So, 16. Dezember 2018

Ausstellung:

21.07.2018 07:13

Auf einen Sprint mit Sigi Freud

Kunstverein in Bewegung: „20 Propositions“ bescheren Artgenossen einen aufregenden Sommer

Wenn man derzeit den Kunstverein betritt, stehen plötzlich Siegmund Freud, Virginia Wolf oder Édouard Manet vor einem. Natürlich nicht leibhaftig, vielmehr treten sie als lebensgroße Papp-Darsteller in Jakob Koldings Installation „Movements“ in Erscheinung. „In meiner Arbeit dreht sich, wie der Titel schon verrät, alles um Bewegung in politischer, historischer, kultureller aber auch physischer Hinsicht. Und nachdem diese Persönlichkeiten im Laufe ihres Lebens, aber auch was die Zukunft betrifft viel bewegt haben, dürfen sie in meinem Bühnenbild natürlich nicht fehlen“, so der gebürtige Däne, der in Berlin lebt und arbeitet.

Kolding lässt sie allerdings nicht nur als Ikonen auftreten, sondern schmückt sie mit Kleidung, denn auch diese ist für ihn ein Zeichen der Identität und kulturellen Bewegung. „Man denke nur an die politischen Messages wie ,Frankie Say Arm The Unemployed’, mit denen die britische Band Frankie Goes to Hollywood in den 80ern ihre Fan-T-Shirts bedrucken ließen, und so ein klares Statement zu Thatchers Regierungsstil lieferten.“ Während Kolding dieses T-Shirt der amerikanischen Tänzerin, Choreographin und Performerin Yvonne Rainer überstülpt, schlüpft Freud in ein Laufdress. „Ich bin selbst Läufer und weiß ganz genau was Sport für den Kopf bedeutet. Allerdings gibt es auch viele, die den Bewegungswahn unterliegen.“

Auch das nicht nur in Österreich, sondern auch in Dänemark gerade aktuelle Vermummungsverbot greift er auf, in dem er das Haupt einer Frau unter einem Pullover versteckt.

„Ich werfe mit meiner Arbeit politische und kulturelle Fragen zum Thema Identität auf, und wie man in unserer schnelllebigen Gesellschaft damit umgeht. Eine Antwort darauf zu finden ist letztendlich jeden selbst überlassen.“ Hat man allerdings einmal sein Bühnenbild betreten, ist davon auszugehen, dass es irgendwas in jedem bewegt.

Der dänische Künstler ist diesem Sommer aber nicht der einzige Vertreter. In Anlehnung oder besser gesagt als Hommage an die vor 20 Jahren von der damaligen Direktorin und jetzigen Chefin der Sommerakademie Hildegund Amanshauser initiierte Schau „40 Tage 20 Ausstellungen“, präsentiert Séamus Kealy „20 Propositions“ von nationalen und internationalen Künstlern, die von Ausstellungen über Performances bis hin zu Filmvorführungen im Sunset Kino reichen.

Eine davon ist der Salzburger Christiane Peschek vorbehalten, die sich in ihrer Installation „Fields of Ares“ ganz intensiv mit einer verflossenen Liebe auseinandersetzt. Sie tapeziert einen Raum mit „Bruchstücken“ ihrer Beziehung, die der Betrachter wie ein Archäologe zu einer Geschichte rekonstruieren kann. Auf die richtige Fährte könnten Duftstoffe führen, die im zweiten Raum versprüht werden. Dabei handelt es sich um die Körpergerüche des Ex-Paares, die Peschek von Geruchsdesignern aus Schweiß und verwendeten Pflegeprodukten wieder herstellen ließ. Das der griechische Kriegsgott Ares den Titel beherrscht ist kein Zufall. „Das Streben nach übermenschlicher, ästhetischer Perfektion, das letztendlich aus dem Bedürfnis geliebt zu werden entwächst, war bereits in der Antike ein zentraler Aspekt, welcher sich in einer post-internet Gesellschaft in visualisierter Form wieder entdecken lässt“, so Kealy.

Tina Laske
Tina Laske

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