kollektivverträge einzeln verhandelt.

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