Mo, 16. Juli 2018

Internet-Kriminalität

07.07.2018 15:00

Darknet: Ein Bazar für Drogen-Handel

Kriminalistisch ist es eine junge Disziplin: „Cybercrime“ -  von Datenklau über Pornografie bis Suchgifthandel. In der Statistik nehmen die Fälle immer mehr zu. Vor allem was Drogengeschäfte betrifft, sind die Ermittler immer öfters mit dem „Darknet“ konfrontiert. Jetzt konnten wieder zwei „Netz-Dealer“ überführt werden.

Die Kriminalität wandert ins Internet - ins „dunkle Netz“, salopp formuliert. Immer öfter sind die Ermittler des Salzburger Kriminalamtes mit dem so genannten Darknet konfrontiert. Dort wähnen sich kriminelle Netzwerke in der Sicherheit der Anonymität.

Aber nur in der vermeintlichen Anonymität. 

Einfach erklärt: Der Zugang zum Darknet erfolgt über spezielle Internet-Programme, die oft nur mit geringem Aufwand installiert werden müssen. Meist über persönliche Einladungen. die Seiten im Darknet sind verschlüsselt. „Onion-Seiten“ werden diese genannt, nach den Schichten einer Zwiebel, je nach Grad der Verschlüsselung. In normalen Suchmaschinen tauchen die Seiten daher nicht auf. Bezahlt wird dort mit Kryptowährungen wie Bitcoins.

Das Darknet ist daher ein Bazar, eine Plattform für illegalen Handel. Pornografie, vor allem aber der Drogenhandel wandert immer mehr ins Darknet.

Auch in Salzburg: „Wir fangen pro Monat zwischen 15 und 25 Pakete ab. Die Kunden sind zwischen 17 und 55 Jahre alt“, weiß Karl Heinz Pracher, Chef vom Landeskriminalamt. „Dabei sind verschiedenste Drogen, meist aus Holland und Spanien. Die Pakete greifen wir auf Flughäfen und in Postverteilerzentren auf.“

Erst im Dezember ist ein größerer Fall im Pongau bekannt geworden: Ein 25-Jähriger soll einen florierenden Handel mit Drogen und Falschgeld aufgezogen haben, drei Männer standen im Visier der Ermittler.

Oder im Mai 2017: Ein Halleiner (24) bestellte übers Darknet in den Niederlanden Amphetamine und Speed, die Pakete blieben am Frankfurter Flughafen hängen. 

Oder der jüngste Fall in der Stadt Salzburg: Da forschten die Ermittler einen 25-Jährigen aus, der zwischen Mai 2017 und  März  mindestens neun Bestellungen im Darknet aufgegeben haben soll. Als Lieferadresse gab er die seines Bruders (27) an. Die Pakete wurden an eine Abholstation geschickt. Durch akribische, auch technische Erhebungen wussten die Kriminalisten von einer Lieferung, die Mitte März in Salzburg-Neustadt eintreffen sollte - also observierten sie die Paketstation.

Mit Erfolg: Ein Packerl mit rund 300 Gramm Amphetamine konnte so sichergestellt werden. Bei einer Hausdurchsuchung bei den beiden Salzburgern wurden schließlich weitere Drogen gefunden: „Mitsamt der sichergestellten Paketlieferung wurden insgesamt über 1000 Gramm Amphetamine, rund 90 Gramm Ecstasy, eine geringe Menge an Kokain, knapp 40 Gramm Cannabisharz sowie knapp 90 Gramm Cannabiskraut“, heißt es von der Polizei.

Gleichzeitig wurden fünf Abnehmer - zwei Salzburger (26, 28), eine Flachgauerin (24) und ein Niederösterreicher (27) - mitausgeforscht.
Es ist eben nur eine vermeintliche Anonymität im Darknet

Wie die Täter haben sich auch die Salzburger Ermittler auf dem Gebiet spezialisiert. „Jeder hinterlässt im Internet Spuren oder Spurenfragmente, so genannte Artefakte. Die versuchen wir zu finden“, erklärt IT-Ermittler Wolfgang Haim auf „Krone“-Anfrage. „Es ist allgemein eine auffällige und sehr gefährliche Szene.“

Max Grill
Max Grill

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