Di, 19. Juni 2018

Motiv liegt im Dunkeln

07.06.2018 07:29

Rekrut erschossen: Jetzt startet der Mordprozess

Am Donnerstag wird am Wiener Landesgericht der Mordprozess gegen einen jungen Soldaten (22) eröffnet, der Anfang Oktober 2017 in der Albrechtskaserne den 20 Jahre alten Rekruten Ismail M. erschossen hat. Bis heute sagt Todesschütze Ali U. (22): „Meine Tat war ein Unfall!“ Die Staatsanwaltschaft und die Familie des Opfers hingegen gehen von einem eiskalten Mord aus.

Der tödliche Schuss war im Ruheraum eines Wachcontainers gefallen, wo der 20-Jährige auf einer Pritsche schlief. Der Angeklagte, der zunächst Erinnerungslücken geltend gemacht hatte, behauptete im Rahmen einer Tatrekonstruktion, er hätte seinen Kameraden wecken wollen. Dabei sei er gestolpert und hätte sich am Abzug seines Sturmgewehrs festgehalten, worauf sich der Schuss löste.

Video: Letzter Akt nach Schuss in Kaserne

Ex-Mithäftling belastet Ali U. schwer
Zunächst schien es auch fast so, als würde die Justiz Ali U.s Angaben - eine Kugel habe sich nach unsachgemäßem Hantieren aus dem Gewehr gelöst - Glauben schenken. Anfang 2018 wurde der junge Salzburger aus der U-Haft entlassen. In einem „Krone“-Interview beteuerte er damals tränenreich seine Unschuld: „Ismail war doch mein Freund!“

Im März musste er abermals ins Gefängnis. Ein Ex-Mithäftling hatte behauptet, er habe ihm „eine vorsätzliche Tat“ gestanden. U. dazu: „Der Mann lügt.“ Die Opfer-Familie zweifelt die Unfallversion ebenfalls an: Die Angaben des Schützen „scheinen uns völlig absurd“.

Kein offensichtliches Motiv
Die Anklage stützt ihren Mordvorwurf auf die widersprüchlichen Angaben des jungen Mannes im Ermittlungsverfahren, die Aussagen von zwei Zeugen, die den 22-Jährigen belasten, und vor allem auf die Ergebnisse ein Schießgutachtens, das sich aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht mit der Version des Angeklagten in Einklang bringen lässt. Allerdings gibt es in dem Fall kein offensichtliches Motiv, das sich während der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen belegen hätte lassen.

Die Verhandlung ist auf zwei Tage anberaumt.

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.