Di, 23. Oktober 2018

Im Brennpunkt

05.06.2018 07:30

„Wegwerfen ist nicht mehr leistbar!“

Viele Österreicher trennen brav ihren Müll. Aber es gibt nach wie vor Zigtausende, die sich einfach nur von ihrem Müll trennen - ohne ihn auch nur annähernd auszusortieren. 

Einfach wegwerfen können wir uns nicht mehr leisten - weder aus ökologischer noch aus ökonomischer Sicht“, schlägt Hans Roth, Präsident des Verbandes Österreichischer Entsorgungsbetriebe, Alarm. Nachsatz: „Abfall ist die wichtigste Grundlage für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Die Voraussetzung dafür ist aber eine konsequente und auch sorgsame Mülltrennung!"

Große Mehrheit trennt gewissenhaft den Abfall
Gleichzeitig verweist Roth aber schon auf Zahlen, die sich herzeigen lassen. Wie eine aktuelle Studie ergab, achtet die Mehrheit der Österreich in ihrem Haushalt auf Mülltrennung. Die Hälfte davon sogar „sehr genau“. Die große Mehrheit der Bevölkerung findet auch Recycling wichtig. Allerdings: Nur jeder Vierte unter 30 Jahre ist sich sicher, welcher Abfall in welche Mülltonne gehört. Das ist insofern besorgniserregend, da nur aus sortenrein gesammeltem Abfall dank der Kreislaufwirtschaft wertvolle Sekundärrohstoffe entstehen können. Durch dieses Nichtwissen landen jährlich unglaubliche 600.000 Tonnen Papier, Glas, Kunststoff und Metall im Restmüll.

Letztlich eine Geldverschwendung: „Je mehr getrennter Abfall durch eine Gemeinde gesammelt wird, desto mehr Geld sparen sich die Bürger“, fasst Alfred Riedl, Präsident des österreichischen Gemeindebundes, zusammen. „Wir sitzen auf einer Goldgrube, wir müssen nur konsequent schürfen. Müll sollte nicht nur der Umwelt zuliebe getrennt werden, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen“, ist Riedl überzeugt.

85 von 100 Österreichern sehen die Mülltrennung als ihren wichtigsten persönlichen Beitrag zum Umweltschutz, gefolgt vom achtvollen Umgang mit Lebensmitteln (75 Prozent) und dem Verzicht auf das Plastiksackerl, sofern es möglich ist (70 Prozent ).

Fleißigste Mülltrenner leben in der Steiermark
Die fleißigsten Mülltrenner kommen übrigens aus der Steiermark. Gefolgt von den Burgenländern, Niederösterreichern, Oberösterreichern und Vorarlbergern. Schlusslichter sind Wien, Salzburg und Tirol. Aber auch diese Zahlen sind von einem Wermutstropfen flankiert: Die Werte von jungen Befragten sind deutlich geringer. So achtet zwar die Hälfte aller Befragten „sehr genau“ auf die Mülltrennung - aber nur 29 Prozent der Unter-30-Jährigen. Es liegt also vermehrt an den jungen Menschen, die Müllzukunft in Österreich besser zu gestalten.

Müll und fünf hartnäckige Mythen

Beim Mülltrennen lässt sich so manch ein Österreicher von oft falschen Annahmen negativ beeinflussen. Die „Krone“ hat den Faktencheck gemacht:

  • „Wozu Mülltrennen? Die schmeißen ja dann sowieso wieder alles zusammen!“
    Falsch! Die getrennte Altstoffsammlung liefert hochwertige Rohstoffe für unsere Wirtschaft und schützt Umwelt sowie Klima. Daher hat stoffliches Recycling Vorrang: Aus Plastikflaschen werden wieder Plastikflaschen, aus Altpapier wieder Papier, farbsortiertes Bunt- und Weißglas wird zu neuen Flaschen, Metalle zu vielfältigen Neuprodukten. Verbrannt werden hingegen nur jene Reststoffe, die stofflich nicht mehr verwertet werden können.
  • „Mülltrennen ist nur viel Arbeit und bringt mir persönlich überhaupt nichts!“
    Stimmt nicht. Wenn ordentlich gesammelt wird, fällt weniger Restmüll an. Dadurch können Kosten gespart werden. Und auch die Umwelt profitiert: Allein in Wien können durch die getrennte Sammlung jährlich 75.000 Tonnen CO2-Äquivalente gespart werden - das entspricht den Emissionen von etwa 38.000 Pkw, die jährlich 15.000 Kilometer fahren.
  • „Weiß- und Buntglas wird im Sammel-Lkw dann eh wieder zusammengeworfen!“
    Irrtum! Jedes Glassammelfahrzeug hat zwei Kammern: Weiß- sowie Buntglas können auf diese Weise im gleichen Fahrzeug getrennt transportiert werden.
  • „Das Sammeln von Altmetall ist sinnlos, es wird aus dem Restmüll aussortiert!“
    Das Trennen von Metallen ist nicht sinnlos, sondern sogar sehr wichtig. Der Restmüll gelangt in die Verbrennung, bei der saubere Energie und wohlige Wärme entstehen. Metalle verursachen in den Verbrennungsanlagen langfristig kostspielige Schäden. Außerdem sind Altmetalle ein wichtiger Rohstoff.
  • „Gesammelte Plastikflaschen werden in der Müllverbrennungsanlage verheizt!“
    Nein! Sie werden wiederverwertet, was zugleich heißt, dass neue Plastikflaschen entstehen.

Kronen Zeitung

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