Mo, 19. November 2018

Gedenken an 1918

10.11.2018 19:25

Macron und Merkel: „Nie wieder Krieg!“

Mit einer hoch symbolischen Zeremonie haben die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Samstag in Frankreich an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnert. Beide besuchten gemeinsam die Waldlichtung bei Compiegne nordöstlich von Paris, wo die Deutschen am 11. November 1918 den Waffenstillstand mit den Alliierten unterzeichneten und damit ihre Kapitulation besiegelten. Macron erinnerte dabei an die Überzeugung der damaligen Kriegsgeneration: „Nie wieder!“ Er rief zu innereuropäischer Zusammenarbeit auf und mahnte angesichts eines erstarkten Nationalismus, sich nicht spalten zu lassen.

Merkel ist die erste deutsche Kanzlerin, die diesen hochsymbolischen Ort besucht. Er war tabu, seit Adolf Hitler ihn zur Demütigung der Franzosen nutzte.

Im Wald von Compiegne unterzeichneten die Deutschen zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren in einem Eisenbahnwaggon den Waffenstillstand und damit ihre Kapitulation. Hitler rächte sich im Juni 1940 nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich für die „Schmach“, indem er denselben Waggon wieder aus dem Museum holen und in den Wald schaffen ließ. Historische Bilder zeigen den Diktator bestens gelaunt auf der Lichtung, er persönlich diktierte den Franzosen im Waggon die Friedensbedingungen.

Macron verwandelte den „Ort der Revanche“ jetzt gemeinsam mit der Kanzlerin in einen Ort der „abschließenden Versöhnung“ zwischen Deutschland und Frankreich, wie einer seiner Mitarbeiter es formulierte. Merkel und Macron gedachten der geschätzten zehn Millionen Toten des Ersten Weltkriegs schweigend. 

Macron hielt Merkels Hand
Ein Bild blieb am Samstag besonders in Erinnerung: Merkel und Macron im Nachbau des historischen Eisenbahnwaggons - das Original wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Vertreter Deutschlands und Frankreichs nahmen diesmal nebeneinander Platz, um sich in das Goldene Buch einzutragen - und standen sich nicht konfrontativ gegenüber, wie 1918 und 1940. Macron saß zu Merkels Linken. Beide waren sich zugewandt und blätterten gemeinsam durch das Goldene Buch. Schließlich ergriff Macron Merkels Hand und drückte sie fest. Dieses Foto könnte in die Geschichtsbücher eingehen.

Beide Politiker weihten eine Plakette ein, auf der in Deutsch und Französisch zu lesen war: „Anlässlich des 100. Jahrestags des Waffenstillstands vom 11. November 1918 haben der Präsident der französischen Republik, Emmanuel Macron, und die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Angela Merkel, hier die Bedeutung der deutsch-französischen Aussöhnung im Dienste Europas und des Friedens bekräftigt.“

Es ist ein Kontrast zur bisherigen französischen Erinnerungskultur, denn die 1922 angelegte und in den 30er-Jahren erweiterte Gedenkstätte von Compiegne strotzt vor Siegesbewusstsein. Im Zentrum der Waldlichtung liegt der monumentale „heilige Stein“, der verkündet: „Hier unterlag am 11. November 1918 der kriminelle Hochmut des deutschen Reichs, besiegt von den freien Völkern, die zu unterjochen es beansprucht hatte.“ Am Fuße dieses Steins ist die neue Gedenkplakette angebracht.

„Treten in die Fußstapfen von Kohl und Mitterand“
Die französische Präsidentschaft hofft nun, Aussöhnungsgeschichte schreiben zu können: Merkel und Macron träten „in die Fußstapfen von Helmut Kohl und Francois Mitterrand“, heißt es aus dem Elysee-Palast. Die Bilder der beiden Politiker, die einander auf einem Soldatenfriedhof in Verdun im September 1984 an den Händen hielten, gingen um die Welt. Zum Abschluss machten Merkel und Macron einen Rundgang bei den eingeladenen Gästen - Schülern, Armeeangehörigen und Diplomaten. Unter den Gästen war auch die 100 Jahre alte Paulette Maunier aus Compiegne, mit der sich die Kanzlerin und der Präsident fotografieren ließen. Sie hatte einen Herzenswunsch an die beiden Politiker: „Nie wieder Krieg!“

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