Sa, 20. Oktober 2018

Schreckensszenario

18.07.2018 06:00

Stirbt der Ozean, stirbt der Mensch!

„Stirbt das Meer, stirbt der Mensch“, betonen der österreichische Apnoe-Taucher Christian Redl und viele weitere Experten. Wenn die Verschmutzung der Ozeane weiter zunimmt, wird dieses Schreckensszenario auch eintreten. Also ist einfach jeder gefordert!

Eines der größten Probleme bei der Vermüllung der Weltmeere ist Plastik. Es gibt bereits eine schwimmende Kunststoff-Insel, die so groß wie Deutschland und Frankreich gemeinsam ist. Doch das ist nur ein Bruchteil. Die weit größeren Massen, darunter Billionen Mikroplastik-Partikel, treiben tiefer im Wasser. Forscher fanden in Wasserproben bereits bis zu sechsmal mehr Plastik als Plankton. Folge: Viele Meereslebewesen sterben. Auch weil sich Umweltgifte an Plastikpartikeln ablagern. Der Mensch nimmt die Stoffe mit Fisch und Meeresfrüchten auf.

Erst im März 2018 sorgte ein Video für Aufsehen: Ein Taucher hatte in den Gewässern vor der indonesischen Küste Rochen filmen wollen, doch statt der Fische bekam er Unmengen von Plastik vor die Linse:

Redl, der seit vielen Jahren die zunehmende Verschmutzung der Weltmeere bei seinen Projekten und Expeditionen hautnah mitbekommt, erzählte jüngst beim „Run for the Oceans“-Event in Wien: „Grünalgen aus dem Meer filtern Kohlenstoffdioxid, 50 Prozent des Sauerstoffs kommen aus den Ozeanen. Wir müssen für dieses Thema Bewusstsein schaffen.“ Seine Kernbotschaft: „Wenn jeder hilft, Plastik im Alltag zu vermeiden, ist das ein Anfang.“

Wirtschaft ist wichtiger Faktor bei Umweltschutz
Früher unterstützte der Niederösterreicher NGOs und kleinere Gruppen von Umweltaktivisten. Diese Initiativen fördert der 42-Jährige noch immer. Redl hat aber vor allem eines gelernt: „Wir müssen die Wirtschaft dazu bringen, etwas zu tun. Wir müssen aus dem angehäuften Dreck etwas produzieren, womit man Geld verdienen kann.“ Je erfolgreicher solche Firmen sind, desto besser funktioniere der Umweltschutz: „Wir brauchen riesige Communitys, Konzerne, die Budget haben. Von mir aus sollen die Firmen Millionen verdienen, weil sie geben ja der Welt etwas zurück.“

Jeder trägt zur Misere bei
Die Verschmutzung der Meere mit Plastik ist traurig, erschreckend und empörend. Aber Sie werfen ja bestimmt keinen Plastikmüll ins Meer, also was können Sie schon für die ganze Misere? Die Wahrheit ist: Auch wir Österreicher tragen zur Verschmutzung der Ozeane bei. Eine besonders perfide, weil fast unsichtbare Quelle der Plastikverschmutzung entspringt in unseren Bädern: Mikroplastik.

Mikroplastik großes Problem
In Zahnpasta, Peelings, Duschgels und vielen weiteren Pflege- und Kosmetikprodukten sind winzige Kunststoffteilchen enthalten, die aus dem Abwasser praktisch nicht herausgefiltert werden können und so fast ungehindert in unsere Gewässer - und über diese in die Meere - gelangen. Am Strand der - unbewohnten - Südostpazifikinsel Henderson Island etwa wurden 38 Millionen Plastikteile aufgefunden, die am Strand angeschwemmt wurden.

Auch bei unserer Kleidung lösen sich Plastikteilchen
Gewand mit Kunstfaseranteil wie Fleecejacken, Sportbekleidung oder ganz normale Shirts mit Chemiefaser-Anteil (Polyester, Nylon, Acryl) verlieren bei jedem Waschgang winzige Fasern, die von den Waschmaschinen und später von den Kläranlagen nicht herausgefiltert werden können. Dadurch landen auch diese Partikel praktisch ungehindert in den Meeren.

Ein großes Problem ist Abfall, der einfach irgendwo zurückgelassen wird - im Park, auf der Straße und ganz besonders in der Nähe von Gewässern. Denn beispielsweise eine Chipsverpackung, die irgendwo achtlos fallen gelassen wird, wird leicht in den nächsten Fluss geweht, der das Ganze dann langsam in Richtung Meer spült.

Fazit: Man hilft schon durch bewussteren Umgang mit Plastik. Noch besser ist es, nachhaltige Produkte zu verwenden. Am meisten hilft, so oft wie möglich auf Plastik komplett zu verzichten. Das kostet zwar mehr, bewirkt aber extrem viel.

Matthias Mödl und Hannes Steiner, Kronen Zeitung

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