Mo, 15. Oktober 2018

„Planungsunsicherheit“

26.06.2018 16:56

Volkstheater-Direktorin Anna Badora geht 2020

Anna Badora, die vor drei Jahren angetretene Intendantin des Wiener Volkstheaters, wird sich nach Ablauf ihres bis zur Saison 2019/20 laufenden Vertrages nicht wieder bewerben. Das gab die Regisseurin und Theaterleiterin am Dienstagnachmittag bekannt. Als Grund nannte sie mangelnde Planungssicherheit in Budgetfragen. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) will über die zukünftige Ausrichtung des Wiener Volkstheaters nachdenken.

„Da sich durch verschiedene Umstände die Situation für das Volkstheater geändert hat, und da ich diese Umstände nicht weiter ignorieren kann, weil sie auf unsere Arbeitsbedingungen unmittelbar Einfluss haben, werde ich mich nicht für eine zweite Amtszeit bewerben“, hieß es dazu in einer Aussendung, nachdem Badora ihre Mitarbeiter am frühen Nachmittag über ihren Schritt informiert hatte. „So ist ohne ein Minimum an finanzieller Planungssicherheit, ohne auch nur die geringste Kommunikationsmöglichkeit mit den Verantwortlichen im Bund ein solches wichtiges Haus nicht zu führen“, begründete Badora ihre Entscheidung.

Kulturministerium weist Kritik zurück
Im Kulturministerium wies man die Kritik zurück. Man stehe in ständigem Austausch mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Cay Stefan Urbanek. Bereits kurz nach Amtsantritt Kaup-Haslers habe es einen gemeinsamen Termin von Minister Gernot Blümel (ÖVP) und der Stadträtin gegeben, bei dem auch die Sanierung des Volkstheaters besprochen worden sei. Ein Folgetermin auf Beamtenebene habe bereits stattgefunden, so eine Sprecherin des Kulturministers: „Wir stehen mit Herrn Urbanek, der uns als Ansprechpartner genannt wurde, konstant im Austausch.“

Badora betonte am Dienstag weiters, dass sie gemäß ihrem Auftrag seit ihrer ersten Spielzeit mit großem Einsatz versucht habe, „dem Volkstheater ein entsprechendes zeitgenössisches Profil zu geben, neue Formate zu etablieren, neue Bevölkerungsschichten, auch junge, für das Theater zu erschließen, sowie das Theater in die Stadt zu tragen“, so die Intendantin. Die seit wenigen Wochen im Amt befindliche Kulturstadträtin Kaup-Hasler bekundete in einer Aussendung „großen Respekt“ vor Badoras Entscheidung.

Dämpfer in Badoras Karriere
Badoras Entscheidung, sich nicht erneut zu bewerben, ist ein Dämpfer in einer Karriere, die lange Zeit nur nach oben wies. Die 1951 im südpolnischen Tschenstochau geborene Regisseurin und Theaterleiterin leitete ab 1996 das Düsseldorfer Schauspielhaus und wechselte zehn Jahre später nach Graz. Am dortigen Schauspielhaus feierte sie zahlreiche Erfolge. Ihr Programm galt als vorbildlich bei der Jugendarbeit und in der Auseinandersetzung mit aktuellen Themen, was sie auch in Wien anstrebte. Als große Baustellen - neben der Sanierung - entpuppten sich Aufreger wie die Schließung der Werkstätte oder der Rückzieher bei Ibrahim Amirs „Homohalal“, das schließlich in Dresden statt in Wien uraufgeführt wurde. Über einen großen Publikumserfolg freute man sich hingegen in diesem Frühjahr mit dem David-Bowie-Musical „Lazarus“.

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