Mi, 19. Dezember 2018

Häusliche Gewalt

10.10.2018 06:00

Der brutalste Ort ist das eigene Zuhause

Der Fall Roman Rafreider, dem die Ex-Liebe Misshandlungen und Drohungen vorwirft, bringt ein Thema aufs Tapet, das jede fünfte Frau in Österreich betrifft: häusliche Gewalt.

Wenn sich die Straßen leeren und die Lichter hinter den Fenstern angehen, kehrt Ruhe ins Land. Doch es ist eine trügerische Ruhe. Denn die Szenen, die sich in vielen Familien hinter den Jalousien abspielen, sind erschütternd.

Jede fünfte Frau Opfer von Gewalt
Jede fünfte Frau ist Opfer von Misshandlungen, muss körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt erfahren. Nicht durch Unbekannte. Sondern durch Familienangehörige - etwa den Partner, den Ehemann oder den Ex.

„Viele Menschen denken, Gewalt kommt in erster Linie von außen. Das ist Unsinn. Die innerfamiliäre Gewalt ist deutlich in der Mehrzahl. Etwa auch bei Sexualverbrechen an Kindern, was besonders schrecklich ist“, weiß Dr. Georg Psota, Chefarzt der Psychosozialen Dienste und einer der Supervisoren des Frauennotrufes. Hinzu kommt eine neue Form der Gewalt, die Cyberkriminalität. Wo Drohungen, Einschüchterungen und Überwachung über Smartphone und Internet stark im Vormarsch sind.

„Mit dem ersten Gewaltakt beginnt in der Regel eine Spirale, die immer schlimmer wird und nicht von selbst aufhört“, sagt Psota.

Hilfe für Opfer und Täter
Doch es gibt einen Ausweg: Hilfe in Anspruch nehmen! Was nicht nur für die Opfer gilt, sondern auch für die Täter, die sich etwa an die Männerberatung wenden oder Anti-Aggressions-Trainings machen können.

Hilfe in Anspruch nehmen - oft leichter gesagt als getan. Denn viele Frauen haben Angst, auch um ihr Leben. Allein im ersten Halbjahr 2018 wurden in Österreich 16 Morde an Frauen durch den Ehemann oder (Ex-)Partner begangen. Dazu kommt oft eine ökonomische Abhängigkeit vom Partner. Und nicht zuletzt auch die Scham.

Gewalt betrifft alle Schichten
Dabei zieht sich häusliche Gewalt durch alle gesellschaftlichen Schichten, wie zuletzt die Dramen um ORF-Moderator Roman Rafreider oder Hollywood-Star Nicolas Cage zeigten. Rafreider, dem seine Ex-Freundin Drohungen und Schläge vorwirft, betrifft eines von 5660 Betretungsverboten, die bis dato 2018 ausgesprochen wurden. Cage soll seine Ex-Freundin am 20. September in Wien misshandelt haben.

Möglich wurden Täter-Wegweisungen erst 1997 durch das Gewaltschutzgesetz, das nun von einer Taskforce verbessert werden soll. Dabei geht es neben Strafverschärfungen um besseren Opferschutz und verstärkte Täterarbeit.

Frauenhaus gibt Schutz
Im November 1978 eröffnete im neunten Wiener Gemeindebezirk das erste Frauenhaus Österreichs, das eigentlich eine große Wohnung war. Innerhalb kürzester Zeit war sie voll belegt. Mittlerweile gibt es bundesweit 26 Häuser, in denen gewaltbetroffene Frauen und Kinder Schutz, Unterkunft und Unterstützung finden. Die Standorte sind meist geheim. 1634 Frauen mit 1707 Kindern nahmen dieses Angebot im Vorjahr in Anspruch.

„Bei uns können die Betroffenen wieder zu Kräften kommen, ihr Leben neu ordnen. Wir erarbeiten auch Sicherheitspläne mit den Frauen“, sagt Eva Zenz vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser. Deren berührender Spot „Keine Ausreden bei Gewalt“ wurde am Montag in Wien vom Fundraising-Verband zum „Werbespot des Jahres“ gekürt.

Anja Richter, Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Überfall in Ottakring
Elf Jahre Haft für zwei Beteiligte an Postraub
Österreich
Deutsche Bundesliga
Dortmund-Pleite, Hinteregger nach Tor verletzt out
Fußball International
Deutsche Bundesliga
2:0 gegen Nürnberg! Gladbach nicht zu stoppen
Fußball International
Vertrag bis 2019
Ibrahimovic bleibt bei Los Angeles Galaxy
Fußball International
Der krone.at-Talk
Ist das Weihnachtsfest noch zu retten?
Österreich

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.