Sa, 15. Dezember 2018

Kroatien vs Frankreich

15.07.2018 06:00

„Eine Stimmung als wäre Österreich im WM-Finale“

Das WM-Finale löst bei den 6252 in Kärnten lebenden Menschen kroatischer Herkunft eine nie dagewesene Euphorie aus. Ein Fußballfan aus Villach erlebt seine „Wiederauferstehung“…

Der Neue Platz in Klagenfurt ist bei der Fußball-WM zum „Wohnzimmer“ der kroatischen Landsleute geworden. Wann immer Modric und Co. im Einsatz sind, wird das Public Viewing beim Lindwurm von Tausenden Fans gestürmt. So wird es auch heute Nachmittag sein, wenn die „Vatreni“ aus Kroatien auf die „Le Bleus“ aus Frankreich treffen. Kein Wunder: Immerhin leben - laut aktueller Statistik  - 6252 kroatische Landsleute in Kärnten.

Euphorisch werden Siege bis in die Nacht gefeiert und Hupkonzerte ertönen überall in Klagenfurt. „Die Stimmung ist so genial, dass man glauben könnte, es spielt Österreich im Finale“, so Manfred Dobesch, Veranstalter vom Public Viewing.

„Die kroatischen Wurzeln vergessen wir nicht“
Österreich? So abwegig ist es gar nicht. Schließlich fühlen sich viele kroatische Fans längst als Österreicher. „Wir fiebern bei den Spielen von Österreich mit, aber die kroatischen Wurzeln vergessen wir nicht“, sagt der Villacher Mario Pavic, der 1992 mit seiner Familie nach Kärnten gekommen ist.

Bei aller Euphorie kennt der 34-Jährige aber auch die Kehrseite der Medaille im Alltag: „Manche arbeiten hart, um sich in Kärnten ein schönes Leben aufzubauen und zugleich ihre Familien in Kroatien zu unterstützen. Es ist aber nicht immer einfach, da man sowohl unten als auch in Österreich als Ausländer gesehen wird.“

Klagenfurt statt Zagreb
Sorgen, die während der WM  beiseitegeschoben sind. „Wir sind richtig stolz auf unser Land und unser Team“, sagt Mario, der am Sonntag mit seinen Landsleuten nach Zagreb fahren wollte, um dort das WM-Finale zu verfolgen. „Wir haben uns jetzt aber doch entschieden, zu bleiben, weil es uns in Klagenfurt immer sehr viel Spaß macht.“ Für das WM-Finale hat er einen speziellen Glücksbringer parat: Einen eigens gebastelten WM-Pokal. „Aber ganz egal wie das Spiel ausgeht: Wir werden nach dem Finale ein tolles Fest feiern.“

Wiederauferstehung
Für den Villacher selbst ist die WM das größte Geschenk. Vor wenigen Jahren war er nach einem Schlaganfall monatelang im Koma. „Damals wollte man schon die Maschinen abdrehen.“ Aber er kämpfte sich zurück - wie die Kroaten im Halbfinale gegen England.

Christian Rosenzopf
Christian Rosenzopf

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