Di, 16. Oktober 2018

Steirer zahlen mehr

25.09.2018 10:16

Neuer Taxitarif: Die Zeit der Kulanz ist vorbei

Elf Euro statt sechs Euro für das Taxi zum Arzt, 14 statt zehn für die Fahrt zum Einkauf: Seit 1. Juli muss steiermarkweit immer der Taxameter mitlaufen - womit auch das Ende der kulanten Pauschalen für viele Fahrten gekommen ist. Die Tarife wurden vereinheitlicht. Mittlerweile wird deutlich: Für viele Steirer ist das alltägliche Taxi nun empfindlich teurer. Die Kammer stellt allerdings Verbesserungen in Aussicht.

„Mehr Transparenz“, so lautete das große Anliegen von Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl, als sie per 1. Juli 2018 den einheitlichen Tarif für die gesamte Steiermark verordnete. Nur Graz und Umgebung haben weiterhin andere Preise. Dort galten - so wie auch in Leoben, Niklasdorf und den Bezirken Deutschlandsberg sowie Leibnitz - schon vorher fixe Tarife.

Die Maßnahme, den tariffreien Zonen im restlichen Land ein Ende zu setzen, hat ihre Berechtigung: Dass so mancher Taxler davor ohne Taxameter ein paar Prozent seiner Fahrten an der Finanz vorbei verrechnete, war ein schlecht gehütetes Branchen-Geheimnis.

Alte Pauschalen waren Kompromisse
Seit 1. Juli gilt nun Taxameter-Pflicht, die geforderte Transparenz ist Realität. Doch längst nicht alle Kunden und Unternehmer haben ihre Freude mit dieser Lösung. Denn damit fehlt auch die bisherige Möglichkeit, dass sich Fahrer und Fahrgast auf einen vernünftigen Preis einigen konnten - entweder, indem der Taxler besonders lange Anfahrten mitverrechnen durfte, oder zu Gunsten der Fahrgäste, die sich auf kulante Pauschalen verlassen konnten.

So sorgt etwa das neue, verpflichtende Grundentgelt von vier Euro dafür, dass kurze Fahrten vom Umland in die Bezirksstädte deutlich teurer werden. Hauptbetroffen sind dabei nicht selten Senioren, die das Taxi für den Arztbesuch oder den Wocheneinkauf nahmen.

Landbevölkerung öfter aufs Taxi angewiesen
Da habe es bisher stillschweigende Vereinbarungen gegeben, nicht mehr als fünf, sechs Euro zu nehmen, erzählen Betroffene. Ein häufiger Kritikpunkt: Anders als in der Stadt, wo es überall Öffis gibt, sei die Landbevölkerung viel stärker auf das Taxi angewiesen.

Das betrifft nicht nur Ältere. Auch junge Leute, die in der Nacht von der Disco heimfahren, müssen durch die neuen Gruppenzuschläge mehr Geld fürs Taxi einplanen. Eine Fahrt im vollen Neunsitzer-Bus von der Dico „Max“ ins Zentrum von Feldbach bringe jetzt statt sechs bis sieben Euro stattliche 18 bis 20 Euro, rechnet ein Taxler der „Krone“ vor.

Kein Preisdumping mehr
Da überrascht es kaum, dass viele Unternehmer über die Neuregelung froh sind, denn mit den Pauschalen wurde auch dem Preisdumping ein Ende gesetzt. Mancherorts sollen die Umsätze pro Fahrt um 30 Prozent gestiegen sein. Andererseits gibt es auch Unternehmer, die Einnahmen verlieren: In besonders dünn besiedelten Gegenden wie Ramsau am Dachstein fehlt Taxlern jetzt die Möglichkeit, ihre langen Leerfahrten durch höhere Pauschalen auszugleichen.

Unterm Strich werden Spartenvertreter und Politik die Tarif-Regelung wohl noch anpassen müssen: Die Steiermark ist zu groß, um alle Städte und Dörfer über einen Kamm zu scheren!

Mürzzuschlag: Keine Hilfe mehr für Arme
„Ich war dagegen, jetzt bin ich geläutert“, sieht Christian Ellmeier aus Mürzzuschlag die Preisreform positiv. Der Taxiunternehmer lobt die Preissicherheit für beide Seiten. Durch den Wegfall billiger Pauschalfahrten steige die Rentabilität, so Ellmeier. Fahrten im Raum Mürzzuschlag, für die früher sechs Euro pauschal verlangt wurden, bringen jetzt viel mehr. Dabei gebe es allerdings einen massiven sozialen Haken: Bei diesen Pauschalfahrten habe die Stadt früher noch 3,30 Euro zugezahlt, sodass Mindestpensionisten - oft alleinstehende Frauen - nur 2,70 bezahlt haben, jetzt bis zu 14 Euro!

Feldbach: Fahrt zum Arzt wird zum Luxus
Drastisch teurer wird das Taxi im Umfeld der Bezirksstädte, wo Fahrer früher oft Pauschalen verrechneten - etwa im Raum Feldbach: Ein Pensionist aus Paldau erzählte der „Krone“, dass er für die Fahrt nach Feldbach jetzt 20 Euro statt 14 bezahlt; ein ebenfalls pensionierter Oberweißenbacher muss für den Weg in die Stadt 14 statt zehn Euro berappen. Auch Theresia Erkinger aus Gniebing spürt die neue Tarifordnung im Börsel empfindlich: Wenn sie zum Arzt oder zum Einkaufen in die Stadt will, muss der Taxler statt der bisherigen Pauschale von sechs Euro zwischen zehn und elf Euro kassieren.

Ramsau: Taxler zahlen bei Leerstrecken drauf
„Für uns ist die Reform nicht ideal, weil wir viele Leerfahrten haben“, erklärt Taxi- und Busunternehmer Reinhard Hubner aus Ramsau am Dachstein. „Die Ramsau ist 20 Kilometer lang. Wenn du acht Kilometer Anfahrt hast und der Kunde nur zwei Kilometer weit fährt, rechnet sich das nicht. Schon gar nicht, wenn du dann die ganze Strecke leer wieder zurück musst. Es ist ja nicht wie in der Stadt, wo du dir dann in der Nähe den nächsten Standplatz suchst. Früher haben wir das in unsere Pauschalen eingerechnet. Außerdem brauchen wir einen Schlechtwege-Zuschlag für die vielen Schotterstraßen.“

Eine Tabelle zum neuen Tarif finden Sie hier.

Matthias Wagner
Matthias Wagner

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